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Traktor- und Oldtimertreffen in Waldenrath

„Auf dem Traktor, da sieht man was“ : Traktor- und Oldtimertreffen in Waldenrath

Einen echten Camper kann nichts erschüttern, auch keine noch so großen Hagelkörner, von denen am Samstagnachmittag auch so einige über dem Gelände des achten Traktor- und Oldtimertreffens in Waldenrath niedergingen. Ebenso wie die wieder mehr als 100 Teilnehmer, die mit ihren teils ganz urig umgebauten Bauwagen für zwei Tage angereist waren, blieben auch die Organisatoren um den Vorsitzenden Heinz-Josef König bei all den Wetterkapriolen ganz gelassen.

„Regensachen, Gummistiefel, da lassen wir uns nicht aufhalten“, schmunzelte Käthi Stumm, als sie dem Vorhang in ihrer offenen Bauwagen-Tür eine Schüssel unterstellte, damit das von ihm aufgesaugte Regenwasser dort hinein abtropfen konnte. Gleich nebenan, unter dem Pavillon hatten es sich weitere Mitglieder des Orga-Teams gemütlich gemacht, zu dem auch sie gehörte. „Die Tagesfahrer fehlen uns natürlich heute“, erklärte sie. Sie machen das Waldenrather Treffen mit zweijährlich zwischen 350 und 380 Teilnehmern ansonsten zu einem der großen in der Region.

Die aktiven Fans historischer Fahrzeuge aller Art hatten sich jedoch nicht abhalten lassen und ihre Mobile wieder fein säuberlich geordnet auf den Wiesen zwischen Waldenrath und Straeten abgestellt: historische Traktoren, große und kleine Lkw sowie Pkw. Bewundert werden konnten aber auch historische amerikanische Militärfahrzeuge oder ein fein restaurierter Pick-up Baujahr 1942. Nicht zu vergessen die historischen Motorräder zurück bis ins Baujahr 1928, mit einem davon war auch der Waldenrather Franz Orths wieder mit dabei.

Über besondere Highlights wusste Ludwig Stumm den Besuchern, die beim schlechten Wetter schon am Samstag dennoch den Weg nach Waldenrath gefunden hatten, so einiges zu berichten, etwa über den Traktor „Farmall BM“, Baujahr 1950, aus England mit dem engeren Radstand seiner Vorderräder oder über den Lanz Kühler-Bulldog aus dem Jahr 1933, der bei Kohlehändlern im Einsatz war.

Außergewöhnliche Fahrzeuge: Auch eine Lanz Raupe war in Waldenrath zu bewundern. Foto: Anna Petra Thomas

Vor allem bestaunt aber wurde die fünf Tonnen schwere Lanz Raupe, Baujahr 1938, von Berti Hintzen aus Waldfeucht-Hontem, die auf einem Tieflader zum Treffen angeliefert worden war. „Aus Chile wieder reimportiert worden“, wusste Ludwig Stumm zu berichten. „Sie wurde vor allem bei druckempfindlichen Böden eingesetzt und hatte eine hohe Zugkraft.“ Bernd Reinartz aus Marienberg demonstrierte derweil, wie das Steuerrad seines Lanz Traktors aus dem Jahr 1949 benutzt wird, um die Maschine zu starten, und machte sich dann zu einer Rundfahrt übers Gelände auf.

Die weiteste Anreise zum Treffen von rund 750 Kilometern hatte dieses Mal Leonhard Schmid aus Bibertal-Anhofen in Bayern mit seinem alten Hanomag Robust 800 auf sich genommen, zusammen mit seinem Freund Josef Gretschmann aus Weilheim. Er fährt einen Hamomag Brillant 600. Seit vier Jahren tuckern die beiden schon derart entschleunigt mit rund 30 Stundenkilometern und ihrem Wohnwagen hintendran durch die Lande. Über sechseinhalb Wochen und über 5500 Kilometer hat ihr Traktor sie schon nach Santiago de Compostela gebracht oder nach Ungarn und Rumänien. In Waldenrath machten sie Station auf ihrem Weg zum großen Treffen in Panningen in den Niederlanden in der nächsten Woche. „Und nächstes Jahr wollen wir bis zum Nordkap“, erklärte Gretschmann, „10.000 Kilometer, drei Monate“.

750 Kilometer lange Anreise: Leonhard Schmid (links) und Josef Gretschmann aus Bayern sind den ganzen Weg mit dem Traktor gefahren. Foto: Anna Petra Thomas

„Auf dem Traktor, da sieht man was. Und da prägt sich ein, was man vor Augen hat. Da hat man was davon“, schwärmt Schmid für seine Art, in der Landschaft unterwegs zu sein. Viele Treffen hätten sie schon angefahren, erzählt er und zeigt die Fotos, Stempel, Urkunden und Zeitungsberichte in seiner Mappe. „Aber so wie hier sind wir noch nirgendwo empfangen worden“, lobt er die Waldenrather Organisatoren. „Hier war sogar ein Platz reserviert, hier wurden wir gleich auf ein Bier eingeladen.“ Und natürlich finden Schmid und Gretschmann viel Anerkennung für das abendliche Ambiente der Treffen, am Samstag mit Livemusik von der Band „BSE“ und an beiden Abenden natürlich mit Hunderten von kostenlosen Spiegeleiern auf Toast, die in Waldenrath schon Tradition haben.