Heinsberg-Dremmen: Vor 250 Jahren hat zum ersten Mal die Katharinenglocke geläutet

Heinsberg-Dremmen: Vor 250 Jahren hat zum ersten Mal die Katharinenglocke geläutet

Nicht im Geläut ganz oben, sondern unten in einer dunklen Ecke des Kirchturms von St. Lambertus ist die Katharinenglocke, ohne Klöppel und auf einem Holzgerüst stehend, zu entdecken. Mit einer Bauleuchte rückten Gästeführerin Therese Wasch und Glockenfachmann Matthias Dichter sie nach der Abendmesse am Samstag aber ins rechte Licht.

Grund war das Jubiläum der ­Glocke, die vor 250 Jahren in Dremmen zum ersten Mal geläutet wurde. In ihren Vorträgen hatten die beiden zuvor all diejenigen begeistert, die nach der Abendmesse noch in der Kirche geblieben waren. Dabei machten sie deutlich, dass eine handgegossene Glocke viel mehr Kunst als Handwerk sei und dass jede einzelne von ihnen auch ganz viel zu erzählen habe über die Zeit, aus der sie stamme.

Therese Wasch zeigte den Besuchern des Vortrags über die Dremmener Glockengeschichte auch diese kleine Hausglocke. Fotos (2): A. P. Thomas Foto: A. P. Thomas

Am 15. Februar 1763 hatte die Katharinenglocke zum ersten Mal geläutet, um den Frieden nach ­einem siebenjährigen Krieg zu bejubeln, berichtete Therese Wasch. Wie die übrigen beiden neuen ­Glocken war sie von der Glockengießer-Familie Voigt gefertigt worden, die seinerzeit am Ortsrand von Dremmen in der Totenstraße, der heutigen Glockenlandstraße, ihre Werkstatt hatte. In den Schriften von Leo Gillessen, dem ehemaligen Leiter des Kreismuseums, hatte die Gästeführerin den Grund für die Neuanschaffung der ­Glocken gefunden. Nach einem großen Brand im Jahr 1716 waren alle Glocken aus dem brennenden Kirchturm abgestürzt und geschmolzen. Auch über die Glockengießer-Familie wusste die Gästeführerin einiges zu berichten. So sind ihr zufolge von der Familie in fast hundert Jahren seit 1729 fast 170 Glockengüsse bekannt, unter anderem für Ophoven, Birgden, Brachelen, Kirchhoven und Süsterseel.

Im Ersten Weltkrieg musste Dremmen Glocken für die Waffenfertigung abgeben, nur die Katharinenglocke durfte bleiben. 1928 wurden dazu vier neue Glocken angeschafft. Erhalten blieb die Katharinenglocke auch im Zweiten Weltkrieg, wobei nicht mehr sicher nachzuvollziehen ist, ob sie tatsächlich eingemauert oder einfach nur versteckt wurde. 1953 erhielt St. Lambertus fünf neue Glocken. Dabei entschieden sich die Dremmener damals für ein Geläut aus sogenanntem Euphon, einer Kupfer-Zink-Legierung, die sich nicht mehr für die Verwendung zu Kriegszwecken eignen würde. Noch heute sind die Glocken von Lambertus mit ihrem Gesamtgewicht von fast 7100 Kilogramm das größte Euphon-Geläut im ­Bistum Aachen.

Die Katharinenglocke geriet darüber einfach in Vergessenheit. Erst in den 1980er-Jahren wurde sie bei Renovierungsarbeiten im Kirchturm wiederentdeckt und steht jetzt unten in einer Ecke.

„Es wäre wünschenswert, wenn sie wieder über Dremmen erklingen könnte“, sagte Glockenfachmann Matthias Dichter, nachdem er die Zuhörer detailliert in die Kunst des Glockengusses eingeführt und ihnen anschließend viele interessante Details an der Katharinenglocke gezeigt hatte. „Klanglich würde sie sich hervorragend in das bestehende Euphon-Geläute integrieren“, so der Experte.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass die kleine Hausglocke im Archiv des früheren Kreismuseums 1972 von Christian Voigt gegossen worden sein. Die richtige Jahreszahl lautet 1762. Die Zahl ist im Artikel entsprechend korrigiert worden.

(anna)
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