Heinsberg - Unternehmerfamilie Frauenrath: Die Zukunft heißt Digitalisierung

Unternehmerfamilie Frauenrath: Die Zukunft heißt Digitalisierung

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Tradition und Moderne: Nach dem Ersten Weltkrieg legten die Pflasterer von Arnold Frauenrath Hand an, so dass das Unternehmen rasch wuchs. Erst vor wenigen Monaten stellte Frauenrath das moderne „RWTH Campus Tor“ fertig. Foto: Lothar Wels Fotografie
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Gereon (links) und Jörg Frauenrath verhalfen dem Unternehmen zu einem bemerkenswerten Aufschwung. Foto: Archiv Frauenrath
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Tradition und Moderne: Nach dem Ersten Weltkrieg legten die Pflasterer von Arnold Frauenrath Hand an, so dass das Unternehmen rasch wuchs. Erst vor wenigen Monaten stellte Frauenrath das moderne „RWTH Campus Tor“ fertig. Foto: Archiv Frauenrath

Heinsberg. Am Freitag feiert die Unternehmensgruppe Frauenrath ihr 150-jähriges Bestehen. Das Heinsberger Unternehmen, das immer wieder mit großen Projekten für Aufsehen sorgt, hat sich in dieser Zeit oft gewandelt. Unser Redakteur Daniel Gerhards hat mit den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern Gereon und Jörg Frauenrath über die Geschichte und aktuelle Herausforderungen des Unternehmens gesprochen.

Sie feiern jetzt das 150-jährige Bestehen Ihres Unternehmens, im Jahr 2000 haben Sie bereits 100-Jähriges gefeiert. Altert Ihr Unternehmen schneller als andere?

Gereon Frauenrath: Nein, natürlich nicht. Aber wir haben noch einmal intensiver nach unseren Wurzeln gesucht. Es hat meinen Vater nie losgelassen, mehr über unsere Geschichte zu erfahren, aber er kam nicht weiter als bis zu seinem Großvater. Wir haben im Jahr 2011 zwei Unternehmenshistoriker beauftragt. Und die haben den selbstständigen Pflasterer Gereon Frauenrath in einer Klassen-Steuerrolle der Bürgermeisterei Hilfarth aus dem Jahr 1869 gefunden. Das heißt, dass er auch im Jahr 1868 schon aktiv gewesen sein wird.

In den folgenden 150 Jahren hat sich das Unternehmen aus kleinsten Anfängen zu einer in vielen Bereichen aktiven Unternehmensgruppe entwickelt. Wo liegt der Schlüssel zu dieser Entwicklung?

Gereon Frauenrath: Für jede Generation gab es eigene Schlüsselerlebnisse. Der Zweite Weltkrieg hat auch unser Unternehmen geprägt. Die ganze Firma wurde nach Russland geschickt, um Straßen zu bauen, damit die Panzer fahren konnten. Unser Großvater und einige der Mitarbeiter sind gefallen, und die Geräte sind in Russland geblieben. Meine Oma, Carola Frauenrath, hat das Straßenbauunternehmen dann weiterführen müssen. Es fällt uns heute schwer, zu beurteilen, wie schwierig das gewesen sein muss. Als mein Vater das Unternehmen mit 23 Jahren übernommen hat, kam die Erkenntnis, dass wir modernisieren müssen. In den 80er Jahren kam die Diversifizierung mit dem Recycling und Landschaftsbau dazu. 1989 haben wir dann die Mitarbeiter der Firma Schröders aus Haaren übernommen. Das war der Einstieg in den Hochbau und später in den Schlüsselfertigbau.

Und mit der Wiedervereinigung hat es sie in den Osten gezogen...

Jörg Frauenrath: 1992 haben wir unser erstes Projekt in Sachsen realisiert. Wir haben ein Gewerbegebiet in Bretnig-Ohorn erschlossen. Danach sind wir dort geblieben. Mittlerweile sind wir seit 25 Jahren mit 125 Mitarbeitern in Bretnig.

Schauen wir in die Gegenwart: Wo steht Ihr Unternehmen heute?

Gereon Frauenrath: Heute sind wir ein moderner Komplettanbieter rund ums Bauen mit sieben Unternehmen, zahlreichen Beteiligungen und Objektgesellschaften. Aktuell haben wir sehr gute Rahmenbedingungen. Wir feiern unser 150-jähriges Bestehen in einer Phase, in der der Bau boomt. Und zwar so, wie wir es in den vergangenen 27 Jahren nicht erlebt haben. Im Verkehrswegebau hat man erkannt, dass man lange von der Substanz gelebt hat. Da sind wir dabei, Engpässe zu beseitigen. Und im Hochbau sorgen die Niedrigzinsen für eine hohe Nachfrage.

Und davon profitieren auch Sie?

Jörg Frauenrath: Wir sind in den vergangenen Jahren in der Breite gewachsen, also in unseren verschiedenen Unternehmen. Jedes Unternehmen der Gruppe liefert seinen Beitrag. Alle sind gut aufgestellt.

Der wirtschaftliche Aufschwung sorgt in vielen Branchen allerdings für einen stärker werdenden Fachkräftemangel. Spüren Sie auch, dass es schwieriger wird, Mitarbeiter zu gewinnen?

Jörg Frauenrath: Wir müssen heute viel mehr tun, um Personal zu gewinnen. Wir gehen auf Schüler und Studenten zu und werben für unsere Unternehmen. Gutes Personal zu gewinnen, ist im Moment unsere größte Herausforderung.

Wieso sind Berufe auf dem Bau auch für Jugendliche der heutigen Generation attraktiv?

Jörg Frauenrath: Die Digitalisierung eröffnet viele spannende Möglichkeiten. Heute gibt es Drohnen, die einen Geländeaufriss machen und GPS-gesteuerte Geräte. In der Digitalisierung liegt eine Chance, den Beruf interessant zu halten.

Sie arbeiten nicht nur in der Region, sondern sind auch weit darüber hinaus aktiv. Der Stadt Heinsberg sind sie aber immer treu geblieben. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, der Stadt den Rücken zu kehren?

Gereon Frauenrath: Nein. Wenn man seit 1905 in Heinsberg ist, würde man nur weggehen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen würden – und die waren in Heinsberg immer perfekt. Für uns gab es nie einen Grund, umzuziehen.

Jörg Frauenrath: Wir glauben, dass die Baubranche im ländlichen Raum besser aufgehoben ist als in der Großstadt. Unsere Niederlassung im sächsischen Bretnig liegt 25 Kilometer von Dresden entfernt. In Heinsberg und Bretnig liegen wir also vor den Toren von Ballungszentren. So fällt es uns leichter Mitarbeiter zu gewinnen und sie an uns zu binden.

 

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