„Weiße Flecken“ stören in toller Glasfaserbilanz im Kreis Heinsberg

Digital im Kreis Heinsberg : „Weiße Flecken“ stören in toller Glasfaserbilanz

„Das Gute ist ja bekanntlich der Feind des Besseren“, begann Landrat Stephan Pusch bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Studie der TÜV Rheinland Consulting GmbH zur digitalen Infrastruktur im Kreis Heinsberg, die die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) in Auftrag gegeben hatte.

Was er damit meinte, wurde schnell klar, denn im Kreis Heinsberg befänden sich bereits 54 Prozent aller im Liegenschaftskataster verzeichneten Gebäude am Glasfasernetz. Der Bundesdurchschnitt liege hingegen bei lediglich 9 Prozent, wie der neue Breitbandkoordinator für den Kreis, Michael Eßer, erläuterte. „Wir haben eine sehr gute Versorgungsquote, aber es geht noch mehr“, sagte Pusch.

Trotz der Spitzenwerte bei den Anschlusszahlen der FTTH/B-Infrastruktur verfügen im Kreis 1,2 Prozent aller Adresspunkte über einen Anschluss, der dem Anspruch von mindestens 30 Mbits/s nicht entspricht und als unterversorgt gilt. Diese 1071 sogenannten „Weißen Flecken“, darunter auch 47 Schul- und zahlreiche Gewerbestandorte, liegen über alle zehn Kommunen verstreut. Auf Grundlage der Ergebnisse der Studie bestehe nun die Chance, als Kreis Heinsberg gemeisam mit den Städten und Gemeinden erhebliche Fördermittel von Bund und Land zu beantragen, um die „Weißen Flecken“ zu tilgen. „Mir ist ganz wichtig, dass wir zusammen mit den zehn Kommunen im Kreis so etwas angehen“, unterstrich Pusch.

Michael Eßer, der im Oktober letzten Jahres im Rahmen einer Projektförderung angestellt und zur WFG abgeordnet wurde, nannte konkrete Größenordnungen. „In den von der TÜV Rheinland Consulting berechneten Netzplanungsszenarien wurden zur Versorgung aller Weißer Flecken im Kreis, inklusive aller erforderlichen Schulstandorte und Gewerbegebiete, Investitionskosten in einer Größenordnung von fast 40 Millionen Euro veranschlagt.“

Dabei geht es um eine Gesamtlänge der Tiefbaustrecke von 483 Kilometern. 50 Prozent der Ausbaukosten würden über ein entsprechendes Bundesförderprogramm und weitere 40 Prozent über ein Landesförderprogramm erstattet. Der Eigenanteil läge bei 10 Prozent. Er müsse über mehrere Jahre durch die kommunalen Haushalte finanziert werden. Hinzu kämen noch Kosten für eine juristische und technische Begleitung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Kommunen im Haushaltssicherungskonzept nicht zur Kasse gebeten würden.

Pusch nannte als Beispiel die Stadt Wegberg, auf die etwa ein Fünftel aller unterversorgten Adresspunkte im Kreis entfielen. Ebenso bedeutsam bei einem kreisweiten Förderantrag: Wenn „Weiße Flecken“ im Stadt- oder Gemeindegebiet liegen, könnten Schulen nur in Verbindung mit einem Ausbau dieser „Weißen Flecken“ ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Unterversorgte Adresspunkte in Gewerbegebieten müssten im selben Antrag mit berücksichtigt werden.

Voraussetzungen schaffen

Wenn es nun nach den Vorstellungen von Pusch, Schirowski und Eßer geht, dann soll noch in diesem Jahr der Förderantrag gestellt werden sowie Ausschreibung und Vergabe der juristischen und technischen Antrags- und Vergabebegleitung erfolgen. Bis dahin müssen allerdings noch die Kommunen mit ins Boot geholt werden.