Aachen/Heinsberg: Überfall auf Senioren: DNA-Spuren in Handschuhen entdeckt

Aachen/Heinsberg : Überfall auf Senioren: DNA-Spuren in Handschuhen entdeckt

„Nein, das ist er nicht, der war kleiner“, bewertete der 72-jährige Rentner aus Heinsberg die Silhouette des Angeklagten Sandu C. Der Angeklagte soll zu einer Bande von drei Tätern gehört haben, die im Mai diesen Jahres dreist mit einer Leiter in das Schlafzimmer des Rentnerpaares aus Heinsberg einstiegen und die beiden ausraubten.

Es sei warm gewesen in dieser Nacht, erinnerte sich auch die 71-jährige Ehefrau, die noch heute unter den Folgen leide, besonders nachts im Dunkeln, wie sie am Dienstag Richter Norbert Gatzke, dem Vorsitzenden der 4. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, berichtete.

Die ganze Angelegenheit war leider kein Traum, sondern ein ziemlicher Alptraum. Denn der nicht sonderlich gesunde Rentner sollte eigentlich mit einem Chloroformtuch betäubt werden. Das habe er verhindern können, berichtete er noch relativ stolz, auch dass er im Verlaufe des Überfalls versucht habe, seinem Bewacher eine Rotweinflasche auf dem Kopf zu zertrümmern.

Das misslang und zum Glück des Rentnerpaars gingen die Einbrecher nicht brutal gegen Leib und Leben vor. Doch sie wollten Geld aus einem Tresor, der im Keller stand. Die Ehefrau beschrieb, wie sie mit einem der drei in den Keller musste und den Tresor öffnete. Sie sei eine ordentliche Frau, erklärte sie dem Gericht, also hatte sie all ihren Schmuck vor dem Schlafengehen dort eingeschlossen.

Große Beute gemacht

So machten die Räuber gute Beute, Rolex-Uhren, Goldschmuck, ein brillantbesetzter Ehering, eine Sammlung von Zwei-Euro-Münzen und fast 7000 Euro Bargeld waren in dem Geldschrank gesichert, bis zu diesem Abend im Mai. Der Gesamtwert habe 123.000 Euro betragen, versicherten beide übereinstimmend. Im Keller war sogar noch ein zweiter Tresor. Hier sei ein Zeitschloss am Werk, hatte der Ehemann den mit einem südosteuropäischen Akzent gebrochen sprechenden Tätern vorgeflunkert, sie beließen es dabei.

Sie seien nicht brutal vorgegangen, sagten beide Opfer im Zeugenstand, man habe ihnen mit Klebeband nur die Hände zusammengebunden, sonst nichts. Doch es sei schon ein Bild des Schreckens gewesen, als plötzlich ein schwarz gekleideter Mann mit Mundschutz im Schlafzimmer gestanden habe und man sehen konnte, dass ein weiterer von der angestellten Leiter im ersten Stock nachgestiegen komme, dann ein dritter.

Als sie die Beute hatten, verschwanden sie einfach, das Paar konnte sich nach einiger Zeit selber befreien und die Polizei alarmieren. Erst zwei Tage später fand die Ehefrau ein Paar schwarze Handschuhe auf einem Kiesweg im Garten. Dem Gärtner hätten sie nicht gehört, sie sei überzeugt, dass sie den Tätern gehörten, die sie in der Eile verloren hätten. An diesen Handschuhen waren die DNA-Spuren von Sandu C.

Der Prozess geht diesen Donnerstag weiter. Inzwischen hat das am Rande der Wohnbebauung gelegene Einfamilienhaus der Eheleute eine brandneue Alarmanlage.

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