Vergabeprobleme an Grundschule: Wenn Berufstätigkeit zum Schlüssel für einen OGS-Platz wird

Vergabeprobleme an Grundschule : Wenn Berufstätigkeit zum Schlüssel für einen OGS-Platz wird

Vielen Eltern in Ratheim ist die Luft weggeblieben, als ihnen das Schreiben der GGS im Weidengrund ins Haus geflattert ist. Auch Christine F., die ihren vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Denn in der GGS im Weidengrund, in der ihre Tochter Sophie angemeldet ist, fehlen die Nachmittagsbetreuungsplätze in der offenen Ganztagsschule.

Seit Jahren wird Sophie in der Kita verlässlich bis 16 Uhr betreut, ebenso lange gehen sie und ihr Mann wieder Vollzeit arbeiten. „Der Platz in der OGS ist für uns enorm wichtig, weil der Grundschultag an den meisten Tagen schon um 12 Uhr endet“, sagt Christine F.

Schreiben der GGS

In dem Schreiben der GGS Im Weidengrund wird mitgeteilt: „Da für das Schuljahr 2019/2020 sehr viele Kinder in der OGS angemeldet wurden, konnten wir die Vergabe der OGS-Plätze bislang nicht regeln.“

Schulleiterin Anja Joeres-Faustmann erklärt auf Nachfrage: „Ratheim wächst. In diesem Jahr werden sehr viele Kinder eingeschult – rund drei Dutzend mehr als in den vergangenen Jahren. Wir werden drei erste Schuljahre bekommen, aber nur eine vierte Klasse verlässt die Schule.“ Erschwerend hinzu komme die Tatsache, dass die Stadtverwaltung angekündigt hat, eventuell einen der OGS-Räume der Schule für eine Kindergartengruppe zur Verfügung stellen zu müssen.

„Die Plätze werden nun nach einem schulinternen Kriterienkatalog verteilt, der als oberste Priorität die Berufstätigkeit der Eltern berücksichtigt.“ Alle berufstätigen Eltern müssten nun umgehend die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers vorlegen. „Aber ich versichere, dass die Caritas als Träger der OGS, die Stadt Hückelhoven gemeinsam mit dem Kollegium unserer Schule sehr bemüht ist, das Möglichste aus der Situation herauszuholen“, sagt Joeres-Faustmann.

„Aber was heißt das jetzt für mich? Ich brauche doch Planungssicherheit! Verliere ich meinen Job, wenn Sophie nach den Sommerferien keinen OGS-Platz bekommt, weil Plätze fehlen?“, möchte Christine F. wissen. „Nein“, sagt dazu ganz klar Stephan Matzerath, Leiter des Schulverwaltungsamts der Stadt. Er sei optimistisch, dass es eine Lösung bis nach den Sommerferien gebe und ist überzeugt, dass alle Kinder berufstätiger Eltern einen OGS-Platz erhalten werden.

Seit 2007 sei die Caritas im Stadtgebiet Maßnahmenträger der Offenen Ganztagsschulen. „Und gemeinsam arbeiten wir derzeit an einer Lösung“, versichert er. Das Problem, so erklärt Matzerath – und das bestätigt auch Joeris-Faustmann – sei nicht der fehlende Platz in der GGS. „Selbst wenn wir einer Kita-Gruppe einen OGS-Raum überlassen müssten – wir würden alle enger zusammenrutschen. Wir haben auch in den vergangenen Jahren eine Überbelegung gehabt und das ging auch“, beteuert Joeres-Faustmann. Nein, der Mangel an OGS-Plätzen sei vielmehr einem Personalmangel geschuldet. „Zwei OGS-Gruppen können wir derzeit garantieren. Für die dritte Gruppe fehlt uns eine Gruppenleitung. Und die muss eine voll ausgebildete Erzieherin übernehmen“, sagt die Schulleiterin.

Würde eine geeignete Kraft für die Stelle gefunden, könnten bis zu 75 Kinder in der OGS Im Weidengrund betreut werden. Damit, das weiß die Schulleiterin, wäre allen Berufstätigen geholfen und auch viele Kinder bekämen einen Platz, bei denen eine Nachmittagsbetreuung aus pädagogischen- oder Fördergründen Sinn mache.

„Caritas und Stadtverwaltung suchen mit Nachdruck und Hochdruck“, betont Joeres-Faustmann. „Die Stadt Hückelhoven hat der Caritas längst grünes Licht gegeben, die Stelle auszuschreiben“, versichert Matzerath auf Nachfrage. „Bislang hat sich nur noch niemand für den Posten gefunden“, bedauert der Amtsleiter.

Dass der Bedarf an Nachmittagsbetreuung in der Schule immer größer wird, das habe die Hückelhovener Verwaltung bereits vor Jahren festgestellt. „Seit 2007 haben wir in jedem Jahr eine Zunahme festgestellt. Im diesem Jahr sind 470 Kinder für die Nachmittagsbetreuung angemeldet. Das sind 35 Prozent der Kinder im Stadtgebiet.“ Die Verwaltung versuche, gesellschaftliche Entwicklungen aufzufangen und auf Bedarfe zu reagieren: „Der Rat hat einen weiteren Anbau für die OGS an der Michael-Ende-Schule in Ratheim beschlossen, es wird OGS-Erweiterungen in Baal, an der Förderschule in Hückelhoven und an der neuen Grundschule in Hilfarth geben. Insgesamt werden wir die OGS-Kapazitäten in den kommenden drei bis vier Jahren verdoppeln“, sagt er. Christine F. hat dieser Tage ihre Arbeitsbescheinigung abgegeben. „Ich kann nur auf eine gute Lösung hoffen“, sagt sie.

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