Das Jahr 2018 in Heinsberg: Themen, die das Jahr bestimmten

Das Jahr 2018 in Heinsberg : Themen, die das Jahr bestimmten

Tierische Missverständnisse, traurige Abschiede, traumhafte Lichtblicke, tödliche Aufträge und tückisches Wetter: Das sind nur einige der Themen, die das Jahr 2018 in Heinsberg bestimmten.

Entschärfte Bombe

2000 Menschen müssen im April evakuiert werden, als eine fünf Zentner schwere Fliegerbombe entschärft wird. Diese wurde zuvor bei Sondierungsarbeiten des Kampfmittelräumdienstes auf einer Wiese zwischen der Schafhausener Straße und dem Klevchen gefunden. Neben den Anwohnern werden auch Gebäude an Schafhausener Straße, der Siemensstraße, der Robert-Bosch-Straße, der Martin-Luther-Straße und an der Straße Genhof evakuiert. Dazu zählen das Hallenbad, das Jobcenter, das Amtsgericht, die Arbeitsagentur und eine Rechtsanwaltskanzlei. Die Menschen finden in der Mehrzweckhalle in Schafhausen und in der Turnhalle an der Realschule Unterschlupf. Die Bombe wird erfolgreich entschärft.

Gerettete Bäder

Das Thema Schwimmbäder beschäftigt auch in diesem Jahr die Region – und bringt positive Nachrichten: Das Bürgerbad Kirchhoven feiert im April seinen 80. Geburtstag; im Mai wird bekannt, dass sich alle Ratsfraktionen für den Weiterbetrieb des Bades entschieden haben. Auch das Wegberger Sorgenkind, das Grenzlandringbad, soll weiterhin bestehen. Und für das Hallenbad Haaren geht es dank eines Rettungskonzeptes in Kooperation mit dem Freibad in Gangelt ebenfalls weiter: Demnach bleibt das Hallenbad Haaren von Anfang Mai bis Ende August geschlossen, dann ist das Freibad Gangelt geöffnet. Für viele Nutzer ist das ein schmerzlicher Einschnitt. Positiv bleibt aber: Das Bad ist gerettet.

Vorerst gerettet: Das Hallenbad in Haaren. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Umgebaute Bahnhöfe

Die Bahnstrecken im Land auf den Rhein-Ruhr-Express (RRX) vorzubereiten, ist eine Mammutaufgabe. Diesen Sommer ist die Strecke Aachen-Mönchengladbach dran. Deshalb liegt der Bahnverkehr von Mitte Juli bis Ende August  zwischen Erkelenz und Geilenkirchen sowie zwischen Lindern und Heinsberg lahm. Reisende und Pendler  müssen auf Busse umsteigen. Besonders lange ziehen sich die Arbeiten am Bahnhof Baal hin. Insgesamt investieren Deutsche Bahn, das Land NRW, Nahverkehr Rheinland und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr auf diesem Abschnitt 19 Millionen Euro. Ab Dezember 2020 soll der RXX von Aachen durch den Kreis Heinsberg über Mönchengladbach und Düsseldorf nach Dortmund rollen.

Der RRX auf dem Testgelände in Wegberg-Wildenrath. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Hartnäckige Ermittler

Was zunächst wie ein eskalierter Beziehungsstreit oder missglückter Drogenhandel aussieht, entpuppt sich im November als brutaler Auftragsmord. Das ist jedenfalls das Ermittlungsergebnis der Mordkommission. Ein junger Mann wird im Oktober im Waldfeuchter Gewerbegebiet erstochen. Der Ex-Partner seiner Freundin gerät umgehend in Verdacht. Aber er hat bei seiner Tat Helfer. Woher kommen die? Wieso helfen sie ihm? Die Ermittler wollen die Akten nicht schließen. Erst verfolgen sie eine Spur nach Oberbruch, zu einem Mann, der die „Truppen“ für die tödliche Attacke zusammengestellt haben soll. Natürlich gegen Bezahlung. Das bringt Mordkommission und Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis: Auftragsmord.

Mord im Gewerbegebiet in Waldfeucht: Ex-Freund sticht seinen Rivalen nieder. Mönchengladbacher Mordkommission hat die Hintergründe ermittelt. Foto: CUH

Zauberhafte Halde

Wenn es dunkel wird in Hückelhoven, dann leuchten seit Ende November 250.000 Lichter auf der Millicher Halde. Ein sitzendes Fohlen, Rentiere mit roten Nasen, Eichhörnchen und allerlei anderes Getier tauchen strahlend in der Nacht auf, und die Besucher können Licht- und Musik-Installationen entdecken, wenn sie die 400 Stufen auf das Haldenplateau erklommen haben. Zahllose Selfies entstehen vor diesem Lichterspektakel. Die Veranstalter sprechen von einer Weltneuheit, die sich in den kommenden Jahren etablieren soll. Diesmal erwarten sie bis zu 40.000 Gäste. Ob diese Zahl erreicht wird, steht erst nach dem 6. Januar fest, denn so lange leuchtet es noch auf der Halde, täglich von 17 bis 22 Uhr – nur nicht an Silvester.

Haldenzauber in Hückelhoven. Foto: Dettmar Fischer

Tierische Geschichten

Im Februar sorgt ein vermeintlicher Wolf im Kreis Heinsberg für Aufruhr: Mehrere Menschen melden sich, weil sie – unabhängig voneinander – einen Wolf gesehen haben wollen. Möglich ist, dass ein Wolf in unserer Region auftaucht, meinen Experten. Wahrscheinlich ist es nicht. Bei Birgelen wird das Tier schließlich gefangen. Es stellt sich heraus, dass es ein Hybride ist, ein Mischling aus Hund und Wolf. Viel Fingerspitzengefühl ist im August auch in Hückelhoven gefordert, als ein Pferd sich in ein Regenrückhaltebecken verirrt. Dieses wird in einem spektakulären Einsatz von Feuerwehr, Kran-Unternehmen und Veterinär gerettet. Tierisch gut ist die Aktion von Grundschülern aus der Gemeinde Selfkant: Für ihr Bienen-Einmaleins – viele einzelne Quadratmeter Blumenbeet gegen das Insektensterben – gibt es sogar eine Auszeichnung mit dem Umweltpreis des Diözesanrates der Katholiken. Das Projekt soll im kommenden Jahr weitergehen und von Schalbrauch aus auf möglichst viele weitere Schulen in der Region ausgedehnt werden.

Runder Geburtstag 

2018 ist ein besonderes Jahr für die Kirche St. Georg in Wassenberg: Sie feiert den 900. Geburtstag. Konzerte, Ausstellungen und ein Kabarettabend gehören zum Jubiläumsjahr genau so dazu wie eine Messfeier mit dem Aachener Weihbischof Johannes Bündgens als Hauptzelebrant. Die Weihe der Kirche erfolgte am 30. September 1118 durch den Lütticher Bischof Otbert. 700 Jahre lang gehörte die Kirche dann zum Bistum Lüttich. Sie überstand die Jahrhunderte mit all ihren politischen Verwerfungen – bis zum Zweiten Weltkrieg, in dem sie zerstört wurde. Es folgte der  Wiederaufbau der Kirche mit Grundsteinlegung im Jahr 1954. Auch Wildenrath und Golkrath haben dieses Jahr ihr 900-Jähriges groß gefeiert. 

Im Jahr 2018 feierte die Gemeinde St. Georg die 900-Jahr-Feier mit vielen Aktionen. Foto: Dettmar Fischer. Foto: Dettmar Fischer

Abgerissener Dom

Immerath verschwindet von der Landkarte: Der Ort weicht dem Tagebau Garzweiler, das  wird dieses Jahr Schritt für Schritt weiter zur Realität. Im Januar lässt RWE  den Immerather Dom abreißen. Der Protest von 40 Greenpeace-Aktivisten bewirkt nicht mehr als ein paar Stunden Verzögerung. Der Bagger reißt die Mauern der 2013 entwidmeten Kirche trotz des Protests nieder. Der Abriss sorgt deutschlandweit für mediales Aufsehen. Auch die Orte Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich und Beverath werden derzeit umgesiedelt, weil RWE die Braunkohle darunter fördern will. In den Dörfern ist man sich uneins: Soll man sich noch einmal gegen die „Vertreibung“ auflehnen oder das Beste aus dem Umzug machen.

Das frühere Kirchengebäude der katholische Pfarre St. Lambertus ist seit 2013 entwidmet und damit kein Gotteshaus mehr. Der Ort Immerath muss dem nahenden Braunkohletagebau Garzweiler weichen. Foto: grafik

Extremes Wetter

Das Wort des Jahres ist „Heißzeit“. Es steht symbolisch für den extremen  Sommer als auch für den Klimawandel, der immer mehr ins Bewusstsein rückt. Auch in der Region hat uns das Wetter dieses Jahr beschäftigt: Angefangen mit dem Sturmtief Friederike, das im Januar für Chaos sorgt, bringt besonders das Unwetter im Mai für Heinsberg, Geilenkirchen und die Gemeinde Gangelt verheerende Folgen mit sich.  Schlammlawinen auf der Straße und etliche Feuerwehreinsätze sind die Konsequenz des Unwetters. Der lange, heiße Sommer bleibt ebenfalls nicht unbemerkt: Die Hälfte der Ernte von Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln bleibt aus. Die Dürre setzt auch den Waldstücken im Kreis Heinsberg zu.

Erschütterte Basis

Die Berliner SPD-Krise kommt in diesem Jahr auch an der Basis an. Die Groko-Entscheidung wird für viele Parteimitglieder zur Schicksalsfrage. Besonders in Wassenberg und Wegberg sind die Auswirkungen des bundespolitischen Groko-Bebens deutlich spürbar. In Wassenberg sorgt besonders der Parteiaustritt von Frank Gansweidt im März für Aufsehen. Er war eine prägende Figur der Wassenberger SPD. Als Grund für den Bruch nennt er die erneute Große Koalition in Berlin. Aus der Fraktion gehen auch noch Vorsitzende Sylke Konarski, Bärbel Stangier und Sarah Niethen – alle aus Enttäuschung über die Berliner Groko. In Wegberg gehen 15 SPD-Mitglieder auf einen Schlag. Zwölf von ihnen wechseln dort zur Linken, darunter auch Ortsvereinsvorsitzender Rüdiger Birmann. Eine Linke Ortsgruppe existiert zu diesem Zeitpunkt in Wegberg noch gar nicht. Sie muss erst gegründet werden. Birmann wird ihr 1. Sprecher.

Die Menschen des Jahres aus Heinsberg gibt es hier.

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