GdG Hückelhoven: Vom Rücktritt des Pfarrers überrascht

GdG Hückelhoven : Vom Rücktritt des Pfarrers überrascht

„Wollen Sie wirklich meine Einschätzung?“ Na klar, schließlich kennt Gottfried Maria Graaff die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven aus der Innenansicht heraus ganz genau.

Der ehemalige Regionaldekan war schließlich selbst in der GdG Hückelhoven mit den neun Pfarreien von Kleingladbach bis Rurich und von Ratheim bis Brachelen als Pfarrvikar, Pfarradministrator und Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Hückelhoven aktiv. „Also meine Einschätzung ist: Der K. [Name von der Redaktion abgekürzt] hat die Reißleine gezogen. Das ist dem einfach zu viel geworden“, sagt Graaff. Er hatte aus unserer Zeitung vom Rücktritt des Geistlichen als Leiter der GdG Hückelhoven erfahren.

Pfarrer K., „Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven, hat den Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser, aus persönlichen Gründen um Entpflichtung von seinen Ämtern gebeten“, heißt es lapidar in der Mitteilung des Generalvikariats von Mittwochabend.

„Ich war in Urlaub und habe die Nachricht auch erst in der Sitzung des Pfarreirates am Mittwochabend gehört“, sagt Heinz-Jürgen Knubben, der dem Pfarreirat von St. Lambertus in der GdG Hückelhoven angehört. „Wir waren alle total überrascht, zumal wir in St. Lambertus noch vor kurzem erst mit Pfarrer K. und der Evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven die Friedensdekade geplant haben“, sagt Knubben.

Aber er hat auch positive Signale vom Bistum zu vermelden: „Wir feiern die Karwoche, wir feiern Ostern und wir feiern die Erstkommunion: Das Bistum hat uns dafür einen Geistlichen fest zugesagt. Dafür ist also gesorgt.“ Im Übrigen werde man „jetzt verstärkt nach einer dauerhaften Lösung für die Stellenbesetzung suchen“.

Keine Gründe genannt

Heinz Brand, Diakon in der GdG Hückelhoven, hat schon am Dienstagabend vom Rücktritt K.s erfahren: „Da hat K. selbst uns im Pastoralteam über seinen Schritt unterrichtet.“ Gründe habe er nicht nennen wollen, er habe allerdings betont, dass er „nicht vom Bistum abgestraft worden sei“, sagt Heinz Brand.

Allerdings, das räumt der Diakon ein, habe auch ihn und seine Kollegen vom Pastoralteam die Formulierung des Generalvikariats „verwundert“. Denn darin heißt es wörtlich: „Der Bischof ist dem Wunsch von Pfarrer K. zu Wochenbeginn nachgekommen und hat ihm Zeit zur persönlichen Besinnung und Orientierung gewährt.“

K. war, bevor er im März 2016 Pfarrer der neun GdG-Gemeinden in Hückelhoven wurde, als Bundeswehrpfarrer aktiv und dort auch in Somalia im Einsatz. Ein Mann also, der Konflikten und unangenehmen Situationen keinesfalls aus dem Weg zu gehen pflegt — aber offensichtlich ist die seelsorgerische Arbeit am Horn von Afrika nicht mit der in Hückelhoven vergleichbar.

Er habe, sagt Gottfried Maria Graaff, sich natürlich auch gefragt, ob die Formulierung „Zeit zur persönlichen Besinnung und Orientierung“ irgendwelche Hinweise auf die Gründe für K.s Entschluss gebe. Er, Graaff, sei dann aber zu der festen Überzeugung gekommen: „Nö. Das ist dem [Name entfernt] einfach zu viel geworden.“ Was ihn, den ehemaligen Regionaldekan, nicht verwundert: Die „Rahmenbedingungen“ in Hückelhoven stimmten einfach nicht, auch weil die Pfarreien nicht fusioniert seien. Die fehlenden Rahmenbedingungen, das betont Graaff nachdrücklich, haben „absolut nichts mit den Menschen zu tun, die in der GdG Hückelhoven aktiv mitarbeiten“. Das Problem sei „struktureller Natur“; und dieses Problem packe das Bistum Aachen nicht an.

Rücktritte und Versetzungen

Der Rücktritt von Pfarrer K. ist der — vorläufige — Schlusspunkt unter einer ganzen Reihe von Rücktritten oder Versetzungen, die die GdG Hückelhoven seit dem unfreiwilligen Ausscheiden von Pfarrer Dieter Wintz aus dem Amt zu verkraften hat: Pfarrer Jürgen Frisch musste gehen; Gemeindereferent Achim Kück wurde 2014 vom Bischof entpflichtet; Ute Errens, die ununterbrochen seit 1997 in Hückelhoven als Gemeindereferentin tätig war, wurde kurze Zeit nach Kücks Entpflichtung versetzt.

Gottfried Maria Graaff bat den Bischof aus „gesundheitlichen Gründen“ um seine Entpflichtung; José Kallupilankal nannte ebenfalls gesundheitliche Gründe für seine Versetzung, er hatte zuletzt die Pfarren St. Gereon Brachelen, Herz Jesu Rurich, St. Brigida Baal, St. Dionysius Doveren betreut sowie die Leitung der GdG Hückelhoven mit neun Pfarreien übertragen bekommen; Irene Schlawin verließ ihre Pfarrstelle in Hilfarth; Pfarrer Klaus Jansen schied aus gesundheitlichen Gründen als Leiter des Pastoralteams der GdG Hückelhoven aus und als Pfarrer an St. Johannes d. Täufer in Ratheim — auch bei wohlwollender Betrachtung: Kontinuität sieht anders aus...

„Wir suchen derzeit nach einer personellen Perspektive, um die Seelsorge und das ehrenamtliche Engagement durch einen guten priesterlichen Einsatz in der Gemeinschaft der Gemeinden zu sichern und zu unterstützen“, so Dr. Alfred Etheber, Leiter der Hauptabteilung Pastoralpersonal im Bischöflichen Generalvikariat in Aachen.

Die rund 22.000 Katholiken in Hückelhoven sind jetzt auf das gespannt, was ihnen vom Bistum in Aachen als Ergebnis der „Suche nach einer personellen Perspektive“ vorgestellt wird.

Pfarrer K. war am Freitag für einen Kommentar nicht zu erreichen.