Kreis Heinsberg: Staat und Kommunen sind kein Selbstzweck

Kreis Heinsberg: Staat und Kommunen sind kein Selbstzweck

Die Vorteile der genossenschaftichen Idee und die Kraft der Rhetorik standen im Mittelpunkt der Fachtagung Kommune. Auf Einladung der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg waren 25 Bürgermeister, Beigeordnete und Kämmerer zu Gast auf Burg Wassenberg.

„Verantwortung tragen“ hieß das Motto der Veranstaltung, die Dr. Veit Luxem als Sprecher der Genossenschaftsinstituteeröffnete. Sein Hinweis an die Entscheider und Meinungsbildner in Städten, Gemeinden und Regionalbanken: „Wir alle engagieren uns vor Ort. Ob in Politik, Verwaltung oder Finanzwirtschaft: Jeden Tag aufs Neue sehen wir, dass wir durch mehr Miteinander mehr erreichen für die Menschen und für die Unternehmen. Oder, wie es Friedrich Wilhelm Raiffeisen formulierte: Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“

„Ich bin mir sicher, dass die meisten von Ihnen heute schon von Genossenschaften profitiert haben!“ Mit diesem Statement begann der Vorstandsvorsitzende des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV), Ralf W. Barkey, seinen Vortrag. Unter der Überschrift „Genossenschaften als Instrument kommunaler Selbsthilfe — gemeinsam Verantwortung tragen in der Region“ zeigte er auf, dass neben den Kreditgenossenschaften auch landwirtschaftliche und gewerbliche Genossenschaften die Ideen von Selbstverantwortung, Selbsthilfe und Selbstverwaltung hoch halten. Insgesamt sind alleine in NRW 594 Genossenschaften Mitglied im RWGV. „Für Kommunen wie für Genossenschaften ist das Prinzip der Subsidiarität von entscheidender Bedeutung“, so Barkey weiter. In diesem Zusamenhang warf er die Frage auf, wer aufgerufen sei, Probleme zu löen: „Der Bund, das Land? Vereine, Genossenschaftenn, der einzelne Mensch? Das Subsidiaritätsprinzip hilft bei der Entscheidung.“ Es gehe davon aus, dass alle dem Menschen übergeordneten staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen nicht aus sich selbst heraus legitimiert sind: „Staaten und Kommunen, Unternehmen und Vereine sind kein Selbstzweck. Sie sollen dem Menschen helfen, sich seiner Natur entsprechend zu entfalten. Übergeordnete Einheiten dürfen dann in sein Handeln nur möglichst schonend eingreifen.“

Genossenschaften könnten gerade im kommunalen Bereich als subsidiäres Instrument der Bürger viele Leistungen erbringen, die bisher öffentlich erbracht werden. Sie stünden für langfristiges Engagement, vor allem aber auch für feste Spielregeln des Umgangs der Mitglieder untereinander: „Nicht das Investment steht im Mittelpunkt, sondern der langfristige Wunsch von Bürgern, ihre Lebensumgebung zu gestalten.“

„Die Kraft der Rhetorik“ war Thema von Kommunikationstrainer René Borbonus, das er den Kommunalbediensteten und Bürgermeistern vortrug: „Wer die Bühne betritt, dem gehört das Wort — ganz gleich, was er daraus macht.“

(koe)
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