Wegberg-Harbeck/Mönchengladbach: Tod auf der Wegberger Kirmes: Noch kein Urteil

Wegberg-Harbeck/Mönchengladbach : Tod auf der Wegberger Kirmes: Noch kein Urteil

Im Harbecker Kirmes-Prozess hat es am Dienstag am Landgericht Mönchengladbach noch keine Plädoyers und folglich auch kein Urteil gegeben. Der Prozess zieht sich in Länge, weil Verteidiger Reiner Jobs weitere Beweisanträge einbrachte, über die das Gericht zunächst entscheiden muss. Der Prozess soll am 16. März fortgesetzt werden.

Die Anklage wirft dem inzwischen 19-jährigen Cedric H. vor, Maurice J. mit einem Taschenmesser tödlich und dessen Bruder Dominic J. schwer verletzt zu haben. In der Nacht zum 13. Juli soll es vor dem Festzelt der Kirmes in Wegberg-Harbeck zu einem Streit unter den alkoholisierten Jugendlichen gekommen sein. Obwohl bereits mehrere Zeugen verhört worden sind, ist immer noch nicht genau geklärt, was sich in der fraglichen Nacht abgespielt hat.

Cedric H. soll während des Streits zwischen zwei Gruppen Jugendlicher in das Festzelt gegangen sein, weil er bei der Auseinandersetzung verletzt worden war. Cedric H. kehrte wohl mit einem Taschenmesser zurück, mit dem er auf die Opfer eingestochen haben soll. Maurice J. erlitt dabei eine tödliche Verletzung, sein Bruder Dominic J. eine schwere Kopfverletzung. Cedric H. soll noch in der Nacht gesagt haben, „möglicherweise irgendetwas mit einem Messer gemacht“ zu haben. Die Anklage wirft ihm Totschlag und schwere Körperverletzung vor.

Alkoholpegel des Angeklagten

Am Dienstag hat Verteidiger Jobs mehrere neue Beweisanträge gestellt. Darin geht es um den Tathergang, um den Sachverstand einer Ärztin, die im Prozess ausgesagt hatte, um den Alkoholpegel des Angeklagten während der Tat, um seinen Leumund und darum, wie viel Geld die Familie des Opfers bereits erhalten habe.

Für Staatsanwältin Jane Wolf sind die nun eingebrachten Beweisanträge nicht zielführend. Besonders einen Antrag, in dem Jobs auflistete, dass die Eltern des getöteten Maurice J. bereits 1640 Euro Bestattungsgeld vom Landschaftsverband Rheinland, 1719 Euro von einer Versicherung und „mehrere Tausend Euro“ nach einem Spendenaufruf via Facebook erhalten haben sollen, bezeichnete Wolf als „geschmacklos“.

Der Antrag suggeriere, dass es der Familie des Getöteten ums Geld gehe, das bezeichnete Wolf als „widerlich“. Genau darum gehe es den Angehörigen aber nicht, sagte Anwältin Sabine Appel, die Dominic J. vertritt. „Den Tod von Maurice könnte man mit Millionen nicht wieder gutmachen“, sagte sie. Den Eltern gehe es um „Aufklärung“ und eine „leichte Befriedung“. Der Antrag zeige aber, dass der Angeklagte keine Verantwortung übernehme“, sagte Appel.

Eine persönliche Erklärung hat der Angeklagte Cedric H. im bisherigen Verlauf des Prozesses nicht abgegeben. Diese vermisse auch Richter Lothar Beckers, gerade weil die Verteidigung alles daran setzt, Cedric H. als ruhigen, hilfsbereiten und verantwortungsbewussten jungen Mann darzustellen. Darauf zielt auch ein Beweisantrag, den Jobs nun stellte. Darin benannte er weitere Zeugen, zwei ehemalige Lehrer, Arbeitgeber, Sportskameraden und Schützenbrüder des Angeklagten, die sich über seinen tadellosen Charakter äußern sollen.

Bereits am Montag hatte der Verteidiger eine Vielzahl von Beweisanträgen gestellt. Einer dieser Anträge forderte die Erstellung eines Sachverständigengutachtens darüber, ob der tödlich getroffene Maurice J. dem Stich möglicherweise hätte ausweichen können, wenn er weniger alkoholisiert gewesen wäre. Ein anderer Antrag hielt die Entscheidung des Arztes, das Opfer wegen seiner Thorax-Verletzungen in ein Mönchengladbacher Krankenhaus bringen zu lassen, für „objektiv falsch“. Erkelenz sei näher gewesen, und er wolle ein Sachverständigengutachten einholen lassen, ob das Opfer hätte überleben können, wenn es nach Erkelenz gebracht worden wäre. Beide Anträge lehnte das Gericht am Dienstag ab.

Mittlerweile hat die Verteidigung über 20 Beweisanträge eingebracht. Das bezeichnete Martin Alberring, Sprecher des Landgerichts, als eher ungewöhnlich. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, das Verhalten des Verteidigers zu deuten. Die erste: Er will die Sache umfassend aufklären und alle wichtigen Aspekte behandelt wissen. Die zweite Lesart ist, dass Verteidiger Jobs bereits eine mögliche Revision des noch ausstehenden Urteils vorbereitet. Denn die vielen Beweisanträge erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Fehler des Gerichts nachweisen lässt.

Richter Beckers hat am Dienstag vier weitere Verhandlungstermine festgelegt. Der nächste ist am 16. März, der vorerst letzte geplante ist am 17. April. Sollte bis dahin ein Urteil gesprochen werden, drohen Cedric H. nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft, sollte Erwachsenenstrafrecht angewandt werden, wären es bis zu 15 Jahre.

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