Erkelenz: Thema Zukunft und Gerechtigkeit heiß diskutiert im Klimacamp

Erkelenz: Thema Zukunft und Gerechtigkeit heiß diskutiert im Klimacamp

Um das Rheinland der Zukunft sowie globale und lokale Gerechtigkeit ging es bei der Podiumsdiskussion im Klimacamp. Dazu waren nicht nur Klimaaktivisten und Bewohner der bedrohten Ortschaften in das Zirkuszelt am Laheypark gekommen. Auch Mitarbeiter des Bergbaubetreibers RWE beteiligten sich.

Allen voran als Teilnehmer der Podiumsdiskussion stellte sich der Alsdorfer IGBCE-Vorsitzende Manfred Maresch den kritischen Fragen des Publikums. Auch Garzweiler-Betriebsleiter Markus Kosma war gekommen, hielt sich aber bei der Diskussion zurück und suchte lieber das persönliche Gespräch am Rande.

Der Dialog mit den Bergbaubetreibern läuft für die Klimaaktivisten seit zwei Jahren über die Bergbaugewerkschaft. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Klimacamper zur Diskussion in die Erkelenzer Stadthalle eingeladen. Damals, so betonte Diskussionsleiter Christopher Laumanns, habe man auf beiden Seiten einige Gemeinsamkeiten festgestellt, auf die man aufbauen könne.

Diesmal jedoch präsentierte sich Maresch in der Sache weniger gesprächsbereit. Schon auf die Eingangsfrage an alle Teilnehmer, wie sie sich denn das Rheinland in fünf Jahren vorstellten, steckte er sein Terrain ab. Er wünsche sich einen Konsens über die Bedeutung der Braunkohle im Prozess der Energiewende. Dabei gab er „2045 bis 2050“ als realistischen Zeitrahmen für einen geordneten Kohleausstieg an. Darüber hinaus war schnell klar, wo sein Fokus lag. Das Rheinland müsse als Standort für „gute und sichere Industriearbeitsplätze erhalten bleiben“.

Ganz anders sahen dies die anderen Diskussionsteilnehmer. Pauline Essers von der Initiative „AusgeCO2hlt“. Sie sah in fünf Jahren einen geretteten Hambacher Forst, Speicherlösungen „in Bürgerhand“ und die Beendigung des aktiven Tagebaus in Deutschland. Oliver Wagner vom Wuppertaler Institut für Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik wies darauf hin, wie schnell der Strukturwandel voranschreite und nannte erfolgreiche Beispiele aus dem Ruhrgebiet. Eine Ansicht, die vor allem die angereisten RWE-Mitarbeiter eher lustig als kompetent fanden.

Die sichere Arbeit der RWE-Mitarbeiter war bei den Klimaaktivisten durchaus ein Thema, über das ernsthaft und solidarisch diskutiert wurde. Vor der Veranstaltung hatte Johanna Winter vom Presseteam des Klimacamps noch betont, dass mit Blick auf die Arbeitsplätze nicht das Unternehmen RWE, sondern eher die Klimabewegung als Partner der Gewerkschaft zu sehen sei. Strukturwandel, so lautete das Credo der Klimacamper, schaffe mehr Arbeit für qualifizierte Arbeitnehmer.

Die Klimaaktivisten und betroffenen Umsiedler sprachen von Verantwortung, Maresch von Versorgungssicherheit. In der Diskussion um den Strukturwandel seien „Ignoranz und Arroganz gegenüber den Kollegen von RWE“ zu spüren. Einen Kohleausstieg in den nächsten Jahren halte er für unrealistisch. Dem hielten Essers und Wagner entgegen, dass die Verantwortung für die Zukunft der Mitarbeiter vom Unternehmen und nicht von der Gesellschaft getragen werden müsse.

Die starke Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, wie sie im Zirkuszelt demonstriert wurde, sei „ein Rätsel“, betonte Wagner. Ein Zuschauer empfahl Maresch, sich vom Ständedenken als „Bergmann“ zu lösen und sich für den zukünftigen Arbeitsmarkt zu öffnen. Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die Gesprächspartner nicht.

Bei der anschließenden Publikumsdiskussion wies Ralf Bußberg vom Erkelenzer Unternehmen Econ Solarwind darauf hin, dass dezentrale Energieversorgung mehr Arbeit mache und daher auch mehr Arbeitsplätze erzeuge. „Die Arbeit geht uns nicht aus“, betonte er. Einig war man sich letztlich, dass Strukturwandel nicht Strukturbruch bedeuten dürfe.

(hewi)
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