Erkelenz-Venrath/Kaulhausen: Visionen für die beiden Orte Venrath und Kaulhausen

Erkelenz-Venrath/Kaulhausen : Visionen für die beiden Orte Venrath und Kaulhausen

Da darf man sich nichts vormachen: Die beiden Ortschaften Venrath und Kaulhausen werden bei der Realisierung des geplanten Tagebaus Garzweiler II nur einen schlappen Steinwurf weit vom Grubenrand entfernt sein. Besonders Kaulhausen wird vom Lärm, vom Staub und den anderen negativen Begleiterscheinungen der Braunkohleabbaggerung leiden.

Denn zwischen der bestehenden Bebauung, der geplanten Grubenrandstraße und dem entstehenden Loch wird nur noch ein Wall liegen. Deshalb macht man sich schon heute Gedanken darüber, wie man diese beiden Ortschaften im Vorfeld für die Zeit mit dem vorüberziehenden Tagebau vorbereiten kann.

Stadtplaner aus Aachen haben sich deshalb über Monate hinweg zusammen mit den Bewohnern der beiden Ortschaften Gedanken darüber gemacht, wie man Venrath und Kaulhausen mit Blick auf den drohenden Tagebau weiter attraktiv gestalten und „eine Gesamtstrategie zur nachhaltigen Weiterentwicklung und dem Erhalt des dörflichen Gefüges...sowie den Lebensumständen wie Überalterung, Abwanderung oder Nahversorgungsdefizite im ländlichen Raum“ umsetzen kann. Nachdem das so erarbeitete Konzept in den Ausschüssen vorgestellt worden ist, hat der Stadtrat in nun grünes Licht gegeben, nach und nach für die verschiedenen dort ausgearbeiteten Projekte Fördergelder zu beantragen.

Die Projektideen, die die Aachener Stadtplaner um Ulrich Wildschütz zusammen mit den Bewohnern der beiden Orte ausgearbeitet haben, werden in fünf Handlungsfelder untergliedert, um das herum das „Dorfinnenentwicklungskonzept“ aufgebaut ist: Gemeinschaft und soziale Infrastruktur; Öffentlicher Raum und Verkehr; Landschaft und Freizeitgestaltung; Bauen, Wohnen und Energie; Landwirtschaft, Gewerbe und Versorgung. Die gemeinsam in diesen Feldern entwickelten Handlungsideen sollen in den kommenden Jahren geprüft und nach nochmaliger Diskussion im politischen Raum, also in den entsprechenden Fachausschüssen, möglicherweise umgesetzt werden.

Neues Bürgerhaus

Die Reichweite der Projektideen geht von der Umnutzung einer Wiesenfläche in Kaulhausen zu einem Treffpunkt für Jung und Alt bis hin zu Überlegungen für ein neues Bürgerhaus als moderner Veranstaltungsraum für die zahlreichen Vereine. Aber auch die Gestaltung des zukünftigen Tagebaurandes und die Verbesserung des Fuß- und Radwegenetzes sowie die Neugestaltung der Dorfplätze sind ebenfalls im Konzept beschrieben.

„Wir betrachten das Konzept in drei Phasen“, sagt Planer Ulrich Wildschütz. Die erste Phase reicht bis ins Jahr 2025 und hat die Entwicklung des Dorfkernes im Blick. Die Ortschaften müssen stabilisiert werden, denn danach kommt der Tagebau“. Die zweite Phase des Konzeptes beinhaltet die zehn Jahre, an dem der Tagebau vor der Haustür im Betrieb und die Landschaft im Umbruch ist und die Phase drei die Zeit ab 2035, in der die beiden Dörfer hinter dem Tagebau liegen. „Hier sprechen wir Visionen an, was sich entwickeln könnte, wenn es sich nicht mehr um Dörfer in der Landschaft wie heute, sondern um zwei Ortschaften an einem Tagebaurestsee handelt“, sagt Wildschütz.

Neu gestaltete Dorfplätze und Ortseingänge, ein begrünter Rundweg um beide Ortschaften, bauliche Nachverdichtungen — beispielsweise ein Phase zwei ein kleines Wohngebiet nordwestlich von Venrath oder die Entlastung vom Durchgangsverkehr in Kaulhausen durch eine kleine Umgehungsstraße -, die Gestaltung des Kirchgartens und die Sanierung der Gaststätte Bruns in Venrath oder der Bau einer Mehrzweckhalle am Sportplatz dort; eine Bürgerwiese als sozialer Treffpunkt in Kaulhausen — über all das wird man im Rahmen des Dorfinnenentwicklungskonzeptes in den kommenden Jahren diskutieren.

Aussichtsplattform

Da all das richtig viel Geld kosten, wird über jede angedachte Maßnahme später im politischen Raum einzeln abgestimmt werden. Die Stadt wird jetzt Fördermittel beantragen und darüber hinaus versuchen, RWE Power als Verursacher des Tagebaus an den Kosten zu beteiligen. „Wir werden das mit denen besprechen und versuchen, sie mit ins Boot zu holen“, sagt der Technische Beigeordnete Ansgar Lurweg. Beispielsweise bei den Kosten für die Aussichtsplattform in den Tagebau hinein. Das alles ist vorerst zwar noch Zukunftsmusik — die ersten Takte sind aber schon deutlich zu hören.