Heinsberg-Aphoven: Tausende Igel vor dem sicheren Tod gerettet

Heinsberg-Aphoven: Tausende Igel vor dem sicheren Tod gerettet

Nicht viele Menschen können von sich behaupten, dass sie tausenden Tieren das Leben gerettet haben. Aber bei ihm ist dies keine Übertreibung. Der 71-jährige Wilfried Overhoff ist die gute Seele der Heinsberger Igelstation in Aphoven. Doch jetzt, nach 14 Jahren, sieht die Igelstation ihrem Ende entgegen.

Aus Altersgründen wird Overhoff die Pforten der Auffangstation für immer schließen.

„Wir sind hier aus Grevenbroich hingezogen, um unser Rentnerdasein zu genießen“, erzählt der Senior von den Anfängen der Igelstation. „Wir suchten einen kleinen Bauernhof oder ein Haus, wo wir unsere Hunde und Katzen halten konnten.“ Und in der Talstraße Nummer 77 fanden er und seine Frau genau das, was sie sich vorgestellt hatten. Einen kleinen Bauernhof zur Miete. „Eine unserer Katzen musste einmal im Monat zum Tierarzt, weil sie eine Immunschwäche hatte. Da kam meine Frau auf die Idee, wenn der Tierarzt mal einen Igel habe, der versorgt werden müsse, könnten wir das doch machen. Räume gebe es ja schließlich jetzt genug.“

Doch was daraus erwachsen würde, hätten die Overhoffs sich zum damaligen Zeitpunkt wohl selbst nicht träumen lassen. Am 1\. Oktober vor 14 Jahren zogen sie in ihr neues Heim und im November folgten schon die ersten verletzten Igel. „Die wurden aufgepäppelt. Anfang April kamen dann auch die ersten Babys.“ In der Spitze betreute Overhoff in den letzten Jahren bis zu 100 Igel gleichzeitig in seinem Bauernhof. Mindestens 300 pro Jahr, oft auch Babys. Alleine in diesem Jahr waren es noch 48 Jungtiere.

28 putzige Igel sind derzeit noch in der Igelstation untergebracht. 24 von ihnen könnten sofort wieder ausgewildert werden, sagt Overhoff. Eine Mutter mit ihren drei Babys müsste allerdings noch eine Weile bleiben. „Ob sie aber über Winter bei uns bleiben können, weiß ich noch nicht.“ Der Bauernhof, in dem Overhoff und seine Frau mit ihren Tieren zur Miete wohnen, soll verkauft werden.

Und was geschieht, wenn der Igelfreund keine Menschen findet, die bereit sind, einen der stacheligen Vierbeiner in ihrem Garten aufzunehmen? „Wenn sie keiner will, müssen die Tiere an verschiedenen Orten ausgesetzt werden, was allerdings nicht optimal wäre, weil sie aufgrund der Wetterverhältnisse nicht genug Nahrung finden. Die Gefahr besteht, dass die Tiere dann auch am helllichten Tag herumlaufen und auf der Straße überfahren werden. Für Gartenbesitzer hingegen wären sie ideale Helfer, um Schnecken und Mäuse zu dezimieren. Sie müssen lediglich mit einer kleinen Handvoll Katzenfutter am Tag unterstützt und an das neue Terrain gewöhnt werden.“

Grundsätzlich, so erklärt Overhoff, seien Igel ja nachtaktive Tiere, die bis zu sechs Kilometer pro Nacht für Futter oder einen Sexualpartner zurücklegten. Wenn man sie tagsüber entdecke, seien sie meist krank oder der Hunger treibe sie um. Wer den Tieren dann helfen wolle, sollte sie laut Overhoff in einen großen Karton setzen und in dem Karton ein Schälchen mit Wasser und reichlich Katzenfutter anbieten, den Karton dann gut verschließen, wenn nötig, einige Luftlöcher hineinmachen und ihn in einen geschützten Raum stellen.

Overhoff denkt dabei an eine Garage, den Keller oder ein Gartenhaus. Wichtig sei in diesem Zusammenhang der Hinweis, wenn jemand ein Nest mit Mutter und Babys entdecke, reiche es nicht, das Nest wieder abzudecken, weil die Mutter dennoch die Kleinen aus Angst verlassen und sich selbst überlassen würde.

Damit ein Igel den Winter im Winterschlaf gut überstehen kann, benötigt er laut Overhoff ein Körpergewicht von 500 bis 550 Gramm. „Dann kommt er auch draußen gut zurecht. Der Igel ernährt sich so bis zum Frühjahr quasi von der Hälfte seines Körpergewichts im Winterschlaf.“

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