Hückelhoven: Stahl-Skulptur von Gert Jäger auf dem Kreisverkehr am Landabsatz

Hückelhoven: Stahl-Skulptur von Gert Jäger auf dem Kreisverkehr am Landabsatz

Nein, so etwas wie im Ruhrgebiet wird in Hückelhoven mit Sicherheit nicht passieren. Dort nämlich habe, sagte Dr. Christine Vogt, ein Bürgermeister im Wahlkampf versprochen: „Wenn ich gewählt werde, wird das Kunstwerk von diesem Kreisverkehr entfernt.“ Die Direktorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen erinnerte an diese Episode, als sie die fachkundigen Worte zur Aufstellung der Skulptur „Gestern—Heute — Morgen“ von Gert Jäger am großen Kreisel der Zufahrtsstraße zum Hückelhoven Center sprach.

Sie konnte das Zitat gefahrlos verwenden, denn zum einen wird in Hückelhoven erst in zwei Jahren ein neuer Bürgermeister gewählt, und zum anderen würde ein Bürgermeisterkandidat in Hückelhoven mit einer solchen Aussage zu dem Kunstwerk im Kreisverkehr gegenüber dem Obi-Parkplatz in Hückelhoven keine müde Stimme gewinnen. Denn Gert Jägers Skulptur, die er im Untertitel „Die Konstante ist die Veränderung“ nennt und die aus drei jeweils 4,3 Tonnen schweren, gebogenen und miteinander verbolzten und verschraubten Stahlplatten besteht und die trotz ihrer massiven Schwere eine fast spielerische Leichtigkeit suggeriert, fand bei den vielen Gästen, die zur offiziellen Übergabe des Kunstwerkes an die Öffentlichkeit gekommen waren, allgemeine, fast schon begeisterte Zustimmung.

Auch Hückelhovens amtierender Bürgermeister Bernd Jansen wird im nächsten Wahlkampf um das Amt nichts anderes sagen als das, was er beim musikalisch von dem Jazzorchester Muckefuck begleiteten Festakt jetzt auch sagte: „Vielen Dank, lieber Gert, für deine Visionen und Ideen hier in Hückelhoven.“ Es sei wichtig, so der Bürgermeister, 20 Jahre nach Schließung des Steinkohlebergwerkes Sophia-Jacoba den vollzogenen „Wandel von der Kohle zum Handel“ auch im öffentlichen Raum sichtbar werden zu lassen.

Deshalb habe der Rat beschlossen, auf den vier Kreisverkehren, die die Straße Am Landabsatz bildet, in den nächsten vier Jahren Kunstwerke zu platzieren. 200.000 Euro hat die Stadt dafür auf sieben Jahre verteilt locker gemacht; eine fachkundige Kommission hat in zwei langen Sitzungen die Auswahl getroffen, der der Kulturausschuss und der Rat schließlich zustimmten. Gert Jägers tonnenschwere gleichwohl fast schwebend wirkende Skulptur ist die erste, die auf einer dieser vier Verkehrsinseln realisiert wurde.

Nahezu ideal

Dr. Christine Vogt wies auf die „Allansichtigkeit“ der Plastik hin: „Jäger denkt mit und im Raum: Die Plastik ist von allen Seiten beguckbar.“ Für einen Kreisverkehr also nahezu ideal. Vogt wies noch auf einen anderen Aspekt des Kunstwerkes hin: „Die Skulptur ist nicht laut und schreiend wie die Werbung drumherum. Sondern sie wirkt auf den Betrachter gerade durch ihre ausgeprägte Zurückhaltung und schlichte Klarheit.“

Das wird durch das Material, das der Bildhauer Gert Jäger ganz bewusst verwendet hat, unterstrichen: Mit einem Stapel aus drei schweren Stahlplatten wird das Thema „Wandel von der Kohle zum Handel“ auf seinen Kern „eingekocht“ — nämlich den Wandel.

„Stahlerzeugung bedarf zwingend der Kohle“, so Jäger, „und im Gegenzug braucht die Kohlegewinnung Stahlerzeugnisse in Form von schwerem Gerät und Verbaumaterial, um den Betrieb über- und vor allem untertage zu gewährleisten“, sagt der Künstler und verweist damit direkt auf den Namen, den er seinem Werk gegeben hat: „Gestern-heute-morgen“. Die drei Zeitebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft also werden durch die drei schweren Stahlplatten miteinander verbunden, verschmelzen beinahe, tragen sich scheinbar streichelnd gegenseitig. „Die Vergangenheit wird nicht von der Zukunft abgelöst oder gar überrollt, sondern die Gegenwart selbst unterliegt einer stetigen Metamorphose“, erläutert Jäger seine dem Kunstwerk zugrunde liegende Idee.

Das freilich war nicht jedem der sehr zahlreichen Gäste bei der offiziellen Übergabe des Kunstwerkes am eigens dafür für den Verkehr gesperrten Hantel-Kreisverkehres klar: „Die drei Stahlplatten stehen für die drei Sohlen im Bergwerk Sophia-Jacoba“, gab sich Dieter Geitner überzeugt. Da freilich irrt der stellvertretende Bürgermeister der einstigen Zechenstadt Hückelhoven gewaltig: Das Bergwerk SJ hatte vier Sohlen: Je eine auf 180, 240, 360 und 600 Metern Tiefe. Aber egal — von Gert Jägers Kunstwerk ist auch Dieter Geitner schwer beeindruckt: „Das hat was.“

Der Künstler selbst reagierte auf die unisono positive Resonanz auf das, was er geschaffen hat, in seiner zurückgenommenen Art fast euphorisch: „Ich bin superzufrieden.“