Erkelenz: Wer helfen soll, dem muss es gut gehen

Erkelenz : Wer helfen soll, dem muss es gut gehen

„Menschen stärken Menschen“, das ist nicht nur der Name des Netzwerkes, sondern auch die Kurzformel für das Anliegen, das sich dahinter verbirgt. Die Förderung und Stärkung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in der Stadt Erkelenz hat sich das Kooperationsbündnis zwischen der Stadt Erkelenz, dem Deutschen Kinderschutzbund Erkelenz und den Mitgliedern des Arbeitskreises „Flüchtlinge“ auf die Fahnen geschrieben.

„Ehrenamtliche brauchen Unterstützung“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Dr. Hans-Heiner Gotzen, denn „Integration hat vielfältige Herausforderungen und Integration gelingt nur mit dem Ehrenamt“. Im Kinderschutzbund habe die Stadt einen vielfältig unterstützenden, engagierten Mitstreiter gefunden. Neben Aufbau und Gestaltung des Netzwerkes für das Ehrenamt, verschiedenen Koordinierungsaufgaben und fachlicher Beratung und Unterstützung wird die Stadt Erkelenz ein Forum zum gemeinsamen formellen und informellen Austausch aufbauen.

Der Kinderschutzbund wird ein fachlich angeleitetes Gruppenangebot zum Erfahrungsaustausch und Einzelgespräche mit Fachkräften anbieten. Einen 24-stündigen Notdienst für akute Krisenfälle wird es ebenso geben wie Unterstützung im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen und dem Thema „Nähe und Distanz“. Fortbildungsangebote und Präventionsschulung runden das Angebot ab.

Was sich hier zunächst einmal nach Theorie anhört, wird im Gespräch über die Flüchtlingsarbeit schnell praxistauglich. Von den Nöten und Komplikationen, von Erwartungen und Enttäuschungen berichtet Michael Kutz, Ortsverbandsvorsitzender des Kinderschutzbundes Erkelenz, von dem großen Engagement, dem die große Enttäuschung folgt. Er will Mut machen, im rechten Augenblick zu sagen „das kann ich nicht“, bevor die Überforderung an die eigene Erschöpfungsgrenze führt. Denn: „Den Ehrenamtlichen muss es gut gehen, nur dann können sie auch Flüchtlingen helfen.“

„Hier steht der Ehrenamtliche im Mittelpunkt, wird ernst genommen, erfährt Wertschätzung“, sagt Bettina Königs, systemische Familientherapeutin beim Kinderschutzbund. Das Netzwerk soll Potenziale und Ressourcen bündeln, Stärken zusammenführen. „Ehrenamt fällt leicht, wenn man seine eigenen Fähigkeiten und Begabungen einsetzen kann.“ Also Familienarbeit statt Behördengänge — oder umgekehrt. Dem Austausch komme eine besondere Rolle in der Flüchtlingsarbeit zu, vom entstehenden Netzwerk könnten alle profitieren.

650 Flüchtlinge leben zurzeit in Erkelenz, 83 Ehrenamtliche bemühen sich um die Integration. „Die Bedarfe haben sich in den beiden letzten Jahren enorm geändert“, sagt die Integrationskoordinatorin der Stadt, Samira Meurer, „und die Ehrenamtlichen kommen nur noch tröpfchenweise“. Auch das ist ein Grund für die Erstellung des Flyers, in dem das Netzwerk „Menschen stärken Menschen“ seine Angebote und Ziele beschreibt. Der Flyer richtet sich an die bereits arbeitenden Ehrenamtlichen und an alle, die in Erkelenz noch dazukommen wollen.