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Trockenheit ist brandgefährlich: Warnung vor extrem hoher Waldbrandgefahr

Trockenheit ist brandgefährlich : Warnung vor extrem hoher Waldbrandgefahr

Der vom Deutschen Wetterdienst erstellte Waldbrandgefahrenindex (WBI) hat in Nordrhein-Westfalen flächendeckend die Warnstufe 4 von 5 erreicht. Für Waldbesucher ist höchste Vorsicht geboten.

Revierförster Wolfgang von der Heiden hat die Bilder nicht vergessen. Er kann sich noch genau an das Jahr 1993 erinnern. „In der Teverener Heide brannten damals 10.000 Quadratmeter Waldfläche. Ein großer Teil des Waldes ging buchstäblich in Flammen auf.“ Eine Katastrophe für Pflanzen und Tiere. „Und das Gefahrenpotential wird jetzt wieder steigen, es ist ja kaum Niederschlag angekündigt“, sagt er besorgt. Die zehn Millimeter, die er unlängst bei sich zu Hause in zwei Tagen gemessen habe, waren schon nach ebenfalls zwei Tagen mit Sonnenschein und ein wenig Wind verpufft. „Die haben ja nicht mal richtig den Boden erreicht.“

Extrem hoch sei die Waldbrandgefahr in Bereichen, in denen Borkenkäfer und Dürre für besonders viel trockenes Restholz gesorgt hätten, welches extrem leicht brennbar sei, erklärt der Landesbetrieb Wald und Holz. Trotz immer wieder auftretender lokaler Gewitter rechnet der Deutsche Wetterdienst nicht mit flächendeckenden Niederschlägen. Deshalb werde die Waldbrandgefahr voraussichtlich regional noch länger hoch bleiben. In Brandenburg und Sachsen toben ja schon seit geraumer Zeit die Feuer.

„Es reicht eine weggeworfene Zigarette. Das zeigen ja auch die Böschungsbrände, die jetzt überall von der Feuerwehr gelöscht werden“, sagt von der Heiden. Waldbrände hätten in den letzten Jahren in Nordrhein-Westfalen zugenommen, und fast immer sei leichtsinniges oder unachtsames Verhalten von Waldbesucherinnen und Waldbesuchern die Ursache, erklärt auch Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW.

 Hier hatte Revierförster Wolfgang von der Heiden nicht nur eine illegale Feuerstelle, sondern gleich eine selbst gebaute Partyhütte im Wald entdeckt.
Hier hatte Revierförster Wolfgang von der Heiden nicht nur eine illegale Feuerstelle, sondern gleich eine selbst gebaute Partyhütte im Wald entdeckt. Foto: Rainer Herwartz

Er appelliert in dem Zusammenhang an die Menschen: „Bitte verhalten Sie sich respektvoll gegenüber dem Wald und halten Sie sich an die Empfehlungen zur Vermeidung von Waldbränden. Unterstützen Sie unsere Forstleute, die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen, die überall in unseren Wäldern sichtbar sind. Der Umbau unserer Wälder zu Mischwäldern ist auch aktiver Schutz gegen Waldbrände."

Warum dies so ist, erläutert Revierförster Von der Heiden. „Der Nadelbaumbereich ist stärker gefährdet als die Laubbaumbereiche. Nadelbäume haben in ihrem Harz leicht brennbare Terpene, die wir auch vom Terpentin her kennen.“ Da Laubbäume nicht harzten, falle hier diese Gefahrenquelle weg.

Waldbrände seien in NRW zum Glück nicht mit den Bränden in Südeuropa und Amerika vergleichbar, sagt Michael Blaschke, Pressesprecher beim Landesbetrieb. „Brände in NRW sind in der Regel zigtausendfach kleiner und es handelt sich fast immer um Bodenfeuer, bei denen lediglich die trockene Streu am Boden brennt und der Wald insgesamt keinen Schaden nimmt. Vollfeuer, bei denen die Bäume bis in die Spitzen verbrennen, sind bei uns sehr selten.“

Auf die leichte Schulter dürfe man dies dennoch keinesfalls nehmen, meint von der Heiden. Die Bodenfeuer entwickelten sich meist im Laubbaumbereich durch getrocknetes Laub aus den Vorjahren und zu Boden gefallene Feinzweige. Die Feuer würden zwar am Boden langlaufen, was nicht so spektakulär aussehe aber dennoch zum Absterben der Bäume führe.

Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hatte unlängst noch einmal an das Rauchverbot im Wald erinnert. „Wer gegen Regeln und Gesetze verstößt, riskiert das Leben von Mensch und Tier“, hatte sie gesagt. Vom 1. März bis zum 31. Oktober sei das Rauchen im Wald untersagt, bestätigt von der Heiden. Offene Feuer überdies zu jeder Zeit, sofern keine Ausnahmegenehmigung vorliege.

Hartwig Dolgner, Waldbrandexperte bei Wald und Holz NRW: „In Zeiten des Klimawandels müssen wir uns auf trockene, heiße Phasen einstellen. Die Waldbrandvorsorge wird zunehmend bedeutender. Dazu arbeiten wird sehr eng mit den jeweils zuständigen Feuerwehren vor Ort zusammen.“ Diesen zollt der Revierförster auch ein dickes Lob für ihren Einsatz, der bei der Hitze in dicker Schutzkleidung wahrlich kein Zuckerschlecken sei. Dass er dies besonders zu schätzen gelernt habe, liege noch gar nicht so lange zurück. „Vor zwei Jahren hatten wir einen Brandstifter hier, der uns Kummer gemacht hat.“ Damals habe es an einem einzigen Tag zum Beispiel gleich an vier oder fünf Stellen gebrannt. Unermüdlich hätten sich die Feuerwehrleute den Flammen entgegengestellt. „Leider konnte der Täter bis heute nicht gefasst werden.“

Erst im März dieses Jahres hat Kreisbrandmeister Klaus Bodden ein Konzept zum Waldbrandeinsatz unter Einbeziehung der einzelnen Kommunen geschrieben. „Wir haben zwar hier keine speziellen Waldbrandtrupps, wie das in manchen südlichen Ländern der Fall ist, aber wir sind durchaus in der Lage, Waldbrände wirksam zu bekämpfen“, sagt Bodden. In dem Konzept seien alle Ausrückefolgen klar festgelegt, sogar welches Tanklöschfahrzeug wo zum Einsatz komme. Zur Not könnten die Freiwilligen Feuerwehren der Kommunen auch noch auf die Nato-Feuerwehr zurückgreifen.

Natürlich stelle ein Waldbrand immer eine besondere Situation dar, erläutert Bodden. „Wenn ich einen Gebäudekomplex habe, der in Flammen steht, dann ist das räumlich begrenzt, das ist beim Waldbrand nicht der Fall.“ Auch die Erreichbarkeit der Brandherde mit schweren Fahrzeugen spiele hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Wir haben zudem nicht alle 150 Meter einen Hydranten, der uns mit Löschwasser versorgt.“

Zum Glück spiele aber die Topografie des Kreises der Feuerwehr bei einem Waldbrand in die Hände, weil es keine Gebirgsformationen gebe, denn Feuer breite sich nun mal gerne rasant von unten nach oben aus. „Es werden derzeit auch Waldbrandüberwachungsflüge durchgeführt, wenn die Temperaturen sich in Richtung 35 oder 40 Grad bewegen“, sagt Bodden. Auch der Kreis Heinsberg werde da mit einbezogen.