Kreis Heinsberg: „Trauriger Tag für die USA und die Welt“

Kreis Heinsberg: „Trauriger Tag für die USA und die Welt“

Craig Coss hat die Nacht zu Mittwoch auf der Couch verbracht. Im Fernsehen lief CNN, der Amerikaner wollte nicht verpassen, was da in seinem Heimatland passiert. Daheim in Schierwaldenrath erlebte Coss, wie das nicht für möglich Gehaltene wahr wurde: Donald Trump wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

„Es ist ein trauriger Tag für die USA und für die Welt“, sagt Coss am Mittwoch.

Der 47-Jährige sitzt in seiner Heinsberger Praxis „Chiro USA“. Dass die Nation im Firmennamen auftaucht, hat weniger mit Patriotismus, sondern eher mit der besonderen Art der Ausbildung zu tun. Im „American Chiropractic Center“ arbeitet Coss gemeinsam mit seiner aus Oberbruch stammenden Frau Regina, die auch in den USA Chiropraktik studiert hat, wo die beiden sich kennenlernten. Im Gespräch mit Craig Coss wird schnell deutlich, wie sich die Wähler bei ihrer Entscheidung wohl gefühlt haben müssen. „Kaum jemand hat gewählt, weil er den einen Kandidaten unbedingt wollte — sondern weil er den anderen nicht wollte“, berichtet der Mann, der die Hälfte seines Lebens in Kalifornien verbracht hat und in Los Angeles geboren wurde.

Natürlich sei er vom Wahlergebnis überrascht. Sogar Freunde, die Trump gewählt hätten, weil sie Hillary Clinton für das größere Übel hielten, seien überrascht gewesen, berichtet er. Trump sei „ein Idiot, eine unmögliche Person“, habe jemand über den neuen Präsidenten gesagt — und ihn trotz dieser zweifelhaften Attribute gewählt. Unweigerlich kommt einem der Gedanke von Pest und Cholera. „Trumps Unterstützer haben keine Ahnung, welchen Effekt seine Wahl auf Amerika und die ganze Welt haben wird. Diesen Burschen ins höchste Amt zu wählen, ist peinlich“, sagt Coss.

Seit 2010 lebt er im Kreis Heinsberg, über das Internet ist er weiterhin eng mit seiner Familie in den Staaten im Kontakt. Trump sei eben ein „Showman“, der wisse, wie man sich verkauft. Er habe im Wahlkampf einfach gesagt, was er wollte. Konsequenzen musste der Milliardär ohne politisches Amt ohnehin nicht befürchten. „Er hat die Ängste und Unsicherheiten der Leute ausgenutzt“, sagt Coss. Etwas Positives weiß er dann doch über den neuen Mann im Weißen Haus zu berichten: „Er hat härter gearbeitet als alle anderen Kandidaten.“

Ein Jahr lang hat Filiz Demirak in den USA verbracht. Genauer gesagt in Washington D.C., dem Machtzentrum der Vereinigten Staaten. Natürlich ist die 21-Jährige aus Saeffelen, die im vergangenen Jahr am Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasium Abitur gemacht hat, auch am Weißen Haus gewesen, am Capitol und all den anderen Symbolbauten der amerikanischen Nation. „D.C. hat etwas Imposantes. Man merkt einfach, dass von hier alles ausgeht“, erinnert sie sich. In diesem Umfeld hat sie hautnah miterlebt, wie Donald Trump plötzlich auf der Bildfläche erschien, um Präsident zu werden. „Ich glaube, das wird eine dunkle Zeit für die USA“, sagt die junge Frau mit ernster Stimme wenige Stunden, nachdem Trumps sensationeller Wahlsieg feststeht.

Seit Sommer ist Filiz Demirak zurück in Deutschland, mittlerweile studiert sie in Trier Sozial- und Organisationspädagogik. Von ihrem Auslandsaufenthalt hat sie viele Freundschaften mitgebracht, unter anderem zu Menschen mit mexikanischen Wurzeln. „Einige haben schon damals gesagt: Wenn Trump Präsident wird, gehen wir nach Kanada“, berichtet sie. In den Großstädten, diese Kluft zeigt das Wahlergebnis deutlich, haben die Demokraten und damit Hillary Clinton ihre Anhänger. „In Texas wäre das sicher anders gewesen“, mutmaßt Filiz Demirak und hat damit schon die große Kluft angesprochen, die spätestens im Wahlkampf in den USA zutage getreten ist. Weltoffen seien die Amerikaner, gerne bereit, andere Kulturen kennenzulernen, mit offenen Armen habe man sie empfangen, erzählt die 21-Jährige. „Deswegen passt die Haltung von Donald Trump so gar nicht zu dem, was ich von Amerika kennengelernt habe.“

Dass dieser Mann tatsächlich ins Weiße Haus einziehen könnte, lag für viele wohl tatsächlich außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Belächelt worden sei die Kandidatur, erinnert sich Filiz Demirak. Dennoch seien die Schlagzeilen über den Milliardär stets „Gesprächsthema Nummer 1“ gewesen. „Das Problem mit Donald Trump ist: Er sagt etwas und behauptet dann, es nie gesagt zu haben“, beschreibt die Studentin. Seine rassistischen Äußerungen, die Aussagen zur Waffenlobby, über Frauen und den Umgang mit dem IS machen ihr keine große Hoffnung für das Land, in dem sie ein Jahr ihres Lebens verbracht hat. „Das hört sich alles sehr schlecht an“, sagt Filiz Demirak.

Craig Coss hofft, dass Trump „jetzt versucht, den Job gut zu machen“. Vielleicht sei alles bisher Gesagte und Erlebte ja nur Teil der Wahlkampfinszenierung gewesen. Überzeugt ist der 47-Jährige freilich nicht. „Ich befürchte, er wird noch einiges an Schaden anrichten.“ Und selbst wenn Trump all die barschen Ankündigungen nicht in die Tat umsetzt, blieben viele seiner Wähler mit enttäuschten Erwartungen zurück — was neuen innenpolitischen Sprengstoff in den USA bedeuten würde. Wie es wohl enden wird? Coss zuckt mit den Schultern. „Wir müssen abwarten“, sagt er. Auch von der neuen Regierungsmannschaft erwartet der Amerikaner keine Wunderdinge. „Ich hoffe, dass sie ihn beeinflussen kann. Denn kontrollieren kann man ihn eh nicht.“

Teverener US-Soldaten müssen neutral bleiben

Die größte Anzahl US-amerikanischer Staatsbürger in der gesamten Region findet sich auf der Nato Airbase in Geilenkirchen-Teveren. Etwas weniger als 400 Amerikaner, Soldaten und zivile Mitarbeiter, arbeiten derzeit auf dem Flughafen, erklärt Major Johannes Glowka (37), Sprecher des Nato E-3A-Verbandes.

Was sie von der Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten halten, ist am Dienstag nicht zu erfahren. Wie bei allen nationalen Entwicklungen, gibt es auch gestern keinen Kommentar. „Soldaten dürfen sich zu politischen Entscheidungen und Entwicklungen nicht äußern. Das sieht das US-Gesetz so vor. In Augen der Amerikaner müssen sich Soldaten politisch absolut neutral verhalten“, erklärt Glowka