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Wassenberg: Soziales Engagement, das benotet wird

Projekt „Balu und Du“ : Soziales Engagement, das benotet wird

Schülerinnen des Projektkurses „Balu und Du“ an der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg sind Mentorinnen für Grundschüler. Davon profitieren die jungen und die älteren Schüler.

Wenn Anabell Korsten sich mit ihrem „Mogli“ trifft, hat sie immer ein Spiel dabei. Darin geht es ums Lesen. Aber wie das bei Spielen so ist, nicht so trocken wie in einem Schulbuch. „Wenn ich ihm aus einem Buch vorlese, findet er das langweilig“, sagt sie. In dem Spiel lesen sie sich gegenseitig Fragen vor. Zum Beispiel, nachdem sie zusammen ein Eis gegessen haben. Anabell Korsten ist einer von zwölf „Balus“ an der Betty-Reis-Gesamtschule. Im Projektkurs „Balu und Du“ werden die Schülerinnen zu Mentoren für Grundschüler, um die Lehrer und Eltern „sich Sorgen machen“.

Sprachlich ist das Projekt also eng an das „Dschungelbuch“ angelehnt, in dem sich der große Bär Balu des Findelkinds Mogli annimmt. Auf der inhaltlichen Ebene geht es darum, dass die Grundschüler, die oft aus schwierigen Verhältnissen kommen, einen Mentor bekommen, der ihnen auf niedrigschwellige Art hilft, ihre Probleme zu bewältigen. Und auch die Oberstufenschüler profitieren von und reifen durch ihre Arbeit mit den Kindern.

Die Betty-Reis-Schule ist eine von zwei Schulen im Kreis Heinsberg, die an dem bundesweiten Mentorenprogramm teilnehmen. An weiteren Schulen laufen aktuell Gespräche bezüglich des Programms, so dass es im Kreis künftig noch wesentlich präsenter werden könnte.

Natürlich sollen die Treffen mit den Grundschülern Spaß machen. Es geht zum Beispiel in den Tierpark oder ins Schwimmbad. Die Oberstufenschüler bereiten sich aber auch so darauf vor, dass die Grundschüler tatsächlich davon profitieren. Wenn Alissa Schilo mit ihrem Schützling in die Eisdiele fährt, gibt sie ihm etwas Geld. „Er sollte sich mit dem Geld selber eine Fahrkarte kaufen“, sagt sie. Auch das Eis bezahlt er damit. Das fördert Kopfrechnen und Selbstständigkeit. Jedes Tandem bekommt 15 Euro im Monat für seine Aktivitäten, die von der Kreissparkasse Heinsberg zur Verfügung gestellt werden. „Das ist kein sozialer Beitrag, sondern ein pädagogischer“, sagt Christoph Esser, Sprecher des pädagogischen Beirates der Kreissparkasse. Dieses Projekt bringe junge Menschen weiter. Nicht nur die Grundschüler, sondern auch die Oberstufenschüler. „Sie bekommen Einblicke in eine Welt, die nicht rosarot ist“, sagt Esser.

Dabei kann es zu schwierigen Situationen kommen, in denen vielleicht eher ein Sozialarbeiter als ein älterer Schüler gefragt ist. Über solche Probleme tauschen sich die Oberstufenschülerinnen zunächst untereinander in ihrem Kurs aus, Lehrerin Nadine Lasée steht ihnen genauso zur Seite wie Sozialarbeiter und Schulpsychologen. Denn es ist wichtig, die Mentoren nicht zu überfordern.

Die wöchentlichen Treffen und der Austausch im Kurs ist für die Oberstufenschülerinnen sehr fruchtbar. „Ich habe mich weiterentwickelt, ich bin erwachsener geworden“, sagt Gina Jansen. „Mit manchen Situationen kann ich heute besser umgehen als früher“, sagt die Schülerin, die sich vorgenommen hat, soziale Arbeit zu studieren.

Der Projektkurs sei für die Schülerinnen eine gute Möglichkeit, eigene Schwerpunkte in ihrer Schullaufbahn zu setzen, sagt Markus Görtz, Leiter der gymnasialen Oberstufe der Betty-Reis-Schule. Im Kurs erwerben sie Qualifikationen, die in vielen Studiengängen gefordert sind, wie zum Beispiel Selbstdisziplin und eine verbesserte Arbeitshaltung. Sie stärken auch ihr Selbstbewusstsein, ihre Empathiefähigkeit und erweitern ihr Verständnis für andere Kulturen und Menschen.

Auch für das Abitur ist die Arbeit mit den jungen Schülern durchaus relevant. Denn die zwölf „Balus“ des an das Fach Pädagogik gekoppelten Projektkurses „Balu und Du“ bekommen Schulnoten. Bewertet wird unter anderem ein Tagebuch, das die Schülerinnen zu den Treffen mit ihren Schützlingen schreiben.