Wegberg/Mönchengladbach: Vier Jahre Haft für Pier gefordert

Wegberg/Mönchengladbach: Vier Jahre Haft für Pier gefordert

Für den Tod und die Verletzung zahlreicher Patienten soll der einstige Klinikbesitzer und Chefarzt Arnold Pier für vier Jahre ins Gefängnis.

Außerdem soll ein fünfjähriges Berufsverbot gegen ihn verhängt werden. Das hat die Staatsanwaltschaft am Montag nach mehr als eineinhalb Jahren Prozessdauer am Mönchengladbacher Landgericht gefordert.

Der Ankläger warf dem Mediziner Selbstüberschätzung und Beratungsresistenz vor. Er habe statt Desinfektionsmittel Zitronensaft eingesetzt, gesunde Organe entfernt, massiv fehlerhaft behandelt und die Hinzuziehung von Spezialisten abgelehnt. Damit habe er fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche Körperverletzung und vorsätzliche Körperverletzung begangen. Insgesamt 15 Patienten seien dadurch geschädigt worden.

Pier hatte erst vor wenigen Tagen ein Geständnis abgelegt und Arbeitsüberlastung als Ursache angegeben. Profitstreben sei nicht sein Motiv gewesen. Dies zog der Staatsanwalt in Zweifel: Der Angeklagte habe die Arbeit an sich gezogen, obwohl er sie hätte delegieren müssen. Auch erkläre dies nicht die überflüssigen Organ-Entnahmen. Der Mediziner sei für eine Fülle gravierender Fehler in kurzer Zeit verantwortlich.

Trotz Misserfolgen und Häufungen von Infektionen habe er seine Behandlung mit frisch gepresstem Zitronensaft fortgesetzt. Bedenken habe er ignoriert. Selbst Blinddarm-Operationen seien massiv fehlerhaft gewesen. Der Staatsanwalt warf Pier „Handeln im Blindflug” vor. Erst eine anonyme Anzeige eines Mitarbeiters habe die „schlimmen Missstände” ans Licht gebracht.

Ein Vertreter der Nebenklage forderte für Pier ein lebenslanges Berufsverbot: „Wir möchten nicht, dass ein solcher Mann nach ein paar Jahren wieder Menschen behandelt.” Die Verteidiger stellten keinen konkreten Strafantrag. Pier sei aber kein Krimineller, sondern sei überzeugt gewesen, das Richtige zu tun.

Pier hatte gestanden, nachdem das Gericht ihm im Gegenzug eine Strafe zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt hatte. „Ich bedauere die Fehler, weil ich meinen Patienten Schaden zugefügt habe. Ich habe mich übernommen. Mich bei den Patienten und ihren Angehörigen zu entschuldigen, wird nicht genügen.”

Der Mediziner war Klinik-Besitzer, Chefarzt, ärztlicher Direktor und Operateur in einer Person. Es sei fraglich, ob dies eine Konstellation sei, „die dem Gesundheitswesen gut tut”, sagte der Staatsanwalt. Am 1. Januar 2006 hatte Pier das kleine St. Antonius-Krankenhaus von der Kommune Wegberg für einen symbolischen Preis gekauft, als es vor der Insolvenz stand. Das Urteil soll am kommenden Montag verkündet werden.

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