Tagebau Garzweiler: Tausende zu Kundgebung in Keyenberg erwartet

Demonstration gegen den Tagebau Garzweiler : Tausende zu Kundgebung in Keyenberg erwartet

„Fridays for Future“ und „Alle Dörfer bleiben“ wollen am Samstag am Tagebau Garzweiler demonstrieren und rufen zu einer großen Kundgebung in Keyenberg auf. Das Bündnis „Ende Gelände“ plant dagegen Blockade-Aktionen.

Sie sei eben ein „Dorfkind“, sagt Britta Kox. Sie könne sich nicht vorstellen, in einer Stadt zu leben, in einem Neubaugebiet oder in dem Ort, in den die Bewohner der fünf Dörfer, die noch vom Tagebau bedroht sind, umsiedeln sollen. Der neue Ort ist für sie eine Mischung aus beidem, aus Neubaugebiet und Stadt. „Das ist mir viel zu eng“, sagt Britta Kox, 47 Jahre, aus Berverath.

Am liebsten wäre ihr, wenn sie sich diese Frage, wo sie einmal neu anfangen soll, gar nicht stellen müsste. Aber sie lebt schon lange mit dieser Frage. Sie ist in Immerath, von dem kaum noch etwas steht, geboren. Vor vier Jahren hat sie das Haus ihrer Eltern in Berverath, das 2028 umgesiedelt sein soll, übernommen. Und gegen diese Umsiedlung wehrt sie sich im Bündnis „Alle Dörfer bleiben“.

Am Samstag streiten sie mit einigen weiteren Gruppen für den Erhalt der Dörfer und den Stopp des Tagebaus. Dabei haben die Gruppen sehr unterschiedliche Hintergründe. „Fridays for Future“ will in erster Linie Schüler und Studenten zu einer Demonstration mobilisieren. „Ende Gelände“ setzt auf „zivilen Ungehorsam“, um ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Die Polizei spricht dabei hingegen von Straftaten, wenn die Aktivisten beispielsweise in den Tagebau eindringen. Zusätzlich soll es eine große Kundgebung und eine „Gelbe Linie“ bei der Aktion „Platz nehmen“ geben, bei der sich Demonstranten symbolisch zwischen Tagebau und Dörfer stellen wollen.

Britta Kox lebt im bedrohten Berverath, am Samstag will sie mit Tausenden gegen die Kohle demonstrieren. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Gelb, das sei die Farbe des Kampfes gegen den Tagebau geworden, sagt Kox. In den Dörfern am Tagebaurand stehen an vielen Stellen gelbe Kreuze. Sie sollen ein Sinnbild dafür sein, dass es Dorfbewohner gibt, die bleiben wollen. Die Aktion am Samstag scheint an die „Rote Linie“ am Hambacher Forst angelehnt zu sein, wo ebenfalls Tausende eine Kette bildeten, um sich symbolisch vor den Wald zu stellen.

Und es ist eben auch eine Parallele zu den Protesten am Hambacher Forst, dass sich vor diesem Wochenende nur sehr schwer sagen lässt, ob bürgerlicher und radikaler Widerstand nebeneinander existieren oder doch enger verstrickt sind. Besteht etwa die Gefahr, dass sich minderjährige Schüler unbedarft den „Ende Gelände“-Protesten anschließen und im Polizeigewahrsam landen? Vieles wird vom strategischen Vorgehen der einzelnen Protestgruppen abhängen.

Das Bündnis „Ende Gelände“ plant Blockade-Aktionen, um ein Zeichen gegen die Braunkohle zu setzen. Für die Aachener Polizei könnte es der größte Einsatz des Jahres werden. Zusammenstöße von Demonstranten und Polizei (Foto aus dem Jahr 2017) sind dabei zu befürchten. Foto: ZVA/Daniel Gerhards

Britta Kox freut sich jedenfalls, wenn wieder Tausende gegen den Tagebau Garzweiler demonstrieren. Wie viele es genau werden, ist schwer zu schätzen. „Ich bin in Immerath geboren und kämpfe schon sehr lange gegen den Tagebau Garzweiler und RWE. Für mich bedeutet es viel, an diesem Wochenende gemeinsam mit Tausenden Menschen für den Erhalt unserer Dörfer, Wälder und Äcker sowie für Klimagerechtigkeit zu kämpfen“, sagt Kox.

Und sie findet, dass „Fridays for Future“, „Ende Gelände“, „Alle Dörfer bleiben“, Greenpeace und die Naturfreunde durchaus unter einen Hut passen: Jeder habe das Recht, zu demonstrieren. „Alle Dörfer bleiben“ erkläre sich solidarisch mit „Ende Gelände“, denn beide richteten sich gegen den Tagebau. „Wir machen das aber nicht mit zivilem Ungehorsam. Jeder so, wie er es für richtig hält“, sagt Kox.

In den bedrohten Dörfern Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath haben Kox und ihr Bündnis aber nicht nur Unterstützer. Viele wollen weg von dort. Oder sind es bereits. Zu wenig lebenswert ist ihre Heimat durch die heranrückenden Kohlebagger geworden. „Ich bin niemandem böse, wenn er geht“, sagt Kox. Aber sie findet es in ihrer Heimat noch so schön und „gemütlich“, dass sie sich ein Leben ohne die Dörfer gar nicht vorstellen will.

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