„SpringXperience“ des Musikcorps Braunsrath vor dem Gitarrenfestival

„SpringXperience“ : Mitreißender Musikgenuss vor dem Gitarrenfestival

War das ein Musikgenuss! Wären mitreißender Big-Band-Sound, Rock, Pop und Musical-Melodien mit Gesang vom Feinsten nicht schon Ohrenschmaus satt, gesellte sich zu diesem „bunten Strauß“, wie es der Moderator der zweiten Auflage von „SpringXperience“ des Musikcorps Braunsrath formulierte, dieses Mal sogar noch „eine Blüte aus Klassik“.

Vor einem Jahr hatte das symphonische Orchester des Musikcorps unter der Leitung von Steven Walker das erste Experiment gewagt zusammen mit „Fräuleinwunder Plus“, einem Bandprojekt der Jugendmusikschule Heinsberg. Diese stellt besonders begabten jungen Sängerinnen und Sängerinnen professionelle Musiker an die Seite und erarbeitet projektweise Programme für außergewöhnliche Auftritte. In diesem Jahr wurde das Konzert dann zusätzlich erweitert um eine „Blüte“ des internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals, das am Dienstagabend in der Heinsberger Stadthalle mit dem ersten Abendkonzert beginnt. Aliéksey Vianna aus Brasilien konzertierte also ebenfalls mit dem Musikcorps.

Zunächst aber waren die starken Stimmen an der Reihe, nachdem Steven Walker und seine Musiker mit dem Big-Band-Standard Birdland bereits einen mitreißenden Auftakt in der rappelvollen Festhalle hingelegt hatten. Stargast in puncto Gesang war Tamara Peters, ein Eigengewächs der Jugendmusikschule, die aus Saeffelen stammt und es inzwischen auf die großen Bühnen geschafft hat. Vor allem mit ihrem Solotitel „Das Mädchen aus dem 4. Stock“ machte sie deutlich, welche Crossover-Qualitäten sie besitzt, und brachte darin gar kurze Passagen aus Opern wie Carmen oder der Zauberflöte zu Gehör. Sie freute sich sehr, jetzt gemeinsam mit Marie Randerath und Marc Mevissen auf der Bühne zu stehen, die im Verlauf ihrer Karriere in der Jugendmusikschule ihre Schüler gewesen waren.

Auch Marie Randerath und Marc Mevissen brillierten als Solisten, unterstützt von den beiden anderen Sängern, oder im Duett, wie etwa in „The Time of my Life“ aus dem Film „Dirty Dancing“ und in dem Welthit Shallow aus dem Film „A Star is Born“. Unterstützt wurden sie von der Band, die inmitten des Orchesters Platz genommen hatte, mit Bandleader Jörg Hartig (Gitarre), Mylene Schrijen (Bass), Nils van Helden (Schlagzeug) sowie Simon Bay, Frank Ollertz und Theo Krings (Keyboard).

Dazwischen begeisterte auch das Orchester in dem fast drei Stunden umfassenden Non-Stop-Programm immer wieder durch musikalische Höchstleistungen in Arrangements, die zum größten Teil aus der Feder von Steven Walker stammten. Vorne an seinem Pult wirkte er zudem als der große Arrangeur des gesamten Abends. Eine Hommage an David Bowie oder Amy Winehouse stand da ebenso auf dem Programm wie das Beste von Fleetwood Mac. Und auch das Musikcorps hatte herausragende Solisten in seinen Reihen, etwa Thimo Sturmann, der ein wunderbares „Sorry“ auf dem Flügelhorn spielte, oder Heinz Busch mit dem Saxophon bei dem Lied „Halt mich“ mit Tamara Peters. Nicht zuletzt bewunderte das Publikum aber auch ganz junge Musiker in den Reihen des Corps, etwa die erst zwölf Jahre alte Lilli Ritterbecks mit ihrer Oboe.

„Und was wir jetzt machen, das hat noch nie jemand auf diesem Planeten probiert“, verkündete dann nicht ohne Stolz Theo Krings. Was er meinte, war die klassische Gitarre Aliéksey Viannas, die anschließend zusammen mit den Blasinstrumenten der Braunsrather Musiker eine einzigartige, wunderbare Verbindung eingehen sollte. Der Brasilianer spielte aus dem Concierto d´Aranjuez von Joaquín Rodrigo und Spain von Chick Corea. Ganz spontan hatten der Gitarrist und die Sängerin Tamara Peters dann sogar als gemeinsamen Auftritt noch „The Girl from Ipanema“ ins Programm eingeschoben.

Am Ende gab´s kein Halten mehr im Publikum. Nicht weniger als drei Zugaben forderte es Musikern und Sängern ab, zwischen denen sich Helmut Laurs als Vorsitzender des Musikcorps bei allen Beteiligten dieses wunderbaren Musikgenusses bedankte.

Mit dem internationalen Gitarrenfestival geht es am Dienstag in Heinsberg weiter mit dem ersten Konzert der Kernwoche in der Stadthalle. Ab 20 Uhr steht hier das „European Guitar Quartet“ auf der Bühne. Weitere Konzerte gibt´s bis Freitag. Am Samstag steht dann das Finale des Gitarrenwettbewerbs als Konzert auf dem Programm. Eintrittskarten und weitere Informationen: www.guitar-festival.com.

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