Kreis Heinsberg: Warum durch Doveren und Granterath 2018 kein Karnevalszug geht

Kreis Heinsberg: Warum durch Doveren und Granterath 2018 kein Karnevalszug geht

In Doveren bot sich vergangenes Jahr am Karnevalssamstag ein schöner Anblick: Mehr als 30 bunt kostümierte Gruppen tanzten, schunkelten und musizierten in einem Zug von drei Kilometern Länge durch die Ortschaft, bejubelt von Jecken am Straßenrand. Doch der Eindruck, den Teilnehmer und Veranstalter von dem Zug behielten, war ein anderer.

„Es kam zu Spannungen mit den Besuchergruppen, besonders mit vielen Jugendlichen, die in Prügeleien ausgeartet sind. Einige haben sogar mit Gläsern um sich geworfen“, sagt Mike Topka, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft (KG) „Tipp“ Doveren 1898 e.V.. Als Konsequenz erwartete die Doverener KG zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für diese Session — Maßnahmen, die der Verein nicht stemmen kann. „Für uns als Verein ist ein Karnevalszug in Doveren im nächsten Jahr weder tragbar, noch finanzierbar oder durchführbar“, sagt Mike Topka.

Verschärfte Sicherheitsauflagen waren bereits im Vorjahr dafür verantwortlich, dass einige Vereine ihre Züge streichen mussten. Darunter fiel auch der Karnevalszug in Erkelenz-Granterath. Karl Mones, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft 1977 Granterath, bleibt in diesem Jahr bei seiner Entscheidung. „Wir können und wollen die auferlegten Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen und nicht finanzieren“, sagt Mones. 2016 hatten 400 überwiegend stark alkoholisierte Jugendliche beim Karnevalszug in Granterath randaliert und es kam zu mehreren Straftaten, darunter auch Körperverletzung.

Beginn 2017 beschlossen die Veranstalter dann, dass sie die strengen Auflagen von Stadt und Polizei nicht erfüllen und als Veranstalter nicht für die Sicherheit von Teilnehmern und Besuchern garantieren konnten. Der Zug musste daher ausfallen.

Für 2018 sieht der Veranstalter gleichgebliebene Verhältnisse. Daher habe der Vorstand beschlossen, den Zug gar nicht erst anzumelden. „Wir haben nicht die Manpower und es sprengt unser Budget“, fügt Mones hinzu. Der Sitzungskarneval bleibe aber wie in den Vorjahren erhalten.

Auch die Interessengemeinschaft (IG) Waldfeucht-Obspringer Karneval hatte sich nach eigenen Angaben aufgrund der zunehmenden Randale vorwiegend auswärtiger Besucher im Jahr 2016 dazu entschlossen, keinen Karnevalszug mehr zu veranstalten.

In Doveren konnten die strengen Sicherheitsvorkehrungen 2017 noch erfüllt werden. Aber die Sicherheitsmaßnahmen müssten als Konsequenz der Vorfälle im vergangenen Jahr erhöht werden. „Wir haben an Karnevalssamstag selber 25 Ordner gestellt, das hat vorne und hinten nicht gereicht“, resümiert Topka. Zusätzlich zu dem Sicherheitspersonal müssten die Zufahrtswege zum Zug mit geeigneten Fahrzeugen abgesperrt werden. Dafür müsste die KG „Tipp“ sechs vollgeladene Kieslaster mit Fahrer für eine Dauer von sieben bis acht Stunden an dem Samstag mieten, wie Topka schildert.

Hinzu kämen die Gema-Gebühren, für jede Gruppe, die am Zug teilnimmt. Außerdem muss jeder Zugteilnehmer vom Verein zusätzlich versichert werden. Auch Dixi-Klos und Absperrgitter kosten den Verein Geld. „Es ist sehr schwer geworden, so einen Zug zu stemmen. Das sind untragbare Kosten mittlerweile“, sagt Topka.

Nach der Session 2017 fand im Hinblick auf die Vorfälle an Karnevalssamstag in Doveren ein Gespräch mit der Stadt Hückelhoven, Bürgermeister Bernd Jansen, Ordnungsamt, Polizei, Rettungsdienst und dem Bauhof statt. „Nach dem Gespräch haben wir beschlossen, dass 2018 kein Karnevalsumzug stattfindet“, sagt Topka.

Zwar hätten Stadt und Polizei versucht, dem Verein entgegenzukommen, um die Tradition zu wahren. Sie boten verschiedene Lösungswege an. Unter anderem war im Gespräch, den Karnevalszug auf Rosenmontag zu verlegen, in der Hoffnung, dass weniger Zuschauer kommen würden. „Für uns kam das aber nicht in Frage, weil der Zug am Samstag unser Alleinstellungsmerkmal ist. Wenn wir mit Erkelenz und Hückelhoven an Rosenmontag konkurrieren, kommen weder Teilnehmer noch Zuschauer“, winkt Topka ab.

Für den Vorstand der KG „Tipp“ war es die logische Konsequenz, den Zug deshalb auszusetzen. Stattdessen findet an Karnevalssamstag ein Kostümball mit Livemusik im Dorfgemeinschaftshaus in Doveren statt. Prinzessin Nine wird zudem mit ihrem Gefolge an Rosenmontag beim Hückelhovener Karnevalszug mitlaufen.

2018 wird nicht das erste Jahr sein, in dem kein Karnevalszug durch Doveren zieht. „Das gab es vor meiner Zeit als Vorsitzender der KG auch schon ein paar Mal“, sagt Topka. Und aufgeben kommt für ihn nicht in Frage. „Es ist kein Ende für immer“, sagt er entschlossen. Im nächsten Jahr wolle man weitersehen und vielleicht in der nächsten Session mit einem Kinderzug oder einem kleineren Karnevalszug wieder an die Tradition anknüpfen.