Heinsberg-Kirchhoven: Stadtwerke wollen nicht erneut Kosten und Risiken für Bürgerbad tragen

Heinsberg-Kirchhoven : Stadtwerke wollen nicht erneut Kosten und Risiken für Bürgerbad tragen

Das Sicherungsseil, an dem die Zukunft des Bürgerbades in Kirchhoven hängt, ist möglicherweise nur ein seidener Faden. Mittlerweile liegt unserer Redaktion nach dem Konzept der Bürgerbadbetreiber auch die Stellungnahme der Stadtwerke Heinsberg hierzu vor. In entscheidenden Punkten sieht es ganz danach aus, als dürfte es schwierig werden, zu einem tragbaren Kompromiss zu kommen, der die Fortführung des Freibades gewährleistet.

Die Bürgerbadbetreiber hoffen auf eine Arbeitnehmerüberlassung durch die Stadtwerke von Fachangestellten für den Bäderbetrieb im Umfang von vier Personen an vier Monaten im Jahr, die 170 Stunden, also insgesamt 2720 Stunden erbringen sollen. Abgezogen werde in der Rechnung ein anteiliger Jahresurlaub der vier Personen von insgesamt 320 Stunden.

Nach dieser Berechnung stünden jedem Fachangestellten in der Freibadsaison 80 Stunden, also zehn Tage Urlaub zu, heißt es dazu in der Position der Stadtwerke. „Das ist bei Fachangestellten mit Familien, die auf die Ferien der allgemeinbildenden Schulen angewiesen sind, unzumutbar. Zudem wird der Haupturlaubsanteil auf die Hallenbadsaison verlagert.“ Überdies machen die Stadtwerke deutlich, dass für die Verkehrssicherheit im Bad der Betreiber verantwortlich sei. „Er ist verpflichtet, alle gesetzlichen und technischen Regelwerke, die im Zusammenhang mit dem öffentlichen Badbetrieb stehen, einzuhalten. Mit welchem qualitativen bzw. quantitativen Personaleinsatz er die Verkehrssicherheit gewährleistet, ist für die Stadtwerke Heinsberg nicht von Belang.“

Sehr wohl von Belang scheint hingegen die Art der Tätigkeit zu sein, die den Fachkräften aufgetragen werden soll. Auch in diesem Punkt liegen die Vorstellungen weit auseinander. „Die Fachangestellten können alle Arbeiten, die dem Berufsbild dienen, erledigen“, heißt es bei den Badbetreibern. Auch Schwimmbeckenreinigung, Reinigung der Durchgangsbecken, Wasseranalysen, Wassertechnik und die Aufsicht allgemein gehöre aus ihrer Sicht dazu.

Stadtwerke sind anderer Meinung

Doch das sehen die Stadtwerke offenbar gänzlich anders: „Nach dem Nutzungskonzept des Fördervereins Freibad Kirchhoven, das Grundlage für die Beschlussfassung der Gesellschafterversammlung zum Weiterbetrieb des Freibades Kirchhoven war, war das nicht vorgesehen und auch ausdrücklich nicht gewollt“ , ist in der Stellungnahme zu lesen. „Den überlassenen Beschäftigten obliegt die Badeaufsicht einschließlich der ersten Hilfe im Rahmen der einschlägigen Bestimmungen sowie bei Schlechtwetter der Betrieb des Beckensaugers. Der technische Betrieb der Anlagen, handwerkliche Arbeiten, Aufsicht auf der Liegewiese und in den Sanitärbereichen sowie Reinigungs- und Pflegearbeiten obliegen ausschließlich dem Entleiher.“

Fehlzeiten und krankheitsbedingte Ausfälle des Personals sollten nach den Vorstellungen der Badbetreiber mit 25 Euro je Stunde inklusive der Lohnnebenkosten ausgeglichen werden. Für die Stadtwerke kommt das nicht in Frage: „Diese Forderung lehnt die Geschäftsführung der Stadtwerke Heinsberg ohne Kommentierung ab.“

Die Stadtwerke sollen sich nach den Wünschen der Bürgerbadbetreiber zudem unter anderem verpflichten, einen dauerhaften Zuschuss in Höhe von 70.000 Euro jährlich mit einem Inflationsindex für den Betrieb des Freibades und die Investitionen in die Freibadanlage zu leisten.

Die Geschäftsführung der Stadtwerke kommt zu dem Schluss: „Insgesamt ist festzustellen, dass aus der Sicht der Geschäftsführung das vorgestellte Anforderungsprofil der Bürgerbad Kirchhoven GmbH für das Unternehmen nicht tragbar ist. Die Stadtwerke Heinsberg GmbH wird durch den Betrieb des Bades in Kirchhoven durch die GmbH nahezu im gleichen Umfang belastet als würde sie es selbst betreiben.“ Zudem werde der Wasserkunde, der die Anlage nicht in Anspruch nehme, belastet.

Die Bürgerbadbetreiber legten kein tragfähiges Finanzierungskonzept vor, sondern setzten darauf, dass die finanziellen Risiken bei den Stadtwerken verblieben. Die Stadtwerke sehen sich darin bestätigt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb weder den Stadtwerken, noch der Bürgerbad Kirchhoven GmbH möglich sei. „Der Betrieb des Freibades Kirchhoven ist unwirtschaftlich.“ Laut Vorlage schloss das Jahr 2016 mit einem Verlust in Höhe von 309.952,85 Euro ab.