Wanderausstellung "Reformatorinnen. Seit 1517" macht Station in Heinsberg

Wanderausstellung über starke Frauen : Die weibliche Seite der Reformation sichtbar gemacht

Schon vor einem halben Jahrtausend kämpften mutige Frauen gegen die Geschlechterungerechtigkeit in der katholischen Kirche. Das zeigt eine neue Ausstellung in der Heinsberger Christuskirche.

Gerade erst erheben Frauen in der christlichen Kirche ihre Stimme in der Bewegung „Maria 2.0“ ganz massiv und weisen auf Ungerechtigkeiten im Geschlechterverhältnis hin. Dass Frauen aber auch vor über 500 Jahren schon mitgewirkt haben an einem anderen Glaubensverständnis, zeigt eine Ausstellung, die ab Montag, 30. September, in der Heinsberger Christuskirche Station macht. „Reformatorinnen. Seit 1517.“ lautet ihr Titel.

Um 18 Uhr wird sie eröffnet von Pfarrer Sebastian Walde. Elke Bennetreu, Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich, wird in die Ausstellung einführen. „Aus dem Schatten treten – Frauen der Reformation“, lautet der Titel ihres Vortrags.

Insgesamt 18 Biographien wurden für die Ausstellung ausgewählt, die von der Gender- und Gleichstellungsstelle der evangelischen Kirche im Rheinland konzipiert wurde. Sie reichen zurück bis hin zu Marie Dentière, der Predigerin von Genf, die im 15. Jahrhundert geboren wurde. Porträtiert wird aber auch Dorothee Sölle (1929-2003), eine Reformatorin des 20. Jahrhunderts. Ausgewählt wurden überwiegend Schriftstellerinnen, die theologisch gearbeitet haben, Herrscherinnen und Ehefrauen von Reformatoren.

Ganz besonders beeindruckt ist Elke Bennetreu von Argula von Grumbach (1492-1568). Deren Flugschriften hätten Auflagenzahlen erreicht, die mit denen Martin Luthers mithalten könnten. „Im Grunde war sie die erste Bloggerin“, sagt sie. „Und sie ist für ihren Glauben sogar in Haft gegangen.“ Aber auch anhand der anderen Frauen in der Ausstellung werde endlich einmal die weibliche Seite reformatorischer Geschichte erzählt.

Ein Ausstellungsbesuch sei unabhängig von der eigenen Konfession oder Religionszugehörigkeit interessant, denn sie schildere, was den Frauen damals wichtig war: ein eigener, unmittelbarer Glaubenszugang, der Einsatz für benachteiligte Menschen und für Glaubensflüchtlinge, die Förderung der Sprache und des Liedguts und eine lebendige Gemeinde Christi tatsächlich zu leben. „Besonders wichtig war ihnen aber auch Teilhabe- und Bildungsgerechtigkeit“, sagt Elke Bennetreu. „Die Frauen dieser Epoche haben viel erwartet von der Reformation. Doch der Kampf um Bildungsgerechtigkeit sollte einer der schwierigsten werden“, weiß sie. „So tapfer die Frauen der ersten Stunden dafür kämpften, jede neue Generation musste den Kampf weiterführen.“

Der Ausstellung gelinge die lebendige Wiedergabe des Lebens und Handelns der Frauen durch Wort und Bild, würdigt sie die Konzeption. 18 Ausstellungstafeln präsentieren Bilder, Dokumente und Kurzbiographien. Acht Holzfiguren von Frauen laden als Kunstinstallation im öffentlichen Raum zudem dazu ein, sich neben sie zu setzten, „für ein Selfie oder eine Begegnung auf Augenhöhe“, heißt es im Katalog, der die Ausstellung begleitet. „Interessant sind auch die Hörspiele und Dialoge, die in Audio-Guides zur individuellen Nutzung zur Verfügung stehen“, ergänzt Elke Bennetreu.