Theater in Heinsberg: „Der Seelenbrecher“

Kulturgemeinde Heinsberg : Emotionen und Effekthascherei

Wie schon im letzten Jahr begann das neue Programmjahr der Kulturgemeinde Heinsberg mit einem Kriminalstück des erfolgreichen Romanautors Sebastian Fitzek. Das Ensemble des Berliner Kriminaltheaters gastierte in der Begegnungsstätte am Rathaus mit der Aufführung des Psychothrillers „Der Seelenbrecher“ nach der Regie von Wolfgang Rumpf.

Heinsberg Wie im vergangenen Jahr hatte Fitzek das Thema im Umfeld von psychischen Defekten angelegt. Auch diesmal blieb die Umsetzung des Romaninhaltes in eine Theateraufführung schwierig. Umso mehr war die Leistung des Ensembles mit der Hauptfigur des Caspars (André Zimmermann), seiner heimlichen Gegenspielerin Dr. Sophia Dorn (Kristin Schulze), den robust-prolligen, aber bodenständigen Rettungssanitäter Tom Schadeck (Matti Wien), der Krankenschwester Yasmin Schiller (Teresa Scherhag), den Hausmeister Dirk Bachmann (Wesselin Georgiew) und der Patientin Greta Kaminsky (Katrin Martin) gefordert.

Caspar befindet wegen seiner retrograden Amnesie in einer psychiatrischen Klinik. Er hat die Erinnerungen an seine Vergangenheit verloren. Seine behandelnde Ärztin ist Dr. Sophia Dorn. Die Klinik ist durch einen Wintersturm von der Außenwelt abgeschnitten. Beunruhigende Meldungen, über einen Menschen, der als „Seelenbrecher“ bezeichnet wird und drei Frauen schon innerlich gebrochen hat, verbreiten Unsicherheit und Ängste. Aufgrund eines Schneesturms ereignet sich vor der Klinik ein Verkehrsunfall mit einem Rettungswagen. Dabei wird die Telefonverbindung zerstört und die Verbindung zur Außenwelt unterbunden. Der eingelieferte Verletzte soll in der Klinik notversorgt werden. Soweit die klischeehaften Vorbedingungen für die sich dann entwickelnden Ereignisse innerhalb der Klinik.

Mit der Einlieferung des Unfallopfers, einem Dr. Jonathan Bruck (Gerhard Suppus), der sich selber mit einem Messerstich verletzt und nicht mehr sprechen kann, geschehen seltsame Vorgänge. Der Chef der Klinik, Prof. Dr. Raßfeld (Silvio Hildebrandt), wird das erste Opfer. Bruck wird als der „Seelenbrecher“ verdächtigt, auch weil er flüchtet, zuvor jedoch Dr. Dorn angreift und zeitweise kommunikationsunfähig macht, jedoch wieder zurück in die Klinik kommt. Auch er wird später ein Opfer des wahren „Seelenbrechers“.

In der sich ausbreitenden Panik wechseln die gegenseitigen Verdächtigungen, wer alles unter den noch Lebenden der wahre „Seelenbrecher“ sein könnte. In den nachfolgenden Szenen ist es das Verdienst des Ensembles, die Spannung zu steigern und den roten Faden der Auflösung trotz der Irrungen und Wirrungen (Zettel mit verschlüsselten Botschaften) in der Hand zu halten.

Zur Aufklärung des wahren Täters verhelfen die zurückkommenden Erinnerungen bei Caspar, der sich als Prof. Dr. Niklas Haberland, einem führenden Experten in der Behandlung von Bewusstseinsstörungen und dem Einsatz von Hypnose, herausstellt. Dr. Sophia Dorn ist seine Ex-Frau, die Caspar alias Haberland für den Verlust der gemeinsamen Tochter verantwortlich macht. Auf ihrem Weg, Rache zu nehmen an Caspar, schaltet sie, der wahre „Seelenbrecher“, alle vermeintlich sich schuldig gemachten Personen (drei Frauen) und die ihrer Rache im Weg stehenden Personen wie Dr. Bruck und den Klinikchef aus. Zum Schluss bringt sie ihren Ex-Mann durch eine Spritze und Hypnose in einen Zustand, im eigenen Körper gefangen zu sein, bevor Tom Schadeck sie unschädlich macht.

Die Schauspielleistungen zumindest waren so erfolgreich, dass zwei ältere Zuschauerinnen äußerten: „Heute Nacht können wir nicht schlafen“. Da mögen die Emotionen dann überlagert haben, dass die dramaturgischen Hilfestellungen mehrmals vor Unlogik strotzten und der Fitzek´sche Handlungsstrang oft billige bis unglaubwürdige Effekthascherei enthielt.