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Stele erinnert an deportierte Heinsberger Juden

Gedenkstätte am Krankenhaus Heinsberg : Stele erinnert an deportierte Juden

Genau 80 Jahre nach der Pogromnacht wird es ab Freitag, 9. November, in der Innenstadt einen weiteren Ort des Gedenkens geben.

An der Straße Am Brand wird auf dem Gelände des Krankenhauses eine Stele enthüllt zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger, die in der „Manasses Lues“ genannten Lohgerberei vor ihrem Abtransport in Konzentrationslager zusammengetrieben worden waren. In die Vorderseite der neuen Stele eingelassen ist ein Text mit dem Wortlaut: „Manasses Lues”.

Im Jahr 1942 wurden an dieser Stelle in Heinsberg und Umgebung lebende jüdische Mitbürger in einer alten, verkommenen Gerberei unter unsäglich qualvollen Bedingungen zusammengepfercht. Sie haben gelitten, gefroren und gehungert. Der Ausgang war ihnen lediglich in der Zeit von 14 Uhr bis 16 Uhr gestattet. Am Sonntag, dem 22. März 1942, wurden sie frühmorgens vom Bahnhof Heinsberg aus zunächst in ein Lager bei Eschweiler und irgendwann, der Zeitpunkt ist nicht bekannt, in die Vernichtungslager gebracht. Hier verliert sich ihre Spur. Sie haben kein Todesdatum und kein Grab. „Manasses Lues” bedeutet: Lohgerberei der Familie Manasses. Die Lohgerbung ist eine Form der Gerbung von Leder mit Tanninen.“

Die Initiative zu der Stele hatte der Erste Beigeordnete der Stadt, Jakob Gerards, ergriffen. Er hat auch den Text zusammengestellt. Rund 30 Heinsberger Juden hätten dort ihre letzten Tage in ihrer Heimat verbracht, weiß er von einer Deportationsliste aus dem Melderegister der Stadt.

Eigentlich sei zunächst geplant gewesen, auf dem Gehweg am Krankenhausgelände eine Stolperschwelle zu verlegen, erklärt Gerards. Die jetzt gewählte Form der Stele sei jedoch „eine wertigere Form“ des Gedenkens. „Hier werden die Menschen jetzt animiert, innezuhalten und zu lesen, was hier passiert ist.“

Umgesetzt hat er sein Projekt  mit Heinz-Gerd Schröders, Geschäftsführer des Krankenhauses und dem Bauunternehmer Ludwig Florack, der die Realisierung der Stele übernahm. Nach dem Gedenken an der Stele wird auch am Platz der ehemaligen Synagoge an der Hochstraße und auf dem jüdischen Friedhof der jüdischen Mitbürgern gedacht. Anschließend ist eine Gedenkfeier in St. Gangolf.

(anna)