Heinsberg: Werke im Begas-Haus werden um eine vierte Generation erweitert

Heinsberg : Werke im Begas-Haus werden um eine vierte Generation erweitert

Mit einem sensationellen Fund nahe der spanischen Stadt Sevilla kann das Heinsberger Museum Begas-Haus seine Präsentation der bekannten deutschen Künstlerdynastie jetzt um die vierte Generation, um die Bildhauerin Astrid Begas (1905 - 1997), erweitern.

In der Kleinstadt Umbrete, rund 20 Kilometer von Sevilla entfernt, fanden sich im Haus des spanischen Malers Jesús Barca zahlreiche Dokumente, Fotos und auch künstlerische Arbeiten der Tochter des Rittmeisters Curt Begas und seiner schwedischen Ehefrau Maud von Crafoord. Verpackt in einem Aktenkoffer und vier großen Kartons ist ihr gesammeltes Lebenswerk jetzt in Heinsberg eingetroffen.

Beim privaten Spanienurlaub

„Vor etwa zwei Jahren war ein Journalist hier im Museum, der früher für die Deutsche Welle gearbeitet hat“, erzählt Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann. Er habe ihr von Jesús Barca, dem letzten Lebensgefährten von Astrid Begas, erzählt. Sie selbst habe schon bei der Konzeption des Begas-Hauses nach der Künstlerin gesucht, aber nur herausgefunden, dass sie einmal im spanischen Marbella gemeldet war.

Vor kurzem machte sie sich dann im Rahmen eines privaten Spanienurlaubs auf den Weg nach Umbrete und traf den Künstler, der bereit war, dem Begas-Haus alles zu übergeben, was Astrid Begas ihm überlassen hatte. „Es war, als würde ihr ganzes Leben in einen Koffer gepackt“, schildert Dr. Rita Müllejans-Dickmann ihre Erlebnisse vor Ort. Zum einen sei der 77-Jährige, der plant, sein Haus aufzugeben, natürlich froh gewesen, mit diesem Teil seines Lebens abschließen zu können und den Nachlass von Astrid Begas in Ehren bewahrt zu wissen. Zum anderen sei dies für ihn aber auch ein sehr emotionaler Schritt gewesen.

Gesundheitszeugnis

Was jetzt in Heinsberg angekommen ist, sieht wirklich aus wie die Sammlung eines ganzen Lebens. Da finden sich neben kleineren und größeren Skulpturen zum Beispiel die Ausweispapiere der Künstlerin, sogar noch ihr Gesundheitszeugnis, das sie für ihre erste Eheschließung benötigte. Vorsichtig wickelt Dr. Rita Mülle-jans-Dickmann dann sogar ihr Zigarettenetui aus der weißen Verhüllung, das ebenso das Wappen der Familie Begas trägt wie die Zigarettenspitze, die Astrid Begas benutzt hat. „Nur ein Porträtfoto von Astrid Begas hat Jesús Baca noch behalten“, weiß die Museumsleiterin.

Zuerst einmal muss jetzt der gesamte Inhalt gesichtet und katalogisiert werden. Einiges davon werde sicherlich künftig auch in der Museumspräsentation zu sehen sein, ist sich die Begas-Expertin sicher. Bisher ist im Haus nur ein Werk von Astrid Begas zu sehen: eine gut 30 Zentimeter hohe figürliche Darstellung aus Biskuitporzellan mit dem Titel „Sehnsucht“.

Von 1935 an hatte Astrid Begas für die Kunstabteilung Selb der Porzellanmanufaktur Rosenthal mehrere solcher Darstellungen entworfen, sie sich größter Beliebtheit erfreuten und noch bis Mitte der 1940er-Jahre produziert wurden. Die im Begas-Haus ausgestellte Plastik ist eine Leihgabe aus Privatbesitz.

Ihren ersten künstlerischen Unterricht erhielt die am 8. Mai 1905 in Deutsch-Wilmersdorf, heute ein Stadtteil von Berlin, geborene Urenkelin des Malers Carl Joseph Begas und Großnichte des Bildhauers Reinhold Begas bei den Bildhauern Ernesto de Fiori (1884—1945) und Professor Wilhelm Otto (1871-1950) in der Berliner Handwerker- und Kunstgewerbeschule.

Es folgte das Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Hochschule der Bildenden Kunst in Berlin bei Fritz Klimsch (1870—1960), der als Lehrer in mehrfacher Hinsicht besonders prägend auf die Künstlerin wirkte.

In ihren Porträtbüsten, Frauenakten und Athleten folgte sie seinem klassischen Kunstverständnis, mit dem er im Nationalsozialismus zu Ruhm und Anerkennung gelangt war. Auch Astrid Begas verzeichnete in dieser Zeit ihre größten Erfolge. Ihr eigenes Verhältnis zum Nationalsozialismus bleibt indes bis heute ungeklärt. Als besonders attraktive Frau und erfolgreiche Künstlerin fand sie zudem in den 1930er-Jahren immer wieder die Aufmerksamkeit der Medien. Mehrfach posierte sie für die damals viel gelesene Gesellschaftszeitschrift „Die Dame“.

In ihrer bildhauerischen Arbeit entstanden Porträts zahlreicher Persönlichkeiten der damaligen Zeit, so etwa eines von Prinzessin Sybille, der Mutter des Königs Carl XVI. Gustaf von Schweden, aber auch eines von Adolf Hitler, vom spanischen General José Moscardó oder vom britischen Faschistenführer Sir Oswald Mosley. Zierleisten für Automobile der Luxusklasse entwarf Astrid Begas in dieser Zeit ebenfalls. Die Verlegung ihres ständigen Wohnsitzes nach Spanien führte jedoch im Jahr 1940 zum Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste.

Privat lebte die Künstlerin in erster Ehe mit dem Berliner Baumschulenbesitzer Dr. Hellmuth Späth. Die 1928 geschlossene Ehe wurde schon 1935 wieder geschieden. Danach heiratete sie den ungarischen Adligen Georg von Szavoszt Finaly, der in Spanien den Vertrieb der Lenz´schen Ventilsteuerung für Dampfmaschinen und Lokomotiven innehatte.

Die beiden gründeten in Marbella zusammen die Farm „Los Cipreses“ an der Stelle, wo sich heute der Marbella Beach Club befindet. Nach dem Tod von Georg von Szavoszt Finaly wurde der Maler Jesús Baca dann ihr dritter Lebenspartner. Nach ihrem Tod am 15. Mai 1997 wurde Astrid Begas zunächst neben ihrem zweiten Ehemann in Marbella beigesetzt. Heute ruhen beide im Familiengrab von Jesús Barca in Umbrete.