Wassenberg-Effeld: Wenn „alles mit alles zusammenhängt“, ist Hastenraths Will on Tour

Wassenberg-Effeld : Wenn „alles mit alles zusammenhängt“, ist Hastenraths Will on Tour

Zuerst sieht das Publikum ihn gar nicht: Hinter der Bühne schon schlüpft Christian Macharski in seine Rolle von Hastenraths Will und liest laut vor, was er seinem Tagebuch anvertraut. „Liebes Tagebuch“, schreibt der erfolgreiche Landwirt und „scharismatische“ Ortsvorsteher, knabbert dabei „gedankenverloren“ an seinen Erdbeeren und weiß schon genau, dass sein Publikum ausrasten wird, wenn er auf die Bühne kommt.

Tut es dann auch, als Will im neuen Programm, aber in durchaus vertrauter Montur mit grüner Kappe, Hornbrille, kariertem Hemd, graublauer Hose mit Hosenträgern, grünen Gummistiefeln und gleichfarbigem Parka wieder auf der Bühne steht. Links von ihm ein Rednerpult, das dort bis zur Zugabe aushalten muss, rechts sein Büro mit Selfkantfahne und Globus auf dem Schreibtisch.

Für seinen Wahlkampf gegen Schorschi Zielonka, der ihm sein Amt streitig machen will, hat Will sogar Plakate drucken lassen. Foto: Anna Petra Thomas

Zehnfache Premiere

Beide eng nebeneinander symbolisieren, um was es Will geht in seiner neuen, großen Kleine-Dörfer-Tour mit gleich zehnfacher Premiere, wie er sagt. Zur ersten davon sind 130 Gäste gekommen und mehr hätten auch nicht hineingepasst in den Amici-Beach-Club direkt am Effelder Waldsee. Hier macht sich Will ernsthaft Gedanken um die „Globalisation“, bei der „alles auf de Welt mit alles irgendswie zusammenhängt“ und die für ihn so viel mehr ist als nur eine „Flotzkel“.

Will wagt einen Blick auf die neuen Reisegewohnheiten der Senioren, für die bisher die Welt am Jägerzaun zu Ende war. Und er blickt ins Neubaugebiet seines Dorfes, wo es von Zuwanderern nur so wimmelt. Sogar Holländer sind dabei, die für ihn die prominentesten Umweltschützer sind. „Die verkaufen ihr Wasser in Tomaten, mehr Bio geht nich“, findet Will. Kein gutes Haar lässt er auch an den Veganern, die sich hier niedergelassen haben. Schon gar nicht verstehen kann er, warum diese Menschen sich Schinken und Wurst aus Tofu formen. „Welcher Fleischesser käme auf die Idee, sich einen Blumenkohl aus Mett nachzubauen!“, lästert er.

Er erzählt das Neueste aus dem Dorfladen von Marianne Mühlensiepen, von ihrem Sohn Karl-Josef und von seinem Nachbarn, dem „eingeschweißten“ Junggesellen Karl-Heinz Schlömer. Viele neue Eigenkreationen an Wortspielen wie dieses breitet Will auch bei seiner neuen Tour in einem „humorgetränkten Abend“ aus, garniert mit seinen neuen Witzen, für die seine Aussprache fremdsprachiger Begrifflichkeiten das Sahnehäubchen sind.

Stuhle des Ortsvorstehers gehört den Hastenraths

Sein größtes Problem ist dieses Mal wieder Schorschi Zielonka. Einst wollte dieser ihm seine Frau ausspannen, jetzt will er ihm sogar sein Amt als Ortsvorsteher streitig machen. Dabei ist der Stuhl des Ortsvorstehers doch der „eiserne Thron“ der Hastenraths. Schon Wills Vater und auch sein Großvater waren Ortsvorsteher im Dorf. Ärgerlich, doch mit seiner Bauernschläue nutzt Will natürlich jetzt auch jede Gelegenheit, die Wähler auf seine Seite zu bringen. Selbst bei Beerdigungen, denn bis auf den einen sind die anderen doch alles seine Wähler, lautet sein Credo. Sogar Wahlplakate hat Will machen lassen. „Ich setz klar auf Inhalte“, betont er und hält eins davon hoch, auf dem er sich sogar als Verfechter für „Geld mit Migrationshintergrund“ positioniert. Und dann verrät er noch seine Plakat-Geheimwaffe für alle Fälle: „Schorschi Zielonka ist evangelisch! Wählt Will“, steht darauf zu lesen, mehr nicht.

Nachdem ihn sein Wahlkampfteam dann schon auf seinem roten Telefon in seinem „Oval Office“ angerufen hat, beeilt sich Will mit dem Schluss: „Man darf keine Angst haben vor de Zukunft“, sagt er. „Am Ende ist die Welt immer nur en Dorf, un da kennen wir uns aus!“

Zugaberufe wartet er erst gar nicht ab, sondern schreitet sofort ans Rednerpult und verkündet seine Träume im Format von Martin Luther Kings „I have a dream“: Nie mehr will er im Supermarkt von einer Verkäuferin gefragt werden, ob er Punkte sammelt, nie mehr mit seiner Frau an Feiertagen nach Holland zum Einkaufen fahren müssen. Er will Butter aufs Weißbrot schmieren können, ohne dass es kaputtgeht und einmal in seinem Leben eine Tablettenpackung so öffnen können, dass nicht zuerst der Beipackzettel auftaucht, vor allem aber diesen Zettel gefaltet wieder in die Packung hineinbekommen.