Spannende Anekdoten aus alter Zeit

Aboplus-Vorteilsaktion : Spannende Anekdoten aus alter Zeit

Da huschte ein Lächeln über Heinz Frankens Gesicht. Der ehemalige Ortsvorsteher und engagierte Heimatkundler des beschaulichen Heinsberger Stadtteils Randerath freute sich sehr, dass sich Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet unserer Zeitung auf den Weg in seine Heimat gemacht hatten.

Im Rahmen des Aboplus-Vorteilsprogramms hatten sie mit ihm die Gelegenheit, einen Ort kennenzulernen, der in seiner Geschichte einst eine große Bedeutung in der gesamten Region hatte.

Eigentlich könne man Randerath auch ganz gut auf eigene Faust entdecken, denn an allen wichtigen Punkten des Ortes seien inzwischen Tafeln mit den wichtigsten historischen Daten angebracht worden, stapelte Franken tief. Schon ganz schnell lernten die Teilnehmer der rund zweistündigen Wanderung durch den Ort jedoch zu schätzen, warum sie ausgerechnet mit ihm hier unterwegs sein durften. Kein Haltepunkt der Gruppe verging, ohne dass sie hier viel mehr erfahren hätte als den Text der Tafel oder weitere Daten und Fakten. Vor allem Frankens kleine Anekdoten rechts und links der Route waren es, die diese Tour so unvergleichlich machten.

Das Vortragekreuz, das Heinz Franken hier erläutert, war nach 130 Jahren auf einem Antiquitätenmarkt in Düren entdeckt worden. Foto: Anna Petra Thomas

Los ging´s im Pastoratsgebäude der Pfarrei St. Lambertus, wo die Besucher gleich staunend vor der großen Ahnentafel der Edelherren von Randerath standen. „Sie zeigt über 500 Namen aus mehr als 30 Generationen seit 1049“, erklärte Franken stolz. In diesem Rahmen berichtete er zugleich von der Bedeutung Randeraths, das im Mittelalter zu den zehn Städten des Herzogtums Jülich gehörte, Stadt- und Marktrechte besaß, über eine Gerichtsbarkeit verfügte und Münzprägestätte war.

Auf dem Weg in die katholische Kirche gleich nebenan wusste er zu berichten, dass der berühmte Johann Hugo Jacob Talbot, der in Aachen die Waggonfabrik gleichen Namens gründete, ebenfalls ein Sohn Randeraths ist. In der Kirche fanden vor allem die in Mauernischen ausgestellten alten Kreuze Beachtung und ein großes, sogenanntes Vortragekreuz. „Lange galt es als verschollen“, so Franken. Aber im Jahr 2000 sei es nach 130 Jahren wieder nach Randerath zurückgekehrt. „Randerather haben es auf einem Antiquitätenmarkt in Düren gefunden.“

Viel zu entdecken gab´s anschließend rund um den Marktplatz nach einer kurzen Orientierung an der Informationstafel mit den Lageplänen von Randerath und Himmerich. Wäre da zunächst die Blaustein-Stele mit den wichtigsten historischen Daten bis zurück ins vierte Jahrhundert, als es in der Nähe bereits eine römisch-germanische Siedlung gab. Interessant war natürlich auch die Geschichte, die Franken zum Ehrenkreuz zu erzählen hatte.

Danach retteten es junge Randerather vor der Vernichtung der Franzosen, indem sie es in Einzelteile zerlegten und beim damaligen Rabbiner versteckten. Was es mit dem sogenannten Blidenstein auf sich hat, der unmittelbar vor der Zufahrt zur Burg steht, wissen die Teilnehmer der Aboplus-Tour jetzt auch. Nach einem kurzen Blick auf die Burg, die heute in privatem Besitz ist, ging es vorbei am ältesten Haus Randeraths und an der Statue für die Grasbürger, wie die Randerather genannt werden, weiter zur evangelischen Kirche, dann vorbei an der alten Pumpe bis zum Denkmal für das wilde schwarze Schwein. „Dieses Schwein soll früher einmal den Teufelspfuhl bewohnt und den Randerathern Streiche gespielt haben“, so Franken.

Nachdem sie eine Abbildung des früheren Stadttores an der Asterstraße bewundert hatten, machten sich die Wanderer auf den Weg entlang des Verlaufs der Stadtmauer zurück zur Feldstraße. Sie besuchten die Kapelle Marienwinkel, den Klosterberg, einen Fußfall und schließlich vorbei am Heimatmuseum den ganz versteckt liegenden jüdischen Friedhof. Bei einer Einkehr in einer Randerather Gaststätte blieben die Gäste gerne noch, um Franken zuzuhören. Viel hatte er noch zu berichten über archäologische Funde, aber auch über verschwundene Orte wie Forst oder Hölkerath.

Alle waren am Ende begeistert, auch Franken selbst, hatte er doch auch ehemalige Randerather begrüßen können wie etwa Fritz Pohl, den Sohn des ehemaligen Notars, der sogar aus Bonn gekommen war. Eine andere Teilnehmerin wusste zu berichten, dass es ihre Großeltern waren, die in der Burg eine Textilindustrie aufbauten.

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