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Personalprobleme bei CDU und SPD: Überraschende Abwahl und ein Loch in der Kasse

Personalprobleme bei CDU und SPD : Überraschende Abwahl und ein Loch in der Kasse

Die CDU und die SPD in Heinsberg haben in ihren neuen Fraktionen personelle Probleme völlig unterschiedlicher Art. Bei der CDU kommt es zu neuen Stellvertretern und bei der SPD kommt es zu deutlichen finanziellen Einbußen für den Ortsverein.

Wer in der ersten Reihe steht, ist meist derjenige, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zieht. Das gilt in vielen Lebensbereichen. Vor allem natürlich in der Politik. Bei den Wahlen für die Vorstandsposten in der neuen Heinsberger CDU-Fraktion ist es diesmal jedoch ein wenig anders. Die einstimmige Wiederwahl von Norbert Krichel zum Fraktionschef gerät fast schon zur selbstverständlichen Marginalie angesichts des Paukenschlags, mit dem seine Stellvertreter Stefan Storms und Volker Brudermanns in einem Handstreich per Votum durch die Fraktionsmitglieder aus ihrem Amt gefegt wurden.

Storms wird nun als erster Stellvertreter durch Wilfried Jöris ersetzt und Brudermanns muss als zweiter Stellvertreter Guido Peters weichen. „Für mich war es überraschend, ich habe bis zum Abend der Wahl nichts davon mitbekommen“, versichert Norbert Krichel. Dass es für beide Positionen plötzlich Gegenkandidaten geben würde, damit habe er nicht gerechnet. „Der einzige Wechsel, von dem ich wusste, war, dass Yvonne Hensing für Sigi Jansen das Amt des stellvertretenden Schriftführers übernehmen sollte.“

Doch was waren denn die Gründe dafür, dass Storms und Brudermanns offenbar bei der Fraktionsmehrheit in Ungnade fielen? Nach Informationen unserer Zeitung sollen im Vorfeld der Wahl bei nicht wenigen Fraktionsmitgliedern die Telefondrähte mächtig geglüht haben. Hinter den Kulissen sei intensive „Überzeugungsarbeit“ geleistet worden, dass Storms und Brudermanns von den wichtigen Posten entfernt werden müssten. Als ein möglicher Grund kursierte der Vorwurf, beide hätten sich schon in der Vergangenheit immer wieder allzu kritisch mit der Arbeit der Verwaltung auseinandergesetzt. Bestätigen wollte Krichels dies allerdings nicht. Beide seien sicher kritischer gewesen als andere in der Fraktion, aber nicht in überzogenem Maße.

Keine Stellungnahme

Volker Brudermanns war auf Nachfrage „zum jetzigen Zeitpunkt zu keiner Stellungnahme bereit“. Stefan Storms war trotz mehrmaliger telefonischer Versuche am Mittwoch nicht zu erreichen. Doch Brudermanns war sicher, dass er sich derzeit ebenso wenig zu den Umständen seiner Abwahl äußern würde.

Die Sozialdemokraten, die bei der Kommunalwahl wie die CDU zwei Sitze im Stadtrat einbüßten, beschäftigen zu Beginn der neuen Legislaturperiode personelle Probleme ganz anderer Art, wie Ex-Bürgermeisterkandidat Jochen Lintzen bestätigt. Denn dass die Fraktion nun nur noch sieben statt ehedem neun Mitglieder zählt, bedeutet eine deutliche finanzielle Einbuße für den Ortsverein.

Allein der Wegfall der Sitze von Wilfried Lüngen und Angela Herberg schlage über die gesamte Legislaturperiode mit rund 12.000 Euro zu Buche, weil 30 Prozent dessen, was den Mandatsträgern gezahlt wird, bei der SPD an den Ortsverein abgeführt werde. Natürlich heile die Zeit viele Wunden, meint Lintzen, aber dass die beiden Sitze verlorengegangen seien, treffe tief. Der finanzielle Verlust ergebe sich ja auch noch dadurch, dass Fraktionschef und Stellvertreten bei einer Fraktion, die weniger als neun Personen umfasse, eine deutlich geringere Aufwandsentschädigung gezahlt werde, was abermals die 30-prozentige Abgabe an den Ortsverein schmälere. „Über die Mandatsabgabe finanzieren wir ja auch viel, wie zum Beispiel unser Sommerfest“, sagt Lintzen.

„Wir werden jetzt auch mit weniger Leuten in den Ausschüssen vertreten sein, auf die die Arbeit verteilt werden muss.“ Besonders der Verlust der Lehrerin Angela Herberg als schulpolitischer Expertin wiege schwer. „Da entsteht ein Vakuum, das wir füllen müssen. Das heißt aber nicht, dass wir den Kopf in den Sand stecken. Eine Fraktion mit nur noch sieben Leuten muss eben noch enger an einem Strang ziehen.“ Wie ihr das gelingt, kann sie bereits am 21. Oktober bei der konstituierenden Fraktionssitzung unter Beweis stellen.