Heinsberg: Sonnenscheinschule: Schüler werden kleine Klimaschützer

Heinsberg: Sonnenscheinschule: Schüler werden kleine Klimaschützer

Noch vorsichtig zwei Streifen Tesafilm ankleben, dann hat Charlotte es geschafft. Stolz blickt sie auf ihren eigenen Solarkollektor. Erst hatte sie einen Schuhkarton von innen mit schwarzer Folie ausgelegt, dann mit viel Fingerspitzengefühl die Frischhaltefolie über den Karton gespannt und festgeklebt.

„Wenn man den Kollektor in die Sonne stellt, kann man darin ganz ohne Strom eine Tasse Kakao erwärmen“, erklärt Charlotte stolz.

Die Schüler der Klasse 4c der Sonnenscheinschule Heinsberg befassten sich zusammen mit ihrer Lehrerin Christina Büllesbach im pädagogischen Umweltunterricht intensiv mit dem Thema Klimaschutz.

Unterstützung erhielten sie von Carsten Schulz von der Deutschen Umwelt-Aktion (DUA). Er erklärte den aufmerksamen Kindern vor dem Basteln anhand eines Experiments, wie der Heizkreislauf funktioniert und wie beim Heizen ganz leicht Energie gespart werden kann. Thomas Reckermann vom Heinsberger Energieanbieter Lekker Energie GmbH gab Tipps zum richtigen Lüften.

Fragestunde vom Bürgermeister

Die ungewöhnliche Unterrichtseinheit kam bei den Schülern gut an. Die 26 Kinder konnten es kaum erwarten, dem Bürgermeister Wolfgang Dieder (CDU) zu erzählen, was sie an dem Tag über die Themen Klimaschutz und Energieversorgung gelernt hatten.

Der Bürgermeister kam, dem Anlass entsprechend, auf klimafreundliche Weise zur Sonnenscheinschule — zu Fuß.

Nachdem alle Kinder ihren eigenen Solarkollektor fertig gebastelt hatten, fragte er sie danach, was Klimawandel eigentlich für sie bedeute. Schnell schossen dutzende Finger in die Höhe. Die Schüler sprachen von Eisbären, die ertrinken, weil das Eis in der Arktis schmilzt. Von Menschen in Entwicklungsländern, die besonders betroffen sind, und von Smog in Großstädten. Aber auch von Menschen in der Umgebung, die ihre Häuser verlassen müssen, weil die Braunkohlebagger immer näher rücken. „Flugzeuge und Autos sind schlecht fürs Klima“, ergänzte ein Schüler abschließend.

Der Bürgermeister freute sich über die engagierten Schüler. „Ich bin angenehm überrascht von dem Lernerfolg der Kinder. Und ich bin gespannt, was sie heute ihren Eltern erzählen“, sagte Dieder. Auch darauf hatten die Kinder sofort eine Antwort. „Wenn die Heizung zwischen zwei und drei eingestellt ist, dann ist es 20 Grad warm, das reicht doch“, sagte Kilian.

Auch Noah hatte aufgepasst. „Die Temperatur um ein Grad zu verringern, spart sieben Prozent Strom“, wusste er. „Stoßlüften ist besser als ein Fenster auf Kipp zu stellen“, sagte ein anderer Schüler, „damit die frische Luft auch in jeder Ecke des Klassenraums ankommt.“

Bei den Kindern ansetzen

Das Konzept der Deutschen Umwelt-Aktion ist vielversprechend, Kinder, Lehrer und Experten waren mit dem Ergebnis zufrieden. Die Schüler versprachen dem Bürgermeister, ein paar Tipps zum Thema Energiesparen umzusetzen. „Es ist wichtig, schon bei Kindern anzufangen, damit sich klimafreundliche Verhaltensweisen automatisieren“, sagte Dieder.

Carsten Schulz von der DUA bestätigte den Gedanken. „‚Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr‘, heißt es. Da ist schon viel Wahres dran.“ Im Kindergarten- und Grundschulalter seien die Kinder besonders aufnahmefähig.

Seit mehr als 50 Jahren vermittelt die DUA an Grundschulen und Kindergärten ökologisches Grundwissen — pädagogisch verpackt.

„Unser Ziel ist es, Klimaschutz für Kinder alltäglich zu machen“, sagte Schulz.

Die Klasse 4c der Sonnenscheinschule kann nun ihren Teil zum Umweltschutz beitragen.

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