Heinsberg-Unterbruch: St. Martin? Für Muslime kein Problem!

Heinsberg-Unterbruch: St. Martin? Für Muslime kein Problem!

Nicht nur der Karneval geht am kommenden Montag offiziell an den Start für die nächste Session. Der 11. November ist zugleich auch der Tag des heiligen Martin. In der von Byzanz beeinflussten Christenheit lag der Martinstag zunächst am Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit ab dem 11. November, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein, in den orthodoxen Kirchen teilweise bis heute, vor Weihnachten begangen wurde.

Am letzten Tag vor Beginn dieser Fastenzeit konnten die Menschen analog zur Fastnacht noch einmal schlemmen. Und so wird dann eben auch am 11. November im rheinischen Karneval die neue Session ausgerufen.

Aber zurück zum heiligen Martin: Brauch am Martinstag sind in der hiesigen Region die Umzüge der Kinder mit Laternen, das Martinsfeuer und Geschenke an die Kinder in Form von Weckmännern und anderen Süßigkeiten. In vielen katholischen Einrichtungen für Kinder ist der Martinstag einer der größten Feiertage im Jahr, auch im Kindergarten St. Marien in Unterbruch. Lange vor dem großen Tag beginnen Erzieherinnen und Kinder, ihre Laternen zu basteln. In Leserunden erfahren sie aus Bilderbüchern und aus Vorgelesenem, wie der heilige Martin gelebt hat und warum er bis heute verehrt wird.

„Der hat seinen Mantel geteilt“, erklärt Arne, während er noch fleißig am grünen Papierbogen für eine Laterne herumschnipselt. „Für einen Bettler in Lumpen“, fügt er hinzu. „Dem war kalt“, ergänzt Sam. Wie der Martin seinen Mantel geteilt hat, wissen die beiden und ihr Freund Can natürlich auch ganz genau. „Mit einem Schwert!“, klingt es wie aus einer Kehle. Das weiß man doch!

Laternen aus farbigem Karton und buntem Transparentpapier in Form von Eulen haben die Kinder in diesem Jahr im Unterbrucher Kindergarten gebastelt oder, nach einer Idee von Erzieherin Helen Engels, Traumfänger mit bunten Bändern und einer großen, farbigen Feder. Schon jetzt brennen die Kleinen darauf, bei Einbruch der Dämmerung am Montag mit ihren kleinen Lichtern loszuziehen.

Dabei steht der Montag im Unterbrucher Kindergarten den ganzen Tag lang im Zeichen des heiligen Martin, im Zeichen von Teilen und Helfen. So gibt‘s schon zum Frühstück in allen Gruppen einen ganz großen Weckmann, der redlich geteilt wird. Am späten Nachmittag treffen sich dann Kinder und Eltern in der benachbarten Kirche zu einem gemeinsamen Wortgottesdienst. Dazu sind auch die Senioren aus dem nahen Altenheim eingeladen, mit denen die Kinder ihre Freude am Martinsfest teilen.

Nach einem Singspiel und einem Lichtertanz gibt es für die Kita einen eigenen kleinen Martinszug über den Schulhof, bei dem sie sogar von einer Abordnung des Trommler- und Pfeiferkorps begleitet werden. Und sogar ein eigenes kleines Martinsfeuer werden sie haben. Das bereitet der Unterbrucher Feuerwehrmann Markus Meyers für sie vor. Danach geht‘s zum Aufwärmen wieder in die Kita, wo der Martinstag bei Kakao und Glühwein gemütlich ausklingt.

Die Frage, ob in St. Marien auch nur ein Gedanke daran verschwendet wird, dieses Fest abzuschaffen oder in ein Sonne-Mond-Sterne-Fest umzuwandeln, wie derzeit heftig diskutiert, erübrigt sich. „Nein“, betont Leiterin Brigitte Minkenberg, „wir sollten unsere Feste nicht abschaffen“. Vielmehr sollten auch die Feste anderer Religionen wie etwa das Zuckerfest oder der Ramadan in den Blickpunkt rücken. „Das ist doch eine kulturelle Bereicherung“, sagt sie. In St. Marien ist diese schon Realität, wenn die Kinder etwa aus dem Buch über den kleinen Martin und seine türkische Freundin Gemile hören, die sich von „ihren“ Festen erzählen.

Genau das sorgt im Unterbrucher Kindergarten dafür, dass derzeit alle Eltern die Erziehung ihrer Kinder im Glauben befürworten, auch die von Kindern aus muslimischen Familien oder aus Familien anderer christlicher Glaubensrichtungen. „Wir haben sogar etliche ungetaufte Kinder hier im Kindergarten“, sagt Minkenberg. „Da gab es noch nie ein Problem.“