Stück des Rurauen-Theater-Vereins: Vom Dorfleben und von Sprachfehlern

Stück des Rurauen-Theater-Vereins : Vom Dorfleben und von Sprachfehlern

Aktueller hätte das Stück gar nicht sein können, das der Rurauen-Theater-Verein am Wochenende an drei Abenden auf die Bühne der Mehrzweckhalle in Orsbeck brachte. „Am Dorfplatz“ heißt der Dreiakter von Sigrid Schilmeier. Und ein neuer Dorfplatz ist doch gerade in Orsbeck auch das Dorfgespräch, wie Melanie Thönnißen in ihrer Begrüßung erklärte.

Im Ortsring werde seit einiger Zeit schon darüber getuschelt, sagte sie und schmunzelte. Eigentlich dürften ihn doch gar keine Informationen verlassen. „Und doch weiß ganz im Geheimen jeder über alles Bescheid.“

So einige kleine Weisheiten übers Dorfleben hatte sie dann auch noch dabei. So sei das Dorfleben doch ganz praktisch. Hier wisse jeder, wann es ein Gewitter gebe, weil doch dann die Rasenmäher ganz hektisch unterwegs seien. „Und Dorfleben ist auch, wenn der Zollstock mehr Bier geöffnet als Meter gemessen hat.“ Ersten Informationen zum Stück, das der Verein aus dem Fränkischen übersetzt und in Teilen umgeschrieben hatte, ließ sie schließlich noch einen Appell für mehr Nachwuchs im Theater-Verein folgen. „Auch dieses Theater ist Kultur“, betonte sie.

Textsicher und schauspielerisch ihr Publikum direkt vereinnahmend präsentierten die sieben Darsteller dann das Stück. Den Anfang machten die beiden Bauarbeiter Manfred Schuster (Thomas Steinbusch) und Rudi Bügel (Bert Wientgen), die gleich nach Arbeitsbeginn zu einem Nickerchen in der Kanalbaustelle verschwanden. Diese war mithilfe echter Absperrungen aus dem Straßenbau einfach direkt vor die Bühne gebaut worden. Eine wahre Meisterleistung vollbrachte im Stück Dorfplatzplaner Adebar Bämbel. Sein Darsteller Michael Staschewski hielt das ganze Stück nicht nur in hessischem Akzent durch, sondern auch noch mit seinem Sprachfehler. Er vermied durchgängig den Buchstaben A, was natürlich zu so eigenen Irritationen führte. So suchte er zum Beispiel sein „Hundy“, meinte aber tatsächlich sein Handy.

Viel zu lachen hatten die Zuschauer natürlich auch bei den vier Frauen im Stück, Manfred Schusters Frau Erika (Ruth Wientgen), Rudi Bügels Frau Renate (Ellen Gerighausen), Freundin Hannelore von Greineisen (Monika Matzerath) und VHS-Leiterin Margarete Wahl (Melanie Thönnißen). Sie waren nicht nur mit ihrer ganz persönlichen „Klimakatastrophe“ beschäftigt, sondern machten sich auch Gedanken darüber, wie denn Orsbeck touristisch aufgepäppelt werden könnte. Ein Seitenhieb nach Birgelen durfte da natürlich nicht fehlen. „Auf den tollen Dorfplatz passt noch nicht mal mehr ein Festzelt drauf“, erklärte da die VHS-Leiterin kopfschüttelnd.

Dann machen zunächst die beiden Bauarbeiter die Entdeckung, die Orsbecks touristische Zukunft sichert: den Tunnel zwischen dem Restaurant „Zur Post“ und der Kirche, von dem im Dorf schon so lange geredet wird. Und plötzlich fällt auch Erika Schuster noch in die Baugrube. Die VHS-Leiterin macht sich auf die Suche nach ihr und dank eines geschickten Bühnenbaus tauchen die beiden schließlich von hinten auf der Bühne wieder auf. „Das ist die Sensation, die wir hier brauchen!“, sind sich auch die Frauen sicher.

Ortsvorsteher und Architekt planen derweil heimlich einen Europaplatz für Orsbeck, einen italienischen Brunnen und weitere große Objekte, denen der Dorfplatz und das dort befindliche Jöertehaus zum Opfer fallen sollen. Das ist den Frauen nun doch zu viel. Sie fesseln den Architekten und hypnotisieren ihn, um ihn von diesem Plan abzubringen.

Großer Applaus zeigte den Darstellern am Ende, wie gut ihre Vorstellung angekommen war. Ihr Dank ging an die Helfer im Hintergrund mit Judith Steinbusch (Souffleuse), Gisela Gatzweiler (Requisite), Hans Stolingwa (Bühne) und Margot Reiners (Maske) sowie an den UKV Orsbeck-Luchtenberg für die Bewirtung der Gäste.

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