Vom Kinderchor zur Jugendmusikschule

50-jähriges Bestehen : Vom Kinderchor zur Jugendmusikschule

Was vor genau 50 Jahren aus einem von einer Elterninitiative getragenen Kinderchor entstand, ist heute unter dem Namen Jugendmusikschule Heinsberg ein Begriff für die musikalische Ausbildung und für hochkarätige Konzerte weit über die Kreisstadt hinaus.

Dank des internationalen Gitarrenfestivals hat die Schule den Namen Heinsberg sogar in der ganzen Welt etabliert. Ihr goldenes Jubiläum feiert sie dann auch mit dem, was man von ihr mittlerweile gewohnt ist: mit Konzerten, unter anderem Jazz und Klassik im Rondell, in diesem Jahr aber auch wieder mit dem Gitarrenfestival und mit diversen weiteren Angeboten.

Eigens zum Jubiläum haben sich Schulleiter Theo Krings und seine Mitstreiter aber auch Besonderes ausgedacht. So haben sie sich vorgenommen, zum sogenannten Sommerboulevard des Gewerbe- und Verkehrsvereins mit Frühkirmes am 30. Juni buchstäblich ganz Heinsberg zum Klingen zu bringen. Dazu werden unter anderem rund 200 junge Bläser in der Innenstadt zu einem Orchester vereint. Am 13. September wird mit der Deutschen Streicherphilharmonie das Aushängeschild des Verbandes deutscher Musikschulen mit einem Konzert in der Aula der städtischen Realschule gratulieren.

Hier steht am 2. Oktober auch der offizielle Festakt auf dem Programm. Im November gibt es gleich ein ganzes Wochenende für die Blasmusik ebenso wie Aufführungen der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart in Geilenkirchen und Waldenrath. Mit einem Konzert anlässlich des 20-jährigen Bestehens der St. Mary Gospelsingers, einem der Chöre der Jugendmusikschule, geht es am 30. November in den Endspurt das Festjahres.

Jakob Gerards (links) und Theo Krings halten bei der Jugendmusikschule die Fäden in der Hand und haben sich viel vorgenommen fürs Jubiläumsjahr. Foto: Anna Petra Thomas

Der Ursprung der Jugendmusikschule liegt in den 1960 gegründeten Heinsberger Chorkindern. Für den bis zu 100 Kinder starken Chor, schon damals ein Verein, organisierten Eltern Auftritte, den Austausch mit andern Chören und Freizeitmaßnahmen. Der Wunsch, ihren Kindern die Möglichkeit zu geben, ein Instrument zu erlernen, mündete 1969 in die Gründung der Jugendmusikschule. Während zeitgleich in Erkelenz die heutige Kreismusikschule in Trägerschaft des damaligen Kreises Erkelenz aus der Taufe gehoben wurde, entschied man sich in Heinsberg für einen Verein, dessen Finanzierung zu gleichen Teilen über Elternbeiträge und einen städtischen Zuschuss erfolgen sollte.

Zu Beginn lag die Schülerzahl im zweistelligen Bereich. Als Unterrichtsräume wurden zunächst das evangelische Jugendheim, später die Räume der damaligen Realschule an der Westpromenade genutzt. Das Fachangebot war auf einige Kernfächer beschränkt, und die Lehrkräfte wurden vor allem regional rekrutiert. „Neben ambitionierten Laien spielten dabei vor allem Kirchenmusiker eine zentrale Rolle“, erinnert sich Schulleiter Theo Krings.

Dank kontinuierlich wachsender Schülerzahl konnten in den 1970er Jahren erste Festanstellungen vorgenommen werden. Mit Annemie Jansen, später Houben, und Peter Heinen übernahmen erste „lokale Gewächse“ mit einschlägigem Musikhochschulabschluss zentrale Rollen. Ihre erfolgreiche Arbeit sollte die Schule über Jahrzehnte maßgeblich mitprägen.

Geleitet wurde die Jugendmusikschule zunächst nebenberuflich vom Leiter des Kinderchores, anschließend für mehr als 20 Jahre von lokalen Musikerpersönlichkeiten wie Annemie Houben, Willi Kann, Heinz Robertz und Peter Lischewski. Während diese für den rein musikalischen Bereich verantwortlich zeichneten, lagen die gesamte organisatorische Leitung und die Geschäftsführung beim Vorstand und bei dessen Vorsitzendem Peter Heitzer. Von einem kleinen Büro in seinem Wohnhaus an der Straße Auf dem halben Mond aus lenkte und prägte Heitzer die Geschicke der Schule insgesamt über 27 Jahre.

1996, die Schule war inzwischen auf etwa 580 Schüler angewachsen, übernahm Krings die Geschäftsführung von Peter Heitzer. Für ein Jahr lagen Schulleitung und Geschäftsführung jetzt beim Team Lischewski und Krings und damit erstmals in den gemeinsamen Händen einer neuen Generation studierter Instrumentalpädagogen aus der Region. Seit 1997 ist Krings Schulleiter und Geschäftsführer in Personalunion. Vereinsvorsitzender ist der Erste Beigeordnete Heinsbergs, Jakob Gerards.

Mit der Realschule war auch die Jugendmusikschule in den 1970er Jahren an die Schafhausener Straße ins Klevchen gezogen. Durch steigende Schülerzahlen und den zunehmenden Nachmittagsunterricht in der Realschule wurde vor rund zehn Jahren eine neue räumliche Lösung unerlässlich. Diese wurde 2012 durch den Bezug des neuen Erweiterungsbaus der Realschule an der Rheinertstraße geschaffen. Neben Unterrichtsräumen und Verwaltung ist hier auch das Rondell, ein fast kreisrunder Raum untergebracht. „Das Rondell gilt inzwischen als Heinsbergs gute Stube für Musik und hat sich einen hervorragenden Ruf als Konzertstätte erarbeitet“, freut sich Krings.

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