NRW gibt Fördergeld: Wegberger Heimatverein ist im Antragstellen geübt

NRW gibt Fördergeld : Wegberger Heimatverein ist im Antragstellen geübt

Klara Schlömer vom Heimatverein Wegberg-Beeck muss auf der Seite www.kultur.web.nrw.de nur noch auf „final einreichen“ klicken, dann ist ihr Antrag offiziell. Gerade rechtzeitig. Stichtag ist der 30. September. Dann müssen die Unterlagen für das Förderprogramm Regionale Kulturpolitik (RKP) auf den digitalen Weg geschickt worden sein, damit im nächsten Jahr Gelder fließen.

Bis 2022 soll der Kulturetat des Landes NRW von 200 Millionen Euro (im Jahr 2017) auf 300 Millionen Euro erhöht werden, das hat NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen kürzlich verkündet.

Klara Schlömer und Georg Wimmers vom Heimatverein Wegberg-Beck schauen noch einmal über die Antragsformulare. Sie wollen die Chance nutzen, Fördergelder für ihre Projekte im Trachten- und im Flachsmuseum zu erhalten. Fotos (2): mib. Foto: mib

Profitieren sollen auch die Kultureinrichtungen der ländlichen Regionen. Bibliotheken, Musikensembles und freie Musiker sollen bedacht werden und kommunale Museen bei Ausstellungsvorhaben und Ankäufen neuer Exponate unterstützt werden. 1,5 Million Euro sind dafür jährlich vorgesehen. Doch wie an das Geld kommen?

„Man muss die Antragspoesie kennen, damit es funktioniert“, sagt Klara Schlömer, die das auch erst lernen musste. Geholfen hat ihr dabei Susanne Ladwein vom Kultur-Koordinationsbüro in Aachen. Susanne Ladwein kennt sich extrem gut aus mit den verschiedenen Kulturetats des Landes NRW, das ist ihr Job. Seit gut 20 Jahren findet sie für (fast) jeden Kulturschaffenden den passenden Fördertopf.

Klara Schlömer wollte sich eigentlich nur mal informieren, wie das mit den Anträgen so funktioniert und dann im nächsten Jahr...

Beim Gespräch stellte sich jedoch heraus, dass das Flachsmuseum mit seinem Projekt „Flachs und Leinen“ bereits alle Kriterien erfüllte. Es arbeitete mit Unternehmen und mit der Hochschule Niederrhein zusammen und pflegte Kontakte in die Niederlande, deckte damit also die Bereiche Wirtschaft, Bildung und Europa ab.

Flott: In zwei Wochen zum Antrag

Mit Hilfe von Susanne Ladwein dauerte es nur zwei Wochen bis der Antrag in Form gegossen war. Das war flott. „Von null auf 100 Prozent.“ Darauf ist selbst Susanne Ladwein ein wenig stolz. Das war im Jahr 2015.

Klara Schlömer hat inzwischen mehrere dicke Aktenordner mit Formularen. Jedes Projekt bekommt seinen eigenen. Denn nach dem eigentlichen Antrag, in dem nur kurz die Idee vorgestellt wird, ist nach der Bewilligung ein ausführlicher Essay gefordert. Für jede Phase müssen für die Ausschüttung des Geldes Belege eingereicht und Anträge gestellt werden. Zum Abschluss muss natürlich ein Fazit gezogen werden. Schriftlich, versteht sich. Die Ordner sind voll.

„Wenn ich an der Berufsschule nicht bereits Anträge auf europäischer Ebene gestellt hätte, hätte ich mich nicht daran getraut“, gesteht die ehemalige Lehrerin. „Der Aufwand, diese Anträge zu stellen, ist das Hemmnis. Da sagen viele: Das tue ich mir nicht an, da gehe ich lieber Golf spielen“, vermutet auch Georg Wimmers, Vorsitzender des Heimatvereins Beeck. Ohne Klara Schlömers Einsatz würden die Beecker Museen leer ausgehen, da ist er sich sicher — und ihr sehr dankbar. Dabei bekommen die Museen ein Projekt nicht komplett, sondern nur zu 50 Prozent finanziert, erklärt Susanne Ladwein. Den Rest müssen die Vereine über Spenden oder Eigenleistung erbringen. Ein großer Teil kann mit ehrenamtlicher Arbeit verrechnet werden.

Zum Glück kann der Heimatverein Wegberg-Beeck mit ehrenamtlichem Grundkapital wuchern: Von den etwa 150 Mitgliedern bringen sich 60 aktiv ins Vereinsleben ein, sagt Georg Wimmers.

Da das Wegberger Flachsmuseum und das Trachtenmuseum nicht durch regelmäßige Mittel von Stadt oder Kreis unterstützt werden und die Kulturstiftung Beecker Museen bei der derzeitigen Zinslage nur zu vernachlässigende Beträge abwirft, können die Museen eine zusätzliche Finanzspritze gut gebrauchen. Jetzt muss Klara Schlömer nur noch auf „final einreichen“ klicken.