Selfkant-Tüddern: Vor 50 Jahren holt Löwen-Safari afrikanische Exotik nach Tüddern

Selfkant-Tüddern : Vor 50 Jahren holt Löwen-Safari afrikanische Exotik nach Tüddern

Wer heute so um die 30 Lenze oder weniger zählt, kann es sich kaum noch vorstellen. Aber in Selfkant lebten vor gar nicht allzu langer Zeit noch Löwen und Elefanten. Zum Glück nicht auf freier Wildbahn, aber dennoch für jeden zu sehen.

Vor 50 Jahren begann 1968 ein Projekt nach seiner Gründung schnell Fahrt aufzunehmen: der Löwen-Safari- und Freizeitpark Tüddern. Was anfänglich mit Euphorie bis hin zur Goldgräberstimmung startete, endete 1990 unrühmlich. Für die Gemeinde Selfkant blieb mit den Hinterlassenschaften auf dem ehemaligen Gelände eine Menge Arbeit übrig, die bis heute noch nicht ihr Ende gefunden hat. Josef Lippertz aus Süsterseel erinnert sich an Personen, Ereignisse und eigenes Engagement und erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung aus den Anfangsjahren des Parks.

Die Zeit Mitte der 1960er Jahre war auch jene, in der die Menschen ein wenig Hollywood und Afrikasafari erleben wollten. Ihnen diese Ersatzerlebnisse vor ihrer Haustür zu bieten, war sowohl Geschäftsmodell sowie der zeitgeistigen Freizeitgestaltung dieses Jahrzehnts geschuldet. In Deutschland wurden an vielen Orten Freizeitparks errichtet. Einer davon auch im Selfkant.

Begonnen habe alles mit einer Idee dreier Männer, sagt Lippertz. Das waren Hans Rosenberg, Artist und Zirkusmensch, der Schausteller Gottfried Löffelhardt und der Künstler Richard Schmidt — die letzteren Beiden auch als Gründer des Phantasialands in Brühl bekannt.

Riesige Investition für Freizeitpark

„Von der Gemeinde wollte man 70 Hektar als Gelände zur Verfügung gestellt haben“, erzählt Lippertz. Rund die Hälfte sei ihnen zugestanden worden. „Hätten sie die ganze Fläche pachten können, wäre Phantasialand nicht in Brühl, sondern im Selfkant entstanden“, zeigt sich Lippertz noch heute überzeugt. Auf dem Gelände sei zunächst der Safaripark entstanden.

Ein paar Löwen wurden als erstes dort untergebracht. Die notwendige Einzäunung des Geländes habe schon einen großen Teil der Investition verschlungen. Die Weggestaltung für die Rundfahrten einen weiteren Teil. Mit zebragestreiften Bussen und VW-Käfern oder dem eigenen Auto konnte dann die freilebenden Tiere aufgesucht werden. Er habe als Busfahrer selber mitgewirkt, betont Lippertz. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt ihn in einer Khaki-Uniform.

Eine Mischung aus Neugier und Sensationslust habe viele Menschen schon bei der Eröffnung kommen lassen. Kilometerweit habe sich die Autoschlange durch die Region gequält. Nicht das einzige Indiz für eine durch das Projekt überforderte Infrastruktur.

Explosive Anfangszeit

Manches sei eben mit einem schnellen Provisorium gelöst worden, erinnert Lippertz an diese explosive Anfangszeit. Nach einem Jahr schon hätten sich die beiden Gründer Löffelhardt und Schmidt zurückgezogen und ihre Anteile an Mitglieder der Zirkusfamilie Althoff und den Kaufmann Artur Frank verkauft. Letzterer habe dann 1970 in Groß-Gerau in Hessen einen neuen Safari-Park aufgebaut.

Um die Attraktivität zu steigern, seien weitere Tierarten wie Affen, Kamele, Nilpferde, Elefanten, Zebras und Dromedare dazugekommen. Provisorisch seien die beiden ersten Elefanten namens Toni und Tacki in einer Scheune auf einem landwirtschaftlichen Hof untergebracht worden. Allein die tägliche Futterversorgung mit 30 Kilo Heu und 20 Kilo Hafer für jedes Tier sei schon ein aufwendiges Geschäft gewesen, wusste auch eine niederländische Zeitung aus dieser Zeit bei einem Interview mit Josef Lippertz zu berichten.

Neben dem ehemaligen Parkplatz habe die sogenannte Westernstadt gestanden. „Wie bei einer Filmkulisse haben wir damals die Vorderfront nach Westernart gestaltet. Die Elemente holten wir aus der Umgebung von Düsseldorf und installierten diese an den bestehenden Gastronomiehallen“, beschreibt Lippertz auch hierbei seine Beteiligung.

Ab 1979 sei Hans Rosenberg alleiniger Inhaber gewesen. Ab 1983 wurde der Park von seinem Bruder Johann Rosenberg/Weinheimer geführt. Auf einem Dokument ist „Direktion J. Weinheimer — 5135 Selfkant-Tüddern“ zu lesen. Nachdem Weinheimer 1985 verstarb, zog sich der Niedergang des Parks letztlich bis 1990 hin.

Was kommt nach dem Safaripark?

Seitdem versucht die Gemeinde, eine Nutzungslösung für das Gelände zu finden. Projektideen, wie einen Golfplatz zu gestalten, scheiterten ebenso wie der Plan, mit dem Seniorenpark „Teuderion“, bei dem das Gelände in eine Wohnsiedlung umgestaltet werden sollte. Schließlich setzte sich der Beschluss durch, das ehemalige Gelände in ein Naherholungsgebiet umzuwandeln. Die Maßnahme ist jedoch auch noch nicht beendet.

Auch Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten kann sich noch gut an die Löwensafari erinnern. „Das Affengeschrei und das Löwengebrüll habe ich bis nach Wehr gehört.“ Gemeinsam mit Frau und Kindern habe er den Park natürlich auch ab und zu besucht.

„Er war damals der Stolz der Gemeinde. In der Bevölkerung ist als sehr schade empfunden worden, dass der Park geschlossen werden musste.“ Corsten war damals noch als Zollkommissar für den Bereich von Roermond bis ins Dreiländereck zuständig.

Ende dieses Jahres soll die Kiesabbaggerung auf dem Gelände der ehemaligen Löwensafari beendet sein, dann werde es Stück für Stück der Naherholung zugeführt, sagt Corsten.

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