Umwelt im Fokus: Emil Sorge zeigt seine Werke in Heinsberg

Kunstverein Region Heinsberg : Die Natur in den Blick genommen

Hinschauen – genaues Hinschauen, das wird in der heutigen Zeit eine existenzielle Notwendigkeit, um der Vielzahl an Täuschungen zu entgehen. Für das Kunstverstehen ist diese Fähigkeit schon immer eine Tugend gewesen.

Mit seinen Ausstellungen schafft der Kunstverein Region Heinsberg dafür mehrmals jährlich eine Bühne. Letztmalig für dieses Jahr mit der Ausstellung „Share“, in der  Werke des Stolberger Künstlers Emil Sorge gezeigt werden.

„Ich habe schon in der Volksschule Naturlandschaften wie den Wald anders gemalt als meine Mitschüler“, erzählte Emil Sorge im Rückblick vom Beginn seiner Faszination für die künstlerische Gestaltung seiner Umwelt. Den Meisterschüler hat er bei Professor Rissa an der Kunsthochschule Düsseldorf gemacht. Ein Qualifikationsnachweis, den es heute nicht mehr gebe, wie Sorge betonte.  Den besonderen Blick auf seine Umgebung und den Wald als „Ursymbol“ im künstlerischen Prozess zu bearbeiten, das hat Sorge sich bis heute erhalten, wie das wandfüllende Relief „Taiga“ in seiner Ausstellung beim Kunstverein Region Heinsberg im Horster Hof belegt.

In ihrer Laudatio nahm die zweite Vorsitzende Ingrid Trantenroth-Scholz das 105 x 560 cm große Holzrelief „Taiga“ als erstes in den Blick. „Emil Sorge verarbeitet hier das Material Holz und verwendet eine sehr alte Technik – den Holzschnitt“, betonte die Laudatorin. Ursprünglich sei der Holzschnitt aus einem Bild- und Textteil zusammen erstellt worden, um eine Botschaft für den lesekundigen Teil sowie für den nichtlesenden Teil der Gesellschaft zu vermitteln. Nach dem Beginn des Buchdruckes habe der Holzschnitt aber nur noch als Illustration im Buch gedient, ergänzte sie.

„Ganz anders sind die Arbeiten von Emil Sorge, bei ihm wird der Holzschnitt zum autonomen Werk“, erläuterte Trantenroth-Scholz. Wenn beim Werk „Taiga“ die Reihung und Verdichtung der einzelnen Elemente „Baum“ und die Reduzierung auf die Farbigkeit „Schwarz-Weiß“, Raum und Fläche wirksam werden lässt und zu einem abstrahierenden Werk verschmelzen, so erweitere Emil Sorge sein Repertoire an anderer Stelle durch Farbe - wie bei der Stadtlandschaft „Township“.

Oder durch Kombination von Holzschnitt („Turm“) und dem spiegelbildlich beigefügten Abdruck auf Leinwand mit Öl („Turm“), die er zu einer korrespondierenden Einheit zusammenstelle. Der hin- und herschweifende Blick imaginiere dabei einen Arbeitsrhythmus, wie in dieser Kombination der Ausschnitte einer Werkshalle assoziiert werde.

„Die thematische Vielfalt seiner Werke, ausgeführt in unterschiedlichen Techniken,  spiegelt den Blick des Künstlers auf die ihn umgebende Welt und zeichnen ihn als kritischen Beobachter aus“, fasste Trantenroth-Scholz ihre kurze Einführung in die Kunst des Emil Sorge zusammen. Interessenten, welche die faszinierende Ästhetik, die von den insgesamt zwölf ausgestellten Exponaten ausgeht, selber genießen wollen, haben dazu noch bis zum 24.11.2019 in den Räumen des Horster Hofes Gelegenheit.