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Hückelhoven-Doveren: Syrer pflanzen sich ein Stück Heimat

Hückelhoven-Doveren : Syrer pflanzen sich ein Stück Heimat

Vor zweieinhalb Jahren ist Naeim Hazzaa mit seiner Frau Nawal Alturki und den drei gemeinsamen Kindern Omar, Aussawa sowie Nesthäkchen Massa vor den Bomben von Assad oder den Streitkräften Putins oder den Schlächtern des IS oder den Truppen Erdogans oder wer sonst noch in dem brutalen Krieg in ihrem Heimatland Syrien mitmischt geflohen.

Von Damaskus aus sind sie schließlich nach Hückelhoven gekommen — und in Doveren haben sie jetzt im wahrsten Sinne des Wortes Wurzeln geschlagen. Denn dort bearbeitet die Familie aus dem Vorderen Orient am Mölleberg einen Garten, in dem sie in diesen Tagen die ersten Früchte ernten konnten. Das Stück Land hat ihnen der alteingesessene Doverener Landwirt Josef Leonards zur Verfügung gestellt.

Bischhof von Idee begeistert

„Na ja, eigentlich hat der Herr Leonards einen Teil seines Nutzgartens nicht der Familie aus Syrien direkt, sondern uns vom Katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg überlassen“, sagt Vera Goertz-Klumpen. Sie ist als Pädagogische Mitarbeiterin des Katholischen Forums seit Ende April für die Bewirtschaftung des Gartenstückes am Rande von Doveren verantwortlich und hat in Naeim Hazzaa, seiner Frau Nawal Alturki und deren Kindern, die im Wohnheim an der Rheinstraße in Hückelhoven nach ihrer Flucht eine Bleibe gefunden haben, begeisterte Mitgärtner gefunden.

„Ich habe den Garten eigentlich immer mit anderen geteilt“, sagt Josef Leonards. Seine Tochter Christiane Leonards-Schippers, die seit vielen Jahren in der CDU politisch aktiv ist, habe ihn auf die Idee gebracht, den Garten zusammen mit geflüchteten Menschen zu bearbeiten. „Eine schönere Möglichkeit für Flüchtlinge, in ihrem neuen Heimatland Wurzeln zu schlagen, gibt es doch gar nicht “, sagt Leonards.

Der inzwischen pensionierte Landwirt lächelt dabei so, dass einem unwillkürlich das schöne Wort ,Bauernschläue‘ in den Sinn kommt. „Wenn die Familie aus Syrien das Stück Land bearbeitet, brauche ich es ja auch nicht zu mähen“, sagt er, als man seinem Blick nicht ausweicht.

„Unser Bischof“, sagt Franz-Josef Unland, Leiter des Katholischen Forums für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg, „war sofort von der Idee angetan, als wir mit ihm das Projekt besprochen haben“. Aus Kirchensteuermitteln wurden Werkzeuge, die man für die Gartenarbeit braucht, ebenso angeschafft wie Saatgut oder Gießkannen — wobei man natürlich nicht befürchten muss, dass dadurch ein auch nur kleines Löchlein in den Etat des Bistums Aachen gerissen wurde. „Aber die Idee, nicht immer nur Sprachkurse und Ähnliches anzubieten, sondern Integration einmal mit ganz Praktischem zu betreiben und dabei auch noch zum Bewahren der Schöpfung beizutragen, das ist schon faszinierend“, sagt Vera Goertz-Klumpen.

Seit Ende April arbeitet die syrische Flüchtlingsfamilie sehr regelmäßig, sehr pflichtbewusst und verantwortungsvoll mit und es „macht viel Spaß“ , wie die neun Jahre alte Tochter Massa sich ausdrückt, in dem Garten auf dem Grundstück von Landwirt Leonards. An manchen Tagen kommen sie mit dem Bus aus Hückelhoven nach Doveren, an anderen Tagen gehen sie auch zu Fuß von der Rheinstraße aus an den Mölleberg. „Kommt auf das Wetter an“, sagt Mutter Nawal Alturki in sehr gutem Deutsch. Sie und ihr Mann Naeim haben in Damaskus als Lehrer gearbeitet und freuen sich sichtlich, dass die Arbeit, die sie jetzt in ihrer neuen Heimat machen dürfen, im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt. Früchte, die sie jetzt ernten und auch noch weitergeben können: Aus den Zucchini, den Möhren, Erbsen oder den Bohnen, die sie schon geerntet haben, werden leckere Mahlzeiten zubereitet.

„Die zwischenmenschlichen Kontakte, die hier geknüpft werden, beschränken sich nicht nur auf die Familie des Gartenbesitzers“, betont Vera Goertz-Klumpen. Freunde der syrischen Familie dürfen bei der Arbeit mit der Hacke und dem Spaten helfen. Der, wenn man so will, „interkulturelle“ Garten wird so auch zu einer Begegnungsstätte. Für die Vorstellung „ihres“ Gartenprojektes haben sie mit Schokolade gefüllte Plätzchen gebacken, sie haben Tee aufgesetzt und haben Blätter des Weinstockes an Bauer Leonards Gutshaus gegenüber vom Grundstück mit dem Garten mit Reis gefüllt und zu Weinrouladen gerollt — lecker! Man sieht Nawal Alturki und ihrer Familie an, dass sie stolz ist, etwas von dem, was man ihnen hier gegeben hat, zurückgeben zu können: Sie strahlen.