Tristan von den Driesch: Vom Bauernhof in den Konzertsaal

Musikalische Karriere von Tristan von den Driesch : Vom Bauernhof in den Konzertsaal

So oft ist der berufliche Weg durch das Elternhaus vorgezeichnet, in Richtung Wissenschaft, Kunst, Handwerk oder auch Landwirtschaft. Nicht so bei Tristan von den Driesch. Er stammt zwar aus einer Bauernfamilie, die ihren Hof in Pütt bei Waldenrath bewirtschaftet, hat aber für sich einen ganz anderen, den Weg der Musik gewählt und gehört inzwischen als Klarinettist zu den Essener Philharmonikern.

Daneben spielt er auch regelmäßig in Hamburg im NDR-Elbphilharmonie-Orchester, im Gürzenich-Orchester in Köln oder, wenn seine Zeit es zulässt, natürlich auch noch im Musikverein Waldenrath, wie gerade erst bei dessen Jahreskonzert in der Oberbrucher Festhalle.

Na ja, so ein bisschen vorbelastet in puncto Musik sei er ja schon gewesen, schmunzelt der 32-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Großvater, Heinz Schaps, habe im Musikverein Waldenrath Tuba gespielt. Und dorthin trieb es ihn dann wie seine Freunde schon als Grundschüler auch. Bei Josef Welfens lernte er, Blockflöte zu spielen und wechselte später zur Klarinette. Die habe Welfens damals auch gespielt, erinnert sich von den Driesch. Der Lehrer habe ihm das Instrument vorgeschlagen, und zudem habe der Verein damals neue Klarinettisten gebraucht, erinnert er sich.

„Ich habe gemerkt, die passt mir ganz gut“, erzählt der Musiker weiter davon, wie sich sein Weg dann schnell von dem seiner Freunde trennte, natürlich nur rein musikalisch gesehen. „Ich habe auch gerne Fußball gespielt“, sagt er. „Aber noch lieber habe ich Klarinette gespielt. Ich habe einfach gerne geübt.“ Und so führte ihn der Weg über seinen Verein hinaus zur Kreismusikschule in Erkelenz und dann nach Mönchengladbach und später nach Köln, wo er bei einer Studentin der Musikhochschule Unterricht nahm.

Parallel besuchte er die Realschule in Heinsberg und danach das Berufskolleg für Sozial- und Gesundheitswesen in Geilenkirchen. „Ich hatte die Musiktherapie im Auge“, sagt er, „und genug Zeit, Klarinette zu üben.“ Durch den Unterricht in Köln habe sich ihm dann aber auch die Welt der Musikhochschule eröffnet. So kam er zur Jugendmusikschule in Heinsberg, lernte bei Schulleiter Theo Krings noch Klavier zu spielen, dazu viel Theorie wie zum Beispiel Gehörbildung.

Er bewarb sich an mehreren Universitäten und erhielt schließlich eine Zusage aus Hamburg. Hier wurde von den Driesch Diplom-Orchestermusiker im Fach Klarinette mit dem Nebenfach Klavier. In Köln setzte er dann noch einen Master obendrauf. Parallel besuchte er in diesen drei Jahren für zwei Jahre die Orchesterakademie der Staatsoper in Hamburg. Schließlich gelang ihm der für einen Musiker höchste Studienabschluss, das Konzertexamen. Und das machte er mit Auszeichnung, wie seine Abschlüsse zuvor auch schon.

Am 5. Mai wird Tristan von den Driesch mit einem Ensemble der Essener Philharmoniker im Heinsberger Rondell zu Gast sein. Foto: Yeum von den Driesch

Mit einem Zeitvertrag ging es für ihn dann für ein Jahr ans Badische Staatstheater nach Karlsruhe, „wertvolle Erfahrungen sammeln“, wie der passionierte Musiker heute sagt. Und dann klappte es vor zwei Jahren mit der Bewerbung bei den Essener Philharmonikern. „Das wollte ich unbedingt, in einem großen und guten Orchester spielen“, sagt er. Doch gerade dieser letzte Schritt zum Ziel sei unheimlich schwierig. „Da gibt es nur hopp oder top.“ 85 Prozent aller studierten Musiker mit dem Ziel, Orchestermusiker zu werden, würden diese Hürde nicht schaffen. „Da sitzt beim Vorspiel das ganze Orchester im Publikum und jeder einzelne Musiker stimmt ab“, erzählt er. „Das ist wie bei den olympischen Spielen. Da geht es nur noch um absolute Perfektion.“

In seine neue Rolle als Orchestermusiker habe er sich schnell hineingefunden, sagt er und gibt bescheiden zu: „Aber ich muss natürlich immer noch viel lernen“. Eine Erleichterung und ein gutes Gefühl seien dabei jedoch, nicht die Existenzangst freier Künstler haben zu müssen. Wenn er dem einen oder anderen Philharmoniker jetzt aus seiner Biographie erzähle, seien diese dann aber doch verwundert über den eher „exotischen Weg“, den er zu dieser Höchstklasse der Musik gefunden habe. „Wie - ihr habt Hühner zu Hause?“, sei dann immer wieder mal die erstaunte Frage seiner Kollegen, schmunzelt er. Und dann ist er auch seinen Eltern auf dem Bauernhof in Pütt wieder unendlich dankbar. „Sie haben mich immer bedingungslos unterstützt“, betont von den Driesch. „Das ist das, was man braucht, um einen solchen Weg zu gehen.“

Als Teil eines siebenköpfigen Ensembles der Essener Philharmoniker ist Tristan von den Driesch am Sonntag, 5. Mai, um 11 Uhr im Heinsberger Rondell zu Gast. Er spielt zusammen mit Sergio Giordano (Fagott), Clara Reichwein (Horn), Florian Geldsetzer (Violine), Annette Meier-Krüger (Viola), Anja Rapp (Violoncello) und Michael Giesen (Kontrabass).

Auf ihr Programm haben die sieben Musiker Leckerbissen für Freunde sowohl feinster Bläserkunst, als klassischer, nicht oft zu hörender, größerer Kammermusikbesetzungen gesetzt. Dabei gesellt sich zu Ludwig van Beethovens großem Septett Es-Dur für Streicher und Bläser „Till Eulenspiegel einmal anders“. Unter diesem Titel hat der Wiener Franz Hasenöhrl 1954 die bekannte Sinfonische Dichtung von Richard Strauss als „Scherz“ für Klarinette, Violine, Horn, Fagott und Kontrabass bearbeitet.

Verbunden ist das Konzert mit einer Ausstellung im Rahmen der diesjährigen Kunsttour im Kreis Heinsberg, die am selben Tag stattfindet. Tickets zu beiden Konzerten sind ab sofort erhältlich.