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Heinsberg spart Energie: Temperatur wird gesenkt, aber nicht in den Schulen

Heinsberg spart Energie : Temperatur wird gesenkt, aber nicht in den Schulen

Es soll letztlich auch eine Signal- und Vorbildfunktion haben. Die Stadt Heinsberg wird im Zeichen der Energiekrise ihren Energieverbrauch drosseln. Schülerinnen und Schüler müssen aber nicht befürchten, im Winter in den Klassenräumen zu frieren.

Um einen eigenen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung zu leisten und noch sparsamer mit der Ressource Energie in der bevorstehenden Herbst- und Winterzeit umzugehen, habe sich die Stadt Heinsberg zu diversen Energiesparmaßnahmen entschlossen, sagt Bürgermeister Kai Louis. Es solle letztlich auch eine Signal- und Vorbildfunktion haben, dass die Stadt nicht nur an die Bürger appelliert, im Zeichen der Energiekrise ihren Energieverbrauch nach Möglichkeit zu drosseln, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Schülerinnen und Schüler müssten aber nicht befürchten, im Winter in den Klassenräumen zu frieren.

„Die Stadt hat bei ihren Entscheidungen die vom Bund beschlossenen Energieeinsparverordnungen einbezogen, die auch für Kommunen verpflichtende Energieeinsparmaßnahmen beinhalten“, sagt Louis und betont in dem Zusammenhang: „Die Energiekrise geht uns alle an. Wir als Stadtverwaltung möchten hier mit gutem Beispiel voranschreiten und dort, wo es möglich ist, unseren Energieverbrauch senken.“

Heinsbergs Bürgermeister Kai Louis legt gleich einmal selbst Hand an und senkt die Temperatur in seinen Diensträumen.
Heinsbergs Bürgermeister Kai Louis legt gleich einmal selbst Hand an und senkt die Temperatur in seinen Diensträumen. Foto: Rainer Herwartz

Wie dies in der Praxis dann aussieht, schiebt er gleich nach. Im Heinsberger Hallenbad wird die Wassertemperatur im Schwimmerbecken von 28,4 auf 27 Grad abgesenkt und im Nichtschwimmerbecken von 30,8 auf 29 Grad. „Im Rathaus und in den weiteren Verwaltungsgebäuden der Stadt Heinsberg soll die maximale Raumtemperatur auf 19 Grad beschränkt werden.“ Alle Mitarbeiter würden zudem nochmals sensibilisiert, auf Energieverbrauch zu achten und Energie möglichst einzusparen. Dazu zähle auch, den Stand-by-Betrieb von Geräten – soweit möglich – zu reduzieren. Beispielsweise sollen die Stand-by-Zeiten der Rechner nochmals verkürzt werden und bei Nichtnutzung schneller in den Energiesparmodus gewechselt werden.

Wer es bislang genossen hat, den Selfkantdom in den dunklen Stunden des Tages romantisch leuchten zu sehen, muss sich von diesem Anblick auf nicht absehbare Zeit verabschieden. Denn öffentliche Gebäude wie auch das Begas-Haus werden nicht mehr aus optischen Gründen angestrahlt. Bodenlampen und Strahler, die nicht sicherheitsrelevant sind, wurden bereits abgeschaltet. Ebenso wie die Lichtbänke am Lago Laprello. In städtischen Schulen und Kindertagesstätten soll die Raumtemperatur jedoch unverändert bleiben, was Eltern und Kinder beruhigen dürfte.

Sofern nicht schon geschehen, soll die Beleuchtung an den Sportplätzen auf LED-Technik umgerüstet werden, erklärt der Bürgermeister.

Einen Wermutstropfen vor allem für die jüngeren Heinsberger und Besucher der Kreisstadt wird es allerdings geben. „Bei den Planungen zum Weihnachts- und Wintermarkt sowie Heinsberg on Ice wurde schweren Herzens die Entscheidung getroffen, in diesem Jahr auf die Eislaufbahn zu verzichten“, sagt Louis. Mit einem Verbrauch von rund 20.000 kWh Strom könne man den Betrieb in diesem Jahr nicht verantworten und müsse dem Gebot der Energieeinsparung Vorrang einräumen. Zum besseren Verständnis zieht er einen Vergleich. „Bei einem Einfamilienhaus reden wir von etwa 2300 bis 2500 kWh im Jahr, das entspräche also dem Verbrauch von sieben bis acht Einfamilienhäusern.“ Als Ausgleich sollen dafür im kommenden Jahr wieder ein besonderes Event oder eine besondere Attraktion für Kinder und Jugendliche angeboten werden. „Wir wollen ja nicht in erster Linie das Geld, sondern die Energie einsparen.“

Auf die Weihnachtsbeleuchtung werde allerdings nicht verzichtet, um so zumindest ein wenig weihnachtliche Stimmung in die City zu zaubern. Diese wurde bereits auf LED umgestellt und sei daher besonders sparsam im Stromverbrauch. „Um jedoch nochmals Energie einzusparen, wird die Beleuchtungszeit reduziert.“

In Zukunft plant die Stadt noch weitere Maßnahmen. Hierzu zählt die energetische Heizungsanlagenoptimierung. Zudem wird eine Machbarkeitsstudie zur Installation weiterer Photovoltaik-Anlagen für städtische Objekte erstellt. In Planung ist auch eine Vergrößerung der PV-Anlage (von10 kWp auf 25 kWp) auf dem Dach der Kita Kempen. Außerdem wurden in der Vergangenheit weitere PV-Anlagen durch die Stadtwerke Heinsberg GmbH an der Grundschule Dremmen, der Grundschule Karken, der Grundschule Straeten, der Realschule Heinsberg, der Kindertagesstätte Buschheide, der Kindertagesstätte Karken, der Kindertagesstätte Lieck und dem Hallenbad Heinsberg umgesetzt.

„Die Stadt kann schon auf eine Vielzahl durchgeführter Energieeinsparmaßnahmen zurückblicken“, meint Louis. Bereits seit Jahren habe das Thema „Energiesparen“ für die Stadt eine hohe Priorität. „Die täglichen Meldungen über eine nicht auszuschließende Gefährdung der Energieversorgung zeigen, dass alle angestrebten Maßnahmen in diesem Bereich zur Unterstützung des Klimaschutzes und der Kostenreduzierung notwendig waren“, fühlt sich Louis bestätigt. Sämtliche Baumaßnahmen der Stadt würden grundsätzlich auf Energiesparpotentiale überprüft und diese im Anschluss berücksichtigt. „So wurde in den vergangenen zehn Jahren an insgesamt 23 städtischen Gebäuden die Innenbeleuchtung durch hocheffiziente LED-Beleuchtungen ersetzt. Dies betrifft nicht nur das Rathaus, sondern zum Beispiel Schulen, Sporthallen und Kindertagesstätten.“ Der erfolgte Austausch durch LED-Technik im Bereich der Straßenbeleuchtung sowie der Signal- und Flutlichtanlagen trage ebenfalls wesentlich zur Energieeinsparung bei. Bereits umgesetzt wurde auch der Einsatz von Blockheizkraftwerken im Hallenbad Heinsberg und im Kreissparkassengebäude Heinsberg (zur Wärmeversorgung im Rathaus) sowie der Einsatz einer Brennstoffzelle in der Feuerwache Heinsberg. „Aktuell befindet sich ein neuer zentraler Serverraum in Planung, dessen Kühltechnik durch oberflächennahe Geothermie optimiert werden soll“, sagt Louis.

Die städtischen Beschäftigten können übrigens ihren ganz persönlichen Energieverbrauch zugunsten der allgemeinen Energiesenkung erhöhen. Denn wer möchte, kann ein Jobrad-Leasingangebot nutzen als Alternative zum Auto.