Viele Ideen für die Zukunft: Wallweinfest am künftigen Tagebaurand

Viele Ideen für die Zukunft : Wallweinfest am künftigen Tagebaurand

Das Wetter war der einzige Spielverderber beim zweiten Wallweinfest, zu dem Michael Königs eingeladen hatte. Der direkte Nachbar des Erdwalls, den RWE Power am Ortsausgang von Kaulhausen und Venrath aufgeschüttet hat, nutzte das Fest auch, um seine Kritik am Bergbaubetreiber auszudrücken.

Ziel der Dorfgemeinschaft aus Venrath und Kaulhausen ist ein Mindestabstand von 400 Metern zum Tagebauloch, wie er auch in Holzweiler zugestanden wird. Königs und seine Mitstreiter werden einmal 80 Meter neben dem Loch leben, wenn es nach der derzeitigen Planung seitens RWE Power geht.

Thomas Balzhäuser mit Tochter Jona, Michael Königs und Christina Wedderwille mit Tochter Malea bei der Freigabe der Bürgerwiese.

Der Name des Festes geht auf eine Weinrebe zurück, die Bürgermeister Peter Jansen im Rahmen eines Workshops zum Thema Braunkohlefolgelandschaft geschenkt bekommen hatte. Sie fand bei Königs an einer sonnigen Wand ein neues Zuhause und brachte ihn auch gleich auf die Idee mit dem Fest.

Doch auch sonst haben die Venrather und Kaulhausener gute Ideen, um das Leben am Tagebaurand auch in Zukunft lebenswert und attraktiv zu gestalten. Mit einem Konzept zur Dorfinnenentwicklung wollen sie frühzeitig die Weichen stellen und der aufgezwungenen Randlage trotzen.

Bürgerwiese freigegeben

Eine Idee ist die Kaulhausener Bürgerwiese, die im Rahmen des Weinfestes offiziell eröffnet wurde. Die rund 750 Quadratmeter große Wiese ist Eigentum der Stadt und etwas abseits der Durchgangsstraße gelegen. Sie soll „Platz bieten für Ideen“, sagte Christina Wedderwille. Sie hatte die Idee maßgeblich vorangetrieben und gab die Wiese gemeinsam mit Thomas Balzhäuser zu Beginn des Wallweinfestes offiziell frei. Balzhäuser begleitet die Konzeptarbeit der Bürger für die Stadt. „Das ist auch ein Symbol für die Zukunft“, sagte er, bevor er gemeinsam mit Wedderwille das Flatterband durchtrennte.

Michael Königs hob hervor, dass nun erstmals seit über 500 Jahren in Kaulhausen ein sicherer Platz für die Kinder zum Spielen entstanden sei. Die Wiese wird noch mit Spielgerät bestückt und bietet viel Platz für einige Aktivitäten. Dann wurde Königs aber wieder ernst und erinnerte an die Forderung der Anlieger nach einem Sicherheitsabstand von 400 Metern.

„Wir sind keine Menschen zweiter Klasse“, sagte er und verwies auf Holzweiler, wo der Abstand 400 Meter betragen wird. Er selbst habe zusätzlich einen „Sickersee“ vor der Haustür. Zu klären seien auch noch die zukünftige Verkehrsanbindung der Ortschaften am Tagebaurand und der Durchgangsverkehr durch Kaulhausen sowie der geplante Knotenpunkt vor Kaulhausen (L 354). Gegen einen entsprechenden Planfeststellungsbeschluss hatten Anwohner Klage eingereicht. Der Bezirksausschuss fordert eine andere Planungsvariante.

Zu den Gästen des Wallweinfestes gehörte neben vielen Vertretern der Erkelenzer Ratsparteien und der Verwaltung auch Antje Grothus, die die Anrainer des Tagebaus in der sogenannten Kohlekommission in Berlin vertritt. Auch sie betonte, dass die Forderung nach einem Sicherheitsabstand von 400 Metern gerechtfertigt sei und forderte einen sofortigen Stopp des Tagebaus vor Hambach und Keyenberg.