Weltrekord aus Wassenberg: Mit riesigem Stuckstab ins Guinness Buch

Weltrekord-Versuch : Mit riesigem Stuckstab ins Guinness Buch

Ob er ein Stuckateur mit Leib und Seele ist? Die Frage ist vielleicht ein wenig zu pathetisch. Fest steht jedoch, dass Alexander Bürsgens einer mit großer Leidenschaft für seinen Beruf ist.

Und das liegt ihm ohne Zweifel in den Genen, denn nicht nur sein Vater ist Stuckateurmeister, auch sein Großvater und der Urgroßvater hat das Unternehmen, das jetzt sein Vater führt und in dem sich der Junior anschickt, die Familientradition fortzuführen, einst gegründet. Doch schon jetzt strebt der 21-jährige Wassenberger nach höheren Weihen, denn er will ins Buch der „Guinness World Records“.

Zusammen mit seinen Kollegen aus dem deutschen Nationalteam der Stuckateure möchte Bürsgens einen neuen Weltrekord aufstellen: Am Freitag, 13. September, wollen die Nachwuchstalente zusammen mit Auszubildenden des Lehrbauhofs in Berlin innerhalb von 30 Minuten einen Stuckstab mit einer Länge von 105 Meter ziehen. Schirmherr der Veranstaltung ist niemand Geringerer als Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie.

Dass Bürsgens in seinem Handwerk über ein außerordentliches Talent verfügt, zeigte sich bereits bei seiner Gesellenprüfung im Jahr 2017. Damals wurde er Innungs- und Kammersieger. Derzeit baut er in Aachen seinen Meister. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal die Chance bekomme, einen neuen Weltrekord aufzustellen! Aber ich bin mir sicher, dass wir das schon schaffen, denn meine Kollegen und ich sind ein Spitzen-Team. Wir haben auch schon in Berlin mit den Auszubildenden des Lehrbauhofs trainiert, und das hat gut geklappt“, sagt Bürsgens.

Wohl aufgrund seines guten Abschneidens bei der Gesellenprüfung hatte der 21-Jährige noch 2017 eine Einladung erhalten, sich für das Nationalteam der Stuckateure zu bewerben. Ende des Jahres gab es dann in Krefeld einen Ausscheidungscontest, bei dem rund 40 Mitbewerber an den Start gingen. „Meine Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ein Trockenbaukonstrukt mit vier verschiedenen Modulen anzufertigen. Ich kam am Ende unter die ersten Drei, und damit war ich im Team.“

Wenn Alexander Bürsgens nicht gerade Stuckarbeiten herstellt, kann man ihn auch im Fitnessstudio oder auf dem Motorrad antreffen. Foto: Brigitte Waltl-Jensen

Seit mittlerweile neun Jahren gebe es die Nationalmannschaft für Stuckateure, sagt der Wassenberger. Auch in anderen Handwerksbereichen gebe es solche Teams, die sich auf internationaler Ebene miteinander messen. Auch Bürsgens ist schon bei Wettkämpfen in Köln und Berlin mit dem Team angetreten. Länger als zwei Jahre gehöre jedoch niemand dazu, erklärt er, dann finde wieder ein personeller Wechsel statt. Er selbst scheide schon Anfang nächsten Jahres wieder aus.

Die Aufgabe, die sich das Nationalteam vorgenommen hat, ist keine einfache: Um den über 100 Meter langen Rekordstab in dem 30-minütigem Zeitfenster ziehen zu können, müssen insgesamt 18 Handwerker perfekt Hand in Hand zusammenarbeiten. Sie teilen sich in neun Zweier-Teams auf, die jeweils aus einem Mitglied des Nationalteams und einem Auszubildenden des Lehrbauhofs bestehen. Präzision und Schnelligkeit sind dabei die entscheidenden Faktoren: Denn Bürsgens und seine Kollegen haben nur knapp 15 Minuten Zeit, um jeweils zu zweit etwa 13 Meter lange Stuckelemente aufzubauen. Danach werden drei Top-Teams die Oberfläche des Stabs mit einer Schablone fertigstellen. Hierfür sind die Stuckateure mit den höchsten Sprintqualitäten und der besten Kondition gefragt, denn die Teams müssen die Schablone in einer Art Staffellauf immer wieder weitergeben.

Nach Abschluss des Projekts soll der Stuckstab dann in je 40 Zentimeter große Stücke zerteilt werden, die den Zuschauern und Teilnehmern als Andenken dienen. Dokumentiert wird der Weltrekordversuch von einer offiziellen Richterin von „Guinness World Records“.

Veranstaltungsort ist der Lehrbauhof in Berlin. Bereits im Juni fand dort ein Training statt, in dem der Wassenberger und die weiteren Mitglieder des deutschen Nationalteams zusammen mit Mitarbeitern und Auszubildenden des Lehrbauhofs mehrere Tage an den Techniken feilten.

Ziel des Teams ist es, nicht nur einen neuen Rekord aufzustellen, sondern diesen dann auch so lange wie möglich zu behalten. Denn die deutschen Nachwuchsstuckateure sind nicht die ersten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den längsten Stuckstab der Welt zu ziehen: Momentan gehört zumindest der inoffizielle Titel dafür noch einem Team aus der Schweiz. Im Rahmen der Schaffhauser Berufsmesse 2010 hatte der Gipserunternehmerverband einen 84 Meter langen Stuckstab gezogen. Damit schufen die Eidgenossen zwar den längsten der Welt, erhielten aber keinen offiziellen Rekordtitel von „Guinness World Records“.

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