Waldfeucht: Mona Neubaur besucht das Hallenbad in Haaren

Schwimmbad-Tour : Grünen-Chefin lässt Ente Erna planschen

Die NRW-Vorsitzende der Grünen, Mona Neubaur, besucht das Hallenbad in Haaren. Sie fragt, wo der Schuh an der Schwimmbad-Basis drückt. Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen wünscht sich eine Schwimmbadpauschale.

Und am Ende will Mona Neubaur noch das Schwallwasserbecken sehen. Heinz-Josef Schrammen hatte da schon fachkundig durch das Haarener Hallenbad geführt. Er hatte erklärt, wie aus Salz eigenes Chlor hergestellt wird, wie die Filteranlagen arbeiten und was jetzt in der Sommerpause des Bades alles passiert. Schrammen (CDU) kennt sich damit aus. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Waldfeucht und stellvertretender Ortsgruppenleiter der DLRG. Aber wo das Schwallwasserbecken ist, das weiß er auch nicht.

Neubaur hat inzwischen viel gesehen in Sachen Schwimmbäder. Seit beginn der Sommerferien ist die NRW-Vorsitzende der Grünen auf „Schwimmbad-Tour“. Wie viele Bäder sie bis jetzt gesehen hat, kann sie bei ihrem Besuch in Haaren nicht genau sagen. Wahrscheinlich sind es etwa 20. Aber die Sorgen seien vielerorts vergleichbar. Es geht ums Geld, ums Personal und manchmal auch um das schlechte Benehmen der Gäste. Letzteres ist in Haaren kein Problem. Dafür drückt der Schuh beim Geld umso mehr.

Neubaur legt das Handy bei der Führung durch das Hallenbad nicht aus der Hand. Nicht dass sie unaufmerksam ist oder auf einen wichtigen Anruf wartet. Sie macht ein Selfie in der Schwimmmeisterkabine, ein Foto von der parteigrünen Quietscheente „Erna“ und von einem etwas komplizierten Piktogramm, das wohl verbieten soll, vom Beckenrand zu springen. Nicht falsch verstehen: Mona Neubaur nimmt sich Zeit, sie hört zu und sie scheint sich auch tatsächlich für die Belange der Schwimmbad-Basis zu interessieren. Aber sie sammelt auch Bilder, mit denen sie ihren Besuch im Netz in Szene setzen kann.

Das Haarener Hallenbad ist im vergangenen Winter in der Waldfeuchter Gemeindepolitik ein umstrittenes Thema. Weil es jährlich ein Defizit von rund 420.000 Euro einfährt, beschließt der Gemeinderat im Dezember ein neues Betriebskonzept, das eine Kooperation mit dem Gangelter Freibad und eine Ersparnis von rund 80.000 Euro vorsieht. Für eine kleine Gemeinde sind das schon stattliche Summen. Aber ganz ohne Defizit geht es natürlich nicht. Das wissen auch Schrammen und Neubaur. Was der Gemeinde helfen würde, fragt Neubaur. Eine Schwimmbadpauschale in Höhe von 100.000 Euro im Jahr, antwortet Schrammen.

Mit der Parteichefin Mona Neubaur lassen sich auch die Grünen Jörg van den Dolder, Claudia Reinecke, Birgit Frenken und Sofia Tillmanns sowie Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen fotografieren. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

„Wir müssen eine gesellschaftliche Debatte darüber führen, ob wir in Zukunft mehr Geld für die Schwimmbäder ausgeben wollen“, sagt Neubaur. Das, was sie nun bei den Besuchen landauf, landab gehört hat, will sie im Vorstand ihrer Partei besprechen und dann auf Landesebene einbringen. Sie nennt das einen „Vorschlag“, den sie der schwarz-gelben Landesregierung unterbreiten will. Das ist sehr freundlich formuliert.

Die gesellschaftliche Debatte, was der Gemeinschaft das Schwimmbad wert ist, ist in Waldfeucht im Kleinen bereits geführt worden. Bis ins vergangene Jahr hinein stand im Raum, dass in Verbindung mit der nächsten Kommunalwahl bei einem Bürgereintscheid geklärt werden sollte, ob das Hallenbad in Haaren erhalten bleibt oder nicht. Es hätte dafür aber erst einmal ein alternatives Betreibermodell – zum Beispiel als Bürgerbad – gefunden werden müssen. Darüber wäre dann abgestimmt worden.

Das wurde hinfällig, weil die Gemeindeverwaltung auf Antrag der CDU-Fraktion das Kooperationskonzept mit dem Gangelter Freibad erarbeitete. Das spart Geld. Im Sommer steht das Hallenbad Schwimmern, Vereinen und anderen Gruppen aber vier Monate lang nicht zur Verfügung. Für Schrammen ist das die Rettung des Bades: „Bei einem Bürgerentscheid hätten mindestens 60 Prozent gesagt: Dann macht das Bad mal zu. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Der Grund: Ein Großteil der Nutzer kommt aus anderen Gemeinden im Kreis und aus den Niederlanden. Die zahlen zwar Eintritt. Den dicksten Batzen der Kosten tragen die Waldfeuchter aber aus ihrer Gemeindekasse.

Ihre Schwimmbad-Tour führt Mona Neubaur auch in das Haarener Hallenbad. Dort lässt die NRW-Vorsitzende der Grünen Qietscheente Erna für ein paar Fotos posieren. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Dass Mona Neubaur in diesem Sommer nicht Museen, Bibliotheken oder Volkshochschulen, sondern ausgerechnet Schwimmbäder besucht, hängt mit einer Forsa-Umfrage für die DLRG zusammen: 60 Prozent der Zehnjährigen in NRW können demnach nicht schwimmen. Einen Grund dafür, dass immer weniger Kinder schwimmen können, sieht Neubaur in den fehlenden Bädern. Dadurch fehlten den Schulen die „Wasserzeiten“ und die Kinder blieben auf dem Trockenen: „Jedes Kind, das ertrinkt, weil es nicht schwimmen kann, ist eines zu viel“, sagt Neubaur.

Die Waldfeuchter Grünen waren bis zuletzt dafür, das Hallenbad auch im Sommer geöffnet zu lassen. Dafür hätten sie dann auch auf die 80.000-Euro-Ersparnis verzichtet. Die Kinder in Waldfeucht lernten das Schwimmen bereits vor der Schule. Weil es das Bad gebe, weil es bisher immer geöffnet war und weil die Eltern sich um Schwimmkurse für ihre Kinder bemühen. „Man braucht schon ein Jahr, um Schwimmen zu lernen. Jetzt ist das Bad aber einige Monate zu“, sagt Birgit Frenken, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Waldfeuchter Rat.

Ins Wasser geht Neubaur bei ihrem Besuch in Waldfeucht übrigens nur mal mit einem Fuß. Dafür führt Schrammen sie aber unter das Becken. „Das sieht man auch nicht alle Tage“, sagt Neubaur und lobt den guten Zustand des Haarener Bades. Das Hallenbad stamme aus dem Jahr 1975 und sei 2005/06 für drei Millionen Euro saniert worden – Barrierefreiheit inklusive, sagt Schrammen.

Sanierungsstau gebe es keinen, sagt Schrammen. Auch nicht beim Schwallwasserbehälter. „Das ist die Achillesferse jedes Schwimmbades“, sagt Neubaur. Deshalb wollte sie ihn so gern sehen. Es handelt sich übrigens um den Behälter, der das Wasser auffängt, das über den Beckenrand tritt. Neubaur kennt sich mit der Schwimmbadtechnik ein wenig aus: „Mittlerweile bin ich halbkompetent, was das angeht.“

Mehr von Aachener Zeitung