Wegberg: Theaterverein: Hippie-Oma mischt die Amtsstube auf

Wegberg : Theaterverein: Hippie-Oma mischt die Amtsstube auf

Sie haben tief in die Trickkiste gegriffen und hart gearbeitet. Jede einzelne Rolle scheint dem Protagonisten auf den Leib geschrieben, wurde mit reichlich Lokalkolorit eingefärbt und liebevoll überzeichnet. Aber das ist beim Theaterverein Schwalmbühne Harbeck ja nichts Neues.

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind in diesem Jahr in einem ganz besonderen Büro ausgelegt worden: dem Landratsamt Wegberg. „Love and Peace im Landratsamt“, eine Komödie in drei Akten von Andreas Wening geht in den Proben-Endspurt und will in wenigen Wochen das Publikum begeistern.

Auf der Erfolgswelle schwimmt das Ensemble schon lange, auch in diesem Jahr sind die beiden ersten Vorstellungen Ende November bereits jetzt ausverkauft. Und doch sind da die Zweifel, der Ansporn, es noch besser zu machen.

„Am Anfang jeden Stückes stehen wir geschlossen hinter der Bühne und warten bibbernd auf die ersten Lacher, die das Eis brechen“, erzählt Antonius Röttinger, verantwortlich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und in diesem Jahr als Bürgermeister von Harbeck auf der Bühne. Treuergeben ist er dem Landrat und den Verbal-Attacken der verbiesterten Oppositionsführerin (Karin Bonitz) nur bedingt gewachsen.

Da hilft nur, sich ganz fest an seinem schönen Leitz-Ordner mit der Aufschrift „Opa 2008“ festzuhalten. Gut festhalten muss sich auch jeder, der es mit der wortgewandten Sekretärin des Landrats zu tun bekommt. Helga Rögels läuft als Herrin des Vorzimmers zu Hochform auf, sieht alles, hört alles, weiß alles, kommentiert alles. Sehr zur Freude des Schlagzeilenjägers der örtlichen Presse (Roger Honisch), dessen Notizblock förmlich brennt.

Ausgerechnet in Wahlkampfzeiten taucht eine „Jugendsünde“ des Landrates auf, die unkonventionelle, wilde Hippie-Oma (Gaby Braun), die das Landratsamt gehörig durcheinanderwirbelt und eine ausgeflippte Überraschung an die nächste reiht.

Hellseherische Fähigkeiten sind nicht nötig, um vorauszusagen, dass das Ensemble in diesem Jahr hinter der Bühne auf die ersten Lacher nicht lange warten muss.

Kleinigkeiten sind es, die Regisseur Alfred Uschmann Kamps jetzt noch richtet. Viele Wochen harter Probenarbeit nähern sich dem Ende und das Stück „steht“. Schmunzelnd erinnert er sich an die lustigste Szene der Probenabende „als Helga Rögels zur Schildkröte mutierte und mit einem Tisch auf dem Rücken durch die Szene kroch“. Der Spaß innerhalb des Vereins ist also auch nicht zu kurz gekommen.

(mb)
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