Erkelenz-Holzweiler: Vom Landesamt installierte Station misst Feinstaub am Tagebau

Erkelenz-Holzweiler: Vom Landesamt installierte Station misst Feinstaub am Tagebau

Nein, Smog gab es an der Rur ohne H nie. An der Ruhr mit H war Smog dagegen so sehr an der Tagesordnung, dass ein Kanzlerkandidat namens Willy Brandt Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit der Forderung „Der Himmel über der Ruhr muss wieder blau werden“ in den Wahlkampf zog.

Der Himmel an der Ruhr war deshalb nicht blau, weil Schmutzpartikel als Folge der Kohleförderung ihn eintrübten. Der Steinkohlebergbau an der Ruhr mit H ist heute genau so Geschichte wie der an der Rur ohne H. Und dennoch ist Feinstaub und die damit verbundene Belastung für die Gesundheit im Erkelenzer Land in engster Nachbarschaft zur Rur ohne H gerade heute ein Thema, das Sprengstoff in sich birgt: Die Braunkohletagebaue und die Braunkohlekraftwerke sind nach übereinstimmender Meinung der Fachleute die dominierende lokale Quelle für den Austrag des gesundheitsschädlichen Feinstaubes. Und daran ändert auch die Entscheidung der Landesregierung nichts, die am vergangenen Freitag hohe Wellen schlug — Garzweiler II wird verkleinert, die Schaufelradbagger von RWE Power werden vor den Toren Holzweilers haltmachen.

Am Ortsrand von Holzweiler ist jetzt eine Messstation installiert worden, die die Belastungen in der Luft, die von dem immer näher heranrückenden Tagebau Garzweiler II verursacht werden, messen soll. Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz hat das so genannte Feldmessgerät am Eggerather Weg installiert. Eine Forderung, die die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Erkelenzer Stadtrat schon vor Monaten gestellt haben, wie sich deren Fraktionsvorsitzende Beate Schirrmeister-Heinen erinnert: „Als Johannes Remmel, der nordrhein-westfälische Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur-und Verbraucherschutz, in Titz eine Messstation zur Feststellung der Feinstaubemission, die vom Braunkohletagebau ausgeht, installiert hat, haben wir darauf gedrungen, dass auch im Erkelenzer Stadtgebiet am Rande des Tagbaus eine solche Station eingerichtet wird.“ Aber nicht nur von Seiten der Politik wurde diese Forderung laut — auch die Vereinten Initiativen, das Dach, unter dem sich der Bürgerprotest gegen den Tagebau Garzweiler II in den Erkelenzer Ortsteilen, die ihm zum Opfer fallen werden, sammelt, hatten sich die Errichtung einer Feinstaub-Messstation auf die Fahnen geschrieben.

In dem so genannten Feldmessgerät, das jetzt in Holzweiler installiert ist, wird der Feinstaub, der aus dem Tagebau herrührt, gesammelt und auf einen Filter gepresst. Diese Filter werden in regelmäßigen Abständen abgeholt und in speziellen Labors untersucht.

Das Holzweiler Messgerät ist zwar nicht das Optimum, das man sich gerne gewünscht hätte. Das wäre ein Messcontainer gewesen, wie er zum Beispiel im vergangenen Jahr in Jackerath aufgestellt worden ist. Solch ein Container übermittelt selbstständig Daten an das Landesamt, wo sie gebündelt und täglich aktuell im Internet veröffentlicht werden. Die Daten aus der Messstation in Holzweiler werden erst dann veröffentlicht, wenn die Filter ausgetauscht und ausgewertet worden sind — in größeren zeitlichen Abständen also. „Wir sind trotzdem zufrieden mit der neuen Station“, sagt der Erkelenzer Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg, der gleichzeitig betont, dass er „kein Experte auf dem Gebiet der Feinstaubmessung“ sei.

Wie gefährlich Feinstaub für die Gesundheit eingestuft wird, weiß jeder Autofahrer. Und jeder Raucher sowieso. Wer mit seinem fahrbaren Untersatz ohne entsprechende Plakette beispielsweise in die Kölner Innenstadt fährt, riskiert ein Knöllchen. Und wer sich in einem öffentlichen Gebäude oder gar außerhalb der gekennzeichneten Bereiche auf einem Bahnsteig in einem Bahnhof der Bundesrepublik eine Zigarette anzündet, riskiert ebenfalls staatliche Sanktionen.

Mehr Abstand gefordert

In Holzweiler wird das Thema Feinstaub die Menschen langfristig beschäftigen, zumal der Ort nun nicht mehr Umsiedlungsort ist, dafür aber für immer am Tagebaurand liegen wird. Zwar ist daran gedacht, das Restloch in der Zukunft mit Wasser zu befüllen, doch das wird Jahrzehnte dauern. Bis dahin werden die Holzweiler Bürger mit Emissionen leben müssen. Welcher Art und in welchem Umfang, dazu soll die Messstation am Eggerather Weg genauere Informationen liefern.

Klar ist jedenfalls, dass die Anwohner am Tagebaurand in Anbetracht einer vermeintlichen Feinstaub-Gefahr mehr und mehr auf einen vergrößerten Abstand zwischen Ortsrand und Tagebaukante drängen. Nicht einhundert, sondern mehrere hundert Meter müssten vorgeschrieben sein, lautet die Forderung. Dies ist besonders für Holzweiler von Bedeutung, um das der Tagebau nun „irgendwie herumgeführt werden soll“, wie Reiner Priggen, Vorsitzender der Grünen Landtagsfraktion, noch am Freitag in Erkelenz betonte. Die Ausarbeitung von Details auch in dieser Frage wird eine der Hauptaufgaben der kommenden Jahre sein.

Der Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) jedenfalls weist in seiner Publikation zur Feinstaubbelastung der Menschen an den Randgebieten von Braunkohletagebauen darauf hin, dass „Braunkohle und Abraum erhebliche Konzentrationen an den radioaktiven Elementen Thorium, Uran und Kalium-40 enthalten“.

Grenzwerte und Maßnahmen

Jede Tonne Abraum enthalte im Durchschnitt 0,8 Gramm Uran, die Braunkohle selbst 0,2 Gramm. In den Tagebauen im Rheinischen Braunkohlerevier werden pro Jahr rund 460 Millionen Tonnen Abraum und etwa 100 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert.

Sollten an den Messstationen, die inzwischen an mehreren Punkten an den Braunkohletagebaurändern installiert sind, signifikante Überschreitungen der festgesetzten Grenzwerte gemessen werden, muss ein so genannter „Luftreinhalteplan“ aufgestellt werden. „Darin werden dann Maßnahmen festgelegt, die zur Einhaltung der Grenzwerte beitragen können und die zur dauerhaften Verhinderung der Luftverunreinigung geeignet und erforderlich sind“, heißt es seitens des BUND.

(kalauz/eska)
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