Wassenberg: Schüler setzen Zeichen gegen das Vergessen

Gedenken an die Reichspogromnacht: Schüler setzen ein Zeichen gegen das Vergessen

Die Betty-Reis-Schule, der Heimatverein und die Stadt Wassenberg gedenken der Opfer der Reichspogromnacht vor 80 Jahren. Die Teilnehmer erleben eine bewegende Veranstaltung.

Es waren Momente, die viele der Teilnehmer bewegten. Das hörte man an den Brüchen in den Stimmen der Redner. Das merkte man, als Tränen gerade noch zurückgehalten wurden. Schüler der Betty-Reis-Gesamtschule, Vertreter der Stadt und des Heimatvereins haben am Freitag in Wassenberg zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht der Opfer des NS-Regimes gedacht. Dabei gelang es den Rednern auch, einen Bogen zur Gegenwart zu spannen.

Pascal Krons, Schüler der Betty-Reis-Schule, appellierte an seine Mitschüler, sich nicht von Rechtspopulisten täuschen zu lassen. „Donald Trumps rassistische Politik in den USA, der Vormarsch der Rechtspopulisten in Europa und die problematische Gesinnung der AfD in Deutschland sind nur einige Beispiele für die Radikalisierung der westlichen Welt. Schlimm ist vor allen Dingen der Zuspruch, den diese Extremisten in weiten Teilen der Bevölkerung bekommen“, sagte Pascal Krons.

Sein Mitschüler Alexander Winkens erinnerte an die Vorkommnisse der Pogromnacht im Jahr 1938 in Wassenberg: Er sprach von großem Aufruhr und Chaos am Morgen des 10. November, also dem Tag nach der Pogromnacht. „Schwarz gekleidete SS-Offiziere zerstörten das jüdische Gotteshaus gänzlich, bevor sie die Trümmer in Brand steckten“, sagte Alexander Winkens. Die meisten Menschen hätten zugeschaut, ohne etwas gegen die Verbrechen der Nazis zu unternehmen. „Doch einer ergriff in einem Akt der Zivilcourage das Wort. Sein Name war Max Graab. Er beschimpfte die Nationalsozialisten als Gotteslästerer und verurteilte die Greueltat“, sagte Alexander Winkens. Heute ist in Wassenberg ein Weg nach Max Graab benannt.

An diesen Tag im Jahr 1938 erinnert sich auch Karl Lieck noch genau. Er war damals sieben Jahre alt und musste mit seinen Klassenkameraden und seiner Lehrerin das Werk der Nazis anschauen. „Ich erinnere mich, dass es in der ausgebrannten Synagoge chaotisch aussah“, sagte Lieck. Liecks Augenzeugenbericht war für viele Teilnehmer der Gedenkfeier sehr bewegend.

Einer der Programmpunkte, den die Schüler vorbereitet hatten, war ein anfangs noch unter einer Schicht Rollrasen verborgenes Plakat. Darauf zu lesen war das Motto: „Lass kein Gras drüber wachsen. Zur Erinnerung an die Opfer des Holocausts.“ Am Ende konnten die Schüler auf dem Plakat unterschreiben, um die Forderung „Pogromnacht – nie wieder!“ zu unterstützen.

Dr. Ludger Herrmann, Didaktischer Leiter der Betty-Reis-Schule, sagte, dass während die Feier auf dem Synagogenplatz lief, auch 50 Wassenberger  Achtklässler in Bergen-Belsen waren. Das ist der Ort, an dem die Namensgeberin der Schule, das jüdische Mädchen Betty Reis, starb. „Sie gedenken dort gemeinsam mit der uns befreundeten Geschwister-Scholl-Gesamtschule aus Solingen der Reichspogromnacht“, sagte Herrmann.

Vor einem Schlusswort des stellvertretenden Bürgermeisters Frank Winkens (CDU), der betonte, dass das Gedenken auf dem vor wenigen Jahren hergerichteten Synagogenplatz der Stadt ein großes Anliegen sei, sang der Chor der Schule noch ein durchaus zum Anliegen der Feier passendes Lied: Das Stück „Man in Mirror“ handelt davon, dass man am besten bei sich selbst beginnen soll, wenn man etwas verändern will.

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