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Taucherprozess: Bewährungsstrafe wird zur Geldstrafe

Tödliches Taucherunglück im Lago Laprello : Bewährungsstrafe im Taucherprozess wird zur Geldstrafe

Der sogenannte Taucherprozess, bei dem es um einen Tauchunfall mit Todesfolge im Lago Laprello in Heinsberg aus dem Jahr 2013 ging, ist nun endgültig vor dem Landgericht Aachen zu Ende gegangen.

Das Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen hatte den angeklagten Tauchlehrer im März 2018 der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und ihn zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten jedoch gegen das Urteil Berufung eingelegt. In der Berufungsverhandlung hatte das Landgericht nun lediglich das Strafmaß neu zu beurteilen, da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung die Berufung auf die Rechtsfolge beschränkt hätten, wie der Pressesprecher des Landgerichts Aachen, Dr. Daniel Kurth, auf Nachfrage erläutert.

„Auf die Rechtsfolge beschränkt“ heißt, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erkennen zwar die „Fahrlässige Tötung“ im Urteil des Schöffengerichts Geilenkirchen an, wollen das Strafmaß aber neu beurteilt sehen.

Dies tat das Landgericht auch, und zwar deutlich. Statt der vom Geilenkirchener Schöffengericht verhängten Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verhängte das Landgericht lediglich eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 80 Euro. Das Urteil, das bereits im Dezember gefällt wurde, wurde von beiden Parteien akzeptiert und ist mittlerweile rechtskräftig.

Noch offen ist der Ausgang eines Zivilverfahrens, das wohl nicht so schnell über die gerichtliche Bühne gehen wird, immerhin steht eine Summe von 1,5 Millionen Euro für Krankenkasse und Hinterbliebene im Raum und die Frage ist, wer die zahlen muss.

Der Angeklagte, ein ehrenamtlicher Tauchlehrer des TuS Oberbruch, hatte während des gesamten Prozessverlaufs vor dem Schöffengericht Geilenkirchen geschwiegen. So hatte das Schöffengericht auch nicht die Möglichkeit gehabt, ein mögliches Geständnis des Angeklagten als Strafmilderungsgrund zu werten. Die damals 17-jährige verunglückte Tauchpartnerin des Angeklagten war im September 2016 an den Folgen des Unfalls verstorben.

Ihr Vater war als Nebenkläger im Prozess aufgetreten. Immer wieder war es schon im Amtsgericht Geilenkirchen zu sehr emotionalen Momenten gekommen. Auch im Landgericht Aachen soll es diese gegeben haben. So sollen sich der Vater der Verstorbenen und der Angeklagte mit Tränen in den Augen in den Armen gelegen haben.

Strafmildernd erkannte das Landgericht Aachen an, dass der Angeklagte die „fahrlässige Tötung“ akzeptierte, ein Gespräch mit dem Vater der Verunglückten suchte und die Tat als Unterlassungsdelikt einzustufen sei, es sich also letztlich um einen Unfall gehandelt habe.

Bis zu 90 Tagessätzen gilt ein Angeklagter als nicht vorbestraft. Nachvollziehbar wäre, dass der Angeklagte das Urteil akzeptierte, um nicht noch einmal das Verfahrensprozedere durchstehen zu müssen, dass an den Nerven aller Beteiligten, vor allem des Vaters, gezerrt hatte.

Das Urteil des Landgerichts ist nicht richtungsweisend für das Zivilverfahren. Hier wird das Geschehen neu aufgerollt, mit Sachverständigen und Zeugen. Auch die Verantwortung des TuS Oberbruch wird erneut zur Sprache kommen. Viele Taucher werden sicherlich nach dem Urteil mit gemischten Gefühlen ins Wasser gehen.