Hückelhoven-Ratheim: Unzufriedenheit mit Landschaftsplänen: Unterschriftensammlung läuft

Hückelhoven-Ratheim: Unzufriedenheit mit Landschaftsplänen: Unterschriftensammlung läuft

Unter den Forst- und Landwirten wächst die Unzufriedenheit mit den Landschaftsplänen „Wassenberger Riedelland und untere Rurniederung“ sowie „Baaler Riedelland und obere Rurniederung“, mit denen die beiden letzten weißen Flecke auf Kreisgebiet geschlossen werden sollen.

Es wird in den genannten Gebieten Einschränkungen für die Landwirtschaft geben, denn ein Teil dieser Flächen soll den Status eines Naturschutzgebietes erhalten, um hier besondere Schutzmaßnahmen durchführen zu können.

„Die Landschaftsplanung will die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes als unverzichtbare Lebensgrundlage für den Menschen erhalten und sichern. In der Landschaftsplanung müssen die Ziele des Naturschutzes, die wirtschaftliche und touristische Entwicklung und die Nutzungsinteressen von Land- und Forstwirtschaft sowie der Wasserwirtschaft unter dem Gesichtspunkt einer ökologischen Verträglichkeit unter einen Hut gebracht werden“ erläuterte Landrat Stephan Pusch.

Jetzt trafen sich rund 170 Land- und Forstwirte sowie Bodeneigentümer auf Haus Hall, um die Folgen der Pläne der Kreisverwaltung zu diskutieren. Aus Sicht der Eigentümer komme dabei ein Weltbild zum Vorschein, das „naive Naturromantik auf Kosten individueller wirtschaftlicher Betätigungsfreiheit“ durchsetzen wolle, erklärte die Juristin Marion Tettinger. Die Eltern der Richterin sind Landwirte in Heinsberg.

Die Planentwürfe sehen die Festlegung von rund 1700 Hektar Naturschutzgebiet vor. Für diese Gebiete werde ein Katalog von Verboten bestimmt, betonte Tettinger. Träten diese in Kraft, wäre auf „fast zwölf Prozent des Planungsgebietes keine nachhaltige landwirtschaftliche Betätigung mehr möglich“.

Die von der Verwaltung vorgesehenen Ausnahmeregelungen bezeichnete sie als „Feigenblatt“, da sie sich nur auf die derzeitige tatsächliche Bewirtschaftung der Flächen beziehe. „Landwirtschaft ist aber ein generationenübergreifendes Projekt“, betonte sie. Durch die Planung werde auch der Flächendruck auf die Landwirte künstlich erhöht, da angesichts des Braunkohletagebaus Landwirte aus Erkelenz auf die noch verfügbaren Flächen drängten.

Bisher sei man auch nicht in die Planung einbezogen worden, kritisierte Wilhelm Jäger, der zwischen Hilfarth und Himmerich Flächen bewirtschaftet. Eine Alternative sei der Vertragsnaturschutz, bei dem die Landwirte und die Behörde kooperieren und die Arbeit und der Ertragsverlust vergütet werden.

Für die Forstwirte betonte Clemens Mirbach, dass Beschränkungen durch Naturschutz zu einer Verödung und Monokultur in den Wäldern führten. Den Wald durch Verordnungen „vor seinem Eigentümer zu schützen“, sei der falsche Weg. Zwar sei Forstwirtschaft in den Naturschutzgebieten möglich, aber Ziele zum Schutze der Natur hätten Vorrang.

Solche Ziele seien die Erweiterung von Feuchtbiotopen, Trockenrasen, Freiflächen und Totholz. Das Totholz, also der abgestorbene Baum, werde als Lebensraum für Insekten, Bakterien und Schimmelarten geschützt. Wirtschaftlich habe es jedoch keinerlei Wert und schade durch erhöhten C02-Ausstoß auch noch dem Klima. Die Einschränkung der Nutzung des „wertvollen ökologischen Baustoffs Holz“ bedeute die vermehrte Nutzung anderer, nicht nachwachsender Ressourcen.

Mirbach bewirtschaftet auch Gebiete am Effelder Waldsee und verwies auf den Naturpark De Meinweg, wo der Wald zugunsten der Heide auf dem Rückzug sei. Er befürchtet Einbrüche bei den Holzerträgen um über 20 Prozent. Die Förderung von Kahl- und Sandflächen in Waldgebieten fördere gleichsam „eine Steppenbildung, aber keinen Kulturwald“.

Bernhard Conzen, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, riet dazu, sich über den Planentwurf zu informieren und Bedenken anzumelden. Dies könne auch online auf der Homepage des Kreises geschehen. Unter den Land- und Forstwirten werden Unterschriften gegen den Planentwurf gesammelt. Die Formulare können auch im Büro auf Haus Hall abgeholt oder abgegeben werden.

(hewi)
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