Jürgen B. Hausmann: Spaßiger Testballon erfolgreich gezündet

Jürgen B. Hausmann : Spaßiger Testballon erfolgreich gezündet

Nicht nur 20 Jahre gemeinsame Auftritte mit Musiker Harald Claßen sind für den Kabarettisten Jürgen B. Hausmann Grund für ein ganz besonderes, neues Bühnenprogramm. Er wird zudem 55 Jahre alt und begann seine Karriere vor 4x11 Jahren im Kölner Karneval, wie er dem Publikum der Vorpremiere in Birgelen verriet.

Hier gab es dafür die Vorschusslorbeeren einer komplett ausverkauften Mehrzweckhalle, die Hausmann jedoch belohnte mit einem Feuerwerk spaßiger Anekdoten, die genau 5x11 Jahre zurückreichten, die wesentliche und unwesentliche, aber nicht weniger amüsante Eckpunkte seines Lebens pointiert noch einmal Revue passieren ließen. „Jung, wat biste jroß jeworden!“ lautet das treffende Motto der zwei Mal rund eine Stunde dauernden Show, die offiziell am 1. November in Alsdorf startet.

Nach Dortmund und Köln zündete Hausmann am Samstag quasi zum dritten Mal einen Testballon für das, mit dem er zum Jahresende auf Tournee gehen wird. Warum er das gerade auch in einem Dorf wie Birgelen tut, hat seinen Grund, wie er schon gleich zu Beginn seines Auftritts selbst auf der Bühne erklärte. „Man macht die allerersten Schritte immer da, wo man ein ganz besonderes Verhältnis zum Publikum hat“, erklärte er. Und den Menschen in Birgelen sei man inzwischen sehr freundschaftlich verbunden. Kein Wunder, war Hausmann doch am Samstag bereits zum zehnten Mal in Birgelen zu Gast.

In der Pause ließ er zusammen mit Manager Joachim Badorek und Peter Weyermanns, dem Organisator fürs Trommler- und Pfeiferkorps Birgelen, die Entstehungsgeschichte dieser Freundschaft noch einmal Revue passieren. Im Kölner Maritim-Hotel bei einer Veranstaltung der Prinzengarde habe man sich kennengelernt, konnten sich Hausmann und Weyermanns noch genau erinnern. Wo Wassenberg war, habe er da gewusst, „aber Birgelen?“, schmunzelte Hausmann. Dennoch habe er mit der Zusage nicht gezögert. Man spiele doch am liebsten direkt vor Ort bei den Menschen, „und gerade auf dem Dorf sind wir doch ganz nah dran an unserem Publikum“, betonte er. Ganz stolz fügte Weyermanns dem hinzu, dass zu dem besonderen Abend für Birgelen und viele Menschen aus der gesamten Heinsberger Region auch Gäste aus Bielefeld, Soest oder gar aus Hamburg angereist seien. „Ziemlich international!“, strahlte er und fügte, schon wieder auf dem Weg zur Bühne hinzu: „Das ist der erste Auftritt in der gesamten Aachener Region. Da bin ich verdammt stolz drauf!“

Hausmann hatte auf viel Bühnendeko verzichtet, was aber die Konzentration auf seinen unerschöpflich scheinenden Wortwitz sogar erleichterte, als er so durch die Jahrzehnte eilte. Mit einem amüsanten Seitenhieb Richtung Schützenbruderschaften hatte er das Publikum da schon längst auf seine Seite gebracht. Die Schützen würden, wenn sie ihren Holzvogel erschossen hätten, sogar als Majestäten durch die Straßen ziehen. „Dat ist doch so, als würd´ ein Fußjänger vor Nordsee ein Fischbrötchen mit der Harpune erschießen und sich dann beim Rhein in Flammen als Hochseeangler feiern lassen“, erklärte er.

Es folgten viele amüsante Beispiele aus den „Casting-Shows“ für Kinder bei Familienfeiern in seiner eigenen Kindheit, mit viel Hintersinn in die heutige Zeit projiziert. Die Aufforderung, draußen spielen zu gehen, würde doch heute gleich einen Vorwurf von Mobbing nach sich ziehen.

Das Publikum ging voll mit, was Hausmann nach einem Ausflug in die Werbung früherer Zeiten feststellen ließ: „Ein Dorf in Deutschland kennt die ganze Werbung auswendig!“ Nicht minder amüsant ließ er alte Fernsehsendungen Revue passieren und imitierte gekonnt und lautstark Dieter Thomas Heck zu Beginn seiner Hitparade: „Der Heck wusste nicht, dat man den Fernseher zu Hause lauter stellen konnte.“

 Es folgte der Blick ins Computerzeitalter. „Ich bin ja Lateinlehrer und häng’ immer noch so’n bisschen an der Marmortafel“, räumte er ein und erläuterte natürlich wieder überaus amüsant seine ersten Schritte. „Wenn ich mit der Maus jearbeitet hab’, dann hab’ ich de Katz wegjesperrt!“ Und an die erste E-Mail vom Metzger, selbst gefertigt mit der Wurstscheibe im CD-Laufwerk, konnte er sich auch noch erinnern.

Wie man Hausmann und Claßen kennt, hatten sie natürlich auch an der passenden musikalischen Begleitung gefeilt. Im neuen Programm zieht sich das Lied „Hänschen klein“, immer wieder zum Zeitgeist passend, durch die Szenerie. Es wird zum französischen Chanson über „Jean le petit“, oder Hausmann interpretiert es wie Peter Kraus oder Michael Holm. Eine Ma-Baker-Version von Boney M. ist ebenso wie eine Mini-Abba-Show dabei, er singt es mit „Herzilein“ oder am Ende sogar ganz wie Helene Fischer, ganz „Atemlos“.

Atemlos vor Lachen waren am Ende nach gleich zwei Zugaben auch die Zuschauer in Birgelen. Sie erlebten einen erfrischend lockeren Hausmann, der herzlich selbst über seinen eigenen Humor lachen konnte. Auf die fertig ausgefeilte Version des neuen Programms darf sich das Publikum schon freuen.