Heinsberg-Karken: Sternsinger: Gemeinsam gegen Kinderarbeit

Heinsberg-Karken : Sternsinger: Gemeinsam gegen Kinderarbeit

„Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand.“ So klingt es seit Freitag in Karken, wo derzeit die Sternsinger wieder unterwegs sind — wie überall in der Region.

Als erste startete die Gruppe von Erika Vankann und Olga Tümmers im Severinsweg. Vor mehreren Jahren schon haben sich die beiden Frauen zusammengetan, besuchen anlässlich des Dreikönigstags mit den Kindern aus der Straße ihre Nachbarn und bringen den Segen für das neue Jahr.

„Es ist schön, für die Armen zu sammeln“, sagt Annika Vankann (9), „und es ist schön, wenn das Geld dann an sie weitergegeben wird“, ergänzt ihre Freundin Antonia Tümmers (10). Die beiden Mädchen sind zur Stelle, aber es fehlt ihnen heute der dritte König. „Ich habe noch einen grünen Umhang hier und auch noch eine Krone“, erklärt Mutter Olga kurzerhand, und so können sich die Könige vom Severinsweg doch noch zu dritt in Begleitung von Erika Vankann auf den Weg machen.

Erstes Ziel ist der städtische Kindergarten, wo die beiden kleinen und die dritte, große Weise aus dem Morgenland natürlich überaus herzlich empfangen werden. „Dass die hier eintreten!“, staunt einer der kleinen Gastgeber in der Mäusegruppe. Nachdem die drei Könige ihr Lied gesungen haben, befördern die Kleinen ganz vorsichtig ihre Münzen in die Spendendose und beschenken die Sternsinger mit Süßigkeiten. Olga Tümmers erklärt ihnen, wofür ihr Geld jetzt verwendet wird. Einen Aufkleber mit dem Segenszeichen wählen die Erzieherinnen noch anstelle der Kreideschrift und dann geht‘s schon weiter ins nächste Haus.

Verantwortlich für die Sternsinger-Aktion in Karken ist seit mehr als 40 Jahren der Arbeitskreis Dritte Welt. Anders als in städtischen Bereichen, gab es hier noch nie ein Problem, genügend Kinder, Jugendliche und erwachsene Betreuer für die Aktion zu gewinnen. 20 Gruppen sind auch in diesem Jahr in Karken wieder unterwegs, rund 130 Kinder und 40 Begleiter. Nachwuchsprobleme kennt die Aktion nicht, wohl auch, weil Sonja Rongen vor den Weihnachtsferien regelmäßig in die Grundschule geht und den Kindern in allen Klassen von der Aktion erzählt.

„Um was für die Armen zu sammeln“, kann ihr ein Junge in der ersten Reihe dann auch spontan antworten, als sie beim Vorbereitungstreffen im Pfarrheim fragt, wozu die Aktion denn eigentlich dient. In Karken sammeln die Sternsinger sogar für ein ganz konkretes Projekt, das sie beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) als Träger der Aktion angemeldet haben.

Seit mehr als zehn Jahren unterstützt der Arbeitskreis Dritte Welt das Kinderheim St. Loreto in der Stadt Mbinga im afrikanischen Tansania, das auf Initiative des deutschen Ordens der Barmherzigen Schwestern gegründet wurde. Die 67 hier lebenden, meist behinderten Kinder besuchen die Schule und werden auch medizinisch betreut. Ein Teil von ihnen wohnt im Internat. „Mit unseren Spendengeldern tragen wir dazu bei, dass die behinderten Kinder neben einer guten Schulbildung bei Bedarf auch eine Therapie erhalten, die dazu beiträgt, dass sie ihr Leben besser bewältigen können“, erklärt Maria Houben, die Vorsitzende des Arbeitskreises. Zudem würden die Eltern hier erfahren, dass behinderte Kinder ein gleiches Recht auf Bildung hätten wie nicht behinderte Kinder.

Wie in Karken haben sich im vergangenen Jahr im Bistum Aachen mehr als 300 Pfarreien an der Aktion beteiligt und über 1,5 Millionen Euro gesammelt. „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit — in Indien und weltweit!“ lautet der Leitsatz bei der 60. Aktion. Beispielhaft stellen die Träger in diesem Jahr das Land Indien in den Mittelpunkt, das nach ihren Erkenntnissen das Land mit den meisten arbeitenden Kindern weltweit ist. Die Spendengelder gehen aber in die ganze Welt. Bei der Aktion 2016 waren es 1639 Projekte in 107 Ländern, die mit den Erlösen aus der Aktion unterstützt wurden.

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